Mietwagen ? Gelegentlich mache ich davon Gebrauch. Rund 15 Jahre habe ich privat und geschäftlich und im Laufe der Jahre mit wechselnden Modellen Leasingfahrzeuge gefahren. Als ich – nach dem ersten Jahr in der ersten Kanzlei – mit der Frage konfrontiert worden war: “Sie sind nun ein Jahr hier und aufgrund Ihrer Leistung - da ist eine Gehaltserhöhung erforderlich. Wollen Sie lieber mehr Geld (Der Betrag wurde genannt) oder wollen Sie lieber einen von der Kanzlei finanzierten Geschäftswagen Ihrer Wahl?” fiel mir die Antwort leicht.
Frauen denken praktisch. Oder ? Wahl des Modells, Vertragsverhandlungen (mit entsprechenden ausgehandelten günstigen Konditionen für die Kanzlei) und Abschlüsse waren mir frei überlassen und binnen kurzem erledigt und im Turnus der Vertragslaufzeiten wechselten die Fahrzeuge und Modelle. Man hat nie ein “altes” Fahrzeug, Reparaturen oder Ärger mit dem Auto hat man nur, wenn einem jemand bei einem Unfall Knitterfalten ins Blech setzt. Es ist ein wohltuendes Gefühl, immer ein vertrautes und in optimalem und saisongerecht bereiftem Zustand befindliches Fahrzeug parat zu haben.
Je mehr mit zunehmendem Alter des Nachwuchses morgens und abends rund um die eigene Arbeit aber Schulwege abnahmen und asymmetrisch dazu die Aussen- und Auswärts- und Auslandstermine im Laufe der anwaltlichen Arbeit bedingt durch die beruflichen Schwerpunkte zunahmen, umso unwirtschaftlicher verlagerte sich das Gewicht von monatlichen und jährlichen Kosten des weniger ausgelasteten Leasing-Schnuckelchens mit den weissblauen Statusrauten zugunsten von Flügen und DB .
Frauen denken pragmatisch. Wie gesagt. Wenn selbst Bahncard und DB Tickets 1. Klasse und Business-Tickets der Fluglinien und sogar der ggf. beizeiten eben gemietete Leihwagen für manche Termine auf’s Jahr berechnet wirtschaftlicher sind, als die Dauerkosten eines Fahrzeuges – ob geleast oder gekauft – dann macht es mehr Spass, das Geld anders anzulegen. Erst recht, wenn Reisekosten auch noch von der Mandantschaft oder Veranstaltern der Kongresse für meine Vorträge übernommen werden, aber selbst dann, wenn mal nicht.
Seit rund 5 Jahren besitze ich daher keinen eigenen Pkw mehr. Anfangs ungewohnt, aber überraschend wenig wirklich BENÖTIGT, anstatt “nur” genutzt, weil er eben da war. Und gestehe ein erleichtertes Gefühl bei all den täglichen Meldungen über steigende Kosten für Sprit, Versicherungen etc. Und die Differenz im Budget ist auch rational wohltuend. Zugegeben: Meine Büros lagen in München mitten in Schwabing und Nymphenburg und es liegt auch jetzt ohnehin immer so günstig, dass sie mit öffentlichen Verkehrmitteln ideal erreichbar sind und bestens vernetzt für den Weg zum Bahnhof und Flughafen. Und wann immer möglich liebe ich ohnehin alles mit dem Rad zu erledigen, weil es und was mir die nötige Abwechslung zum Schreibtisch verschafft.
Selten vermisse ich ein Auto – allenfalls für Ausflüge oder wenn ich Fototouren spontan und nicht in nächster Nähe unternehmen möchte. Oder bei Terminen, wie etwa kommende Woche, die besser mit dem Pkw zeitlich klappen. Das ist dann einer der Fälle für den Griff zur Maus oder zum Hörer für den Leihwagen.
Neuerdings (oder vielleicht nicht neuerdings, aber weil ich seltener im Winter Leihwagen nutze, als sommers?) scheint sich da im Verdrängungswettbewerb eine Unsitte breit zu machen neben den ohnehin schon lange aufgesplitteten anderen Zusatzkosten bei Mietwagen: Bereifung für winterliche Verhältnisse ist pro Tag extra zu zahlen. Das zieht sich durch alle gängigen Anbieter, die aber weder das noch den Tagespreis dafür im super-super-Angebot ausweisen, mit welchem Wochenend-, Wochenangebote und Schnäppchen angepriesen werden. Nach dem Vergleichen der diversen günstigsten Angebote direkt bei den Anbietern und über die verpartnerten Unternehmen wie Bahn, Flugticket-Anbieter, Payback- und D-card etc ist der dann ermittelte Preis des Objekts der Begierde nicht etwa der für ein im Winter nun mal typischerweise dann auch zu erwartendes Leihauto. Nein, als müssten die Mitarbeiter der Mietwagenunternehmen bei jedem Wechsel des Kunden die Winterreifen neu aufziehen, wird da ein Aufschlag erhoben. Und der nicht etwa nur einmal bei der Abholung als Einmal-Gebühr, sondern als TAGES-Satz. Je nach Unternehmen liegt der dann zwischen 5 und 16 Euro p.T. Ein Tagesaufschlag von 16 Euro ist per se aber erst recht auf ein Angebot, bei dem der angebliche Schnäppchen-Tagespreis “nur” 39 Euro sei, ist schon deftig.
Berücksichtigt man, dass man im Falle eines Unfalles und Versicherungsfalles aus rechtlicher Sicht ohnehin Abwicklungshürden mit dem Mietwagenunternehmen und dessen Versicherung hätte, kann man gut und gerne darauf verzichten, sich dann auch noch mit der Rechtsprechung entgegenhalten zu lassen, dass man einen höheren Verschuldensanteil anrechnen lassen muss, weil man keine Winterreifen aufgezogen hatte oder gar den Versicherungsschutz ggf. sogar ganz verliere, der mit dem Mietwagen abgeschlossen wurde. Also bucht man natürlich den Aufpreis mit und zahlt am Ende eben doch kein Schnäppchen mehr. Wettbewerbswidrig ? Wenn alle Mietwagenunternehmen es so machen ? Verbraucherfreundlich ? Unübersichtlich im Endpreis wie bei den Luftfahrtgesellschaften, die mit billigen Tickets werben, aber dann eigentlich selbstverständlich dazugehörendes erst am Ende der Buchungen (insb online) ausweisen und dafür bereits eins durch die EU-Vorschriften gegen irreführende Angaben bei Flugreisen als Lektion bekommen haben – und inzwischen abgemahnt werden mussten.
Mich erinnert diese Methode der Werbung und Preisgestaltung daran. Denn wenn ich im Winter ein Auto miete, erwarte ich, dass ich es so zur Verfügung gestellt bekomme, dass es verkehrssicher und eben auch wintertauglich ist und zwar de facto eben sicherer und auch rechtlich in der Art und Weise, dass keine Risikoabwälzung im Falle eines Unfalles erfolgt, nur weil ich es auch vertragsgerecht im Strassenverkehr tatsächlich nutze und bewege. Alles andere sehe ich eigentlich nicht wirklich als eine vertragsgerechtes Leistungsangebot für das, was ich als Mietwagenkunde eben gerade mit dem Leihwagen zu nutzen wünsche. Und weswegen ich einen Vertrag schliesse, um mir temporär das zu leisten, was ich nicht als Dauerkosten vor dem Haus stehen und im Strassenverkehr nutzen möchte: ein verkehrstüchtiges, gut gewartetes und den Versicherungspflichten und -obliegenheiten entsprechendes Fahrzeug.Ich muss ja auch nicht für das Enteisen des Flugzeugs auf der Startbahn extra löhnen.
Stattdessen wird dem Kunden ein scheinbar günstiger Preis suggeriert, bei dem er dann vor der Wahl steht, doch teurer zu bezahlen, um sich verkehrs- und versicherungsgerecht zu verhalten oder das Risiko einzugehen, dass er auf Winterreifen und Aufpreis verzichtet und das komplette Versicherungsrisiko zu tragen, das er bereits mit im Vertrag im Grundpreis kalkuliert eh schon mitfinanzieren muss, auch bei hohem Selbstbehalt oder schon dort Aufpreisen für die Reduzierung des Selbstbehaltes. Verhält er sich versicherungsrechtlich korrekt und verkehrsgerecht, bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als noch mal draufzuzahlen. Wenn er nicht draufzahlen will.
Was wird da also kostenmässig delegiert? Doch keine zusätzliche Abnutzung von Reifen – denn es werden ja nicht doppelt so viele Reifen eingesetzt oder abgefahren. ICH nutze nur denjenigen Satz Reifen, der montiert ist. Zusätzlicher Personalaufwand ? wohl kaum – siehe oben. Das mag sich ein wenig anders bei den Aufpreisen für Kindersitze verhalten, obwohl auch da ein Tagessatz nicht mit dem Aufwand für den Einbau vor Abholung erklärbar ist.
Die Anschaffungskosten für Winterreifen für Mietwagen ? Dann sollte man die auch schlicht in der Kalkulation von vorneherein eingerechnet werden: Alles andere dient der Lockvogel-Preis-Methode, um Kunden wie Flugkunden “zu fangen” und dann erst den Endpreis zu nennen, wenn er schon ganz oder überwiegend Verbraucher im www.Netz und dort dann schon halb und halb im Netz der Buchung des Mietwagens ist. Ein Beispiel findet sich bei diesem Unternehmen, das mit Preisangebot für eine “Winterflatrate” verbunden sogar mit “Buchbar ab sofort! Inklusive Wintertauglicher Bereifung,” wirbt – aber beim Buchungsvorgang dann nochmal extra für die Winterbereifung zulangt.
Neee, DAS sind dann so Momente, wo ich mir doch selten aber manchmal mein eigenes PS-Flitzerle vor der Türe zurückwünsche, wenn ich doch mal auf den Leihwagen mangels Ausweichmöglichkeit auf DB etc angewiesen bin. Denn verbraucherfreundlich ist das nicht. Daumen down.
















OFF TOPIC:
Im Feedreader steht bei mir “…fiel mir die Antwort leicht. Frauen (bitte hier weiterlesen)….
Ich hoffe doch, dass auch der eine oder andere Mann weiterliest
Moin Stefunny….lustig, was feedreader offenbar aus Texten so machen, ohne dass ich das hier erkennen kann…
Die provokante Gegenfrage, ob Männer denn überhaupt lesen können, verkneife ich mir mal heute artig…… sie würde zu weit in die grundphilosophische Diskussion führen, warum sie dann so schlecht zuhören können – im Besonderen Frauen zuhören ? Und ob es dann womöglich (völlig jenseits von Beweissicherungsüberlegungen) lohnen könnte, ihnen weniger zu sagen, als zu kritzeln *Scherz*