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Über Leistungs- und Kaufkraft ?

Juni 24, 2009 · Kommentar schreiben

….dachte und fragte mich jemand, der diese Arbeit

AMGBrokenFC

Broken World

von mir entdeckte. Und der von mir auf seine Frage, wann ich das Bild gemacht hätte, die Antwort „Anfang 2005″ erhalten hatte. Nun – ein anderer als ich würde das winzige Detail HEUTE vielleicht als bewusst, als gezielt, als symbolisches und thematisches Stilmittel in seiner eigenen grossartigen Bildidee verkaufen. Derlei widerstrebt nicht nur meinem Naturell, es ist auch nicht einmal nötig, um sich bei nochmaliger und eingehender Betrachtung des Bildes, seiner unverminderten aktuellen Gültigkeit (die allein schon erschreckend betroffen macht) mit allerlei Assoziationen und Gedanken und auch Emotionen wieder zu finden. Die Plastiktüte – völlig unabhängig von dem Namen darauf – stand nur als Symbol leichten und wenigen, armen und hastig gepackten Gepäcks. Schnell gegriffen, weil sie keinen Koffer besassen oder weil nicht die Zeit blieb, diesen lange zu suchen, zu packen. Weil es

nur schnell gehen musste. Bevor….. ja, das blieb der weiteren Fantasie überlassen, die jeder weiter reisen lassen konnte. Zurückblickend in ein Kapitel, das die beiden verlassen. In dem Mauern und Fugen ebenso auseinander geraten waren, wie sie es noch im Zeitpunkt der Trennung, des Fortgehens, des Abschieds, der Flucht, des Schrittes in den Neubeginn in ein noch ungeordnetes, noch nicht neu strukturiertes, noch nicht gesichertes neues Leben, zumindest ein neues Kapitel vor sich hatten. Wie viele Menschen. Nicht erst in Zeiten der Wende, des Mauerfalls. Immer dann, wenn Menschen zu jeder Zeit eine ganz persönliche Wende, eine ganz individuelle ihres eigenen Lebens oder ihrer Zeit in die Hand nehmen, erleben, davon betroffen werden. So alltäglich und jederzeit, wie sie symbolisch oder tatsächlich eben auch und vor allem zwischen den Weichenstellungen und mit ihnen zwischen den Gleisen geschehen. Die Erstveröffentlichung des Bildes (als Grossansicht auch hier zu sehen) geschah als Illustration eines Krimis…. ein wenig für das Kopf-Kino der Betrachter mit dem Titel „Als ihre Welt zerbrach“ und mit folgendem Einleitungstext:

Als ihre Welt zerbrach
geschah es ……..
am hellichten Tag…..
danach liess sie alles zurück…
nur keine Spuren……..
im Nichts, das ihre Vergangenheit

wie eine weisse Fläche zurückliess, ………
als hätte es sie nie gegeben…….

dann gingen sie in einen ungewissen Neubeginn,…
mit nur wenig, das sie hatten,…
aber es gab nur diesen Weg ……
und kein Zurück.

Heute könnte man das Bild zeigen und könnte, müsste aber nicht einmal einen Titel dazu setzen. Und allein das eine kleine Detail würde zweifellos bei —sagen wir 90% ? – sagen wir: bei den meisten der Betrachter die eine Assoziation wecken. Arcandor.

Und/oder : Krise.

Und vielleicht noch: Fluchtreflex, am liebsten nichts wie weg. Und: Schön wär’s.

Auf das Bild angesprochen und auf der Suche im Archiv danach geht mir dieses kleine Detail nicht so recht aus dem Sinn. Und wie diese Kleinigkeit Karriere machen kann. Karriere der Aktualität, prominent durch Krise. Damals ein zufälliges Detail. Kein prophetisches. Nein, nein, ich bin kein Wirtschaftsweiser mit besonderen prognostischen Fähigkeiten. Diese Arbeit von mir, die bereits Anfang 2005 entstand, könnte heute – nicht nur, aber aufgrund eines damals rein zufälligen Details – auch unter dem Titel „Arcandor“ stehen. Vor 50 Jahren hätte „Arcandor“ auch der Name eines Abenteuer- oder Fantasyromans sein können, der Name einer Insel, einer noch nicht in den Karten verzeichneten, die kleine Jungs in grossen Fantasyfilmen auf überdimensionalen weissen Drachen namens Fuchur ihre Welt verlassen, weil scheinbar in der eigenen Welt Phantasien und die Freude zur Fantasie, zur Kreativität, die Kraft, der Mut, an Träume und Potentiale zu gleuben und sie auch entstehen, Realität werden zu lassen schwinden und verschwinden. Lähmend am Ende und bei dem ohne Michael Ende nur Nichts bleibt. Oder eben bliebe. Wenn man sich die Fantasie rauben lässt. Und nicht aufsteht und sich auf den Weg macht.

Heute ist „Arcandor“ alles andere als ein Name, der Kraft seiner Fantasie, seine Leistungskraft klänge nach „Ahhhh…can d’or“…. so ein bisschen halt nach „Ahhhh…. wir können (ver)Gold(en)“… aber so ist das mit den fantasievollen Namen, sie führen auch nur zurück in die raue Realität ;-) )) – die nicht der schlechtesten einer sein muss. Von einer Insel, einem Land, von der auch Bastian in Ende’s Geschichte zurückkehrte, um die Realität nach den bestandenen Herausforderungen seiner Träume zu bestehen. Arcandor, ist alles andere als ein Versprechen, das Arbeit, Kreativität, Fantasie und etwas zu schaffen zu stehen scheint. Nicht kleine Jungs flüstern solche Namen wie geheime Ziele ihrer Träume und glauben an Welten, in denen alles möglich und zu erreichen scheint, wenn man Mut besitzt, Herausforderungen anzunehmen. Es scheint vielmehr, als mache das Flüstern des Namens grosse zu wieder kleinen Menschen, aber mutlose, die es für eine unendliche Geschichte halten, die eben nicht mit einem Ende – diesem und jenem – aufwarten kann, das happy ENDEt.

Es ist die Zufälligkeit, welche Tüte, welche LOHNtüte sie als Chance anfangs in die Hand genommen haben, die ihnen zum ……….Los wird. Einem scheinbar unabänderlichem. Solange sie nicht das Geld, die Chance, die Gelegenheit erhalten, nach einem weiteren Los zu greifen, das aus ihrem Los des Stempels darauf und aus ihnen wieder Gewinner macht.

Wenn ich mir HEUTE, vier Jahre später das Bild erneut betrachte, ist es nicht so sehr die Tatsache, DASS noch immer Menschen mit kleinem, leichtem und wnigem Gepäck unterwegs sind. Unterwegs zu sein, das ist Menschen nicht neu. Das waren sie immer. Und in Bewegung zu bleiben, nicht festgefahren zu bleiben, ist eines der genetischen Potentiale, das den Menschen in der Entwicklung überleben lässt. Stand up and Go. But Go.

Nein, es ist eben diese Zufälligkeit, mit der die Menschen von Brüchen ihres Lebens betroffen werden, die sie so betroffen macht. Und den Betrachter. Der irgendwie ahnt, dass er vielleicht schon, vielleicht nur noch nicht, ebenso zufällig ins Bild, in eine solche unendliche Geschichte gezogen werden könnte. Dass nicht nur ihre, sondern sehr unvorbereitet, ohne lange oder überhaupt noch sehr viel packen zu können, auch seine eigene Welt dann aus den Fugen gerät. Und schwer zu kitten. Schwer wieder in Tüten zu kriegen. Nicht nur Lohntüten. Krise.

Die Tüte und ihr Aufdruck, der Name des Unternehmens darauf ist noch immer zufällig und noch immer austauschbar. Und letzteres ist – leider – ja das alles anderes als Beruhigende daran. Für jeden Betroffenen und jeden, der morgen betroffen sein kann von der Krise und ihren Folgen. Nur: Krisen machen Menschen nicht wertloser, als sie es noch 5 Minuten vor der Kündigung waren. Noch vor dem Stück weissem Papier mit etwas Druckerschwärze darauf. Nur weil jemand, ein Unternehmen, das in der Insolvenz letztlich ohne die Menschen doch nur ein Sammelsurium von Betriebsgeräten und zu wenig Geld ist,  sich den Wert dieses Menschen, seiner Leistungsfähigkeit und Leistungskraft nicht mehr leisten kann. Nicht der Mensch, der gehen muss, verliert seine Leistungskraft und seinen Wert, sondern der, welcher ihn sich nicht mehr leisten kann. Das Unternehmen hat nicht mehr die Kraft zur Leistung. Wer also ist das Papier nicht wert, auf dem die Kündigung steht? Und wer verdient es, nach wie vor als Mensch und wert behandelt zu werden, wie ein Mensch und zwar einer, der fähig ist, zur Leistung fähig und keine zu verwaltende, angeblich leistungsschwache Partie im Spiel, in der knappe Ressourcen nicht an angeblich leistungsmüde, leistungsunwillige Nummern in der Arbeitslosenstatistik vergeben werden können, sollen. Wenn diese sich nicht – zuerst einmal, bitte schön! – solcher Leistungen wert erweisen.

Ja?

So schnell wird einfach durch das zufällige Los, welche (Lohn)Tüte man gezogen hat, der Mensch angeblich leistungsschwach……………doch nur leistungsschwach geredet. Vorzugsweise von denen, die sich seine Leistungsstärke nicht mehr leisten konnten. Ein verbales Ablenkungsmanöver. Gerede, nichts als Gerede, gegen das die Gegenrede gewachsen ist. Das nicht schweigend hingenommen werden muss. Weil man noch immer seine Stimme hat. Und mehr als das. Und des Brot man nicht mehr isst, des Wort muss man spätestens dann weder reden, noch glauben und sich davon klein reden lassen, ……….

Was man als Mensch wert ist, welches Potential, welche Kraft und welche Stärken und Qualitäten man hat, erfährt man am besten in der Krise. Vor allem, was man – scheinbar – noch oder nicht mehr wert ist. In vielerlei Sinn und auf vielerlei Weise. Aber das ist dann wiederum ein ganz eigenes Kapitel.

;-)

© Copyright by Liz Collet

Bildquelle: Broken World

Kategorien: Kommentar · Law Art
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