Übernachtung bei Freunden

Es gibt Menschen, die Freunden 150 € für die Übernachtung zahlen. Hört man. Und Menschen, die das von solchen unterscheidet, weil sie das nicht tun. Haben wir gestern abend auch gehört.
Nun kann mancher, wie zu lesen und zu hören ist, der Meinung sein, Frau Schausten sei bei dem Interview-Punkt auf einen der ältesten Gesprächstricks hereingefallen. Man kann auch die Meinung vertreten: Warum hat sie nicht einfach anstatt ein (glaubhaftes oder nicht) “Ja” auf seine Antwort gekontert, dass  zwischen ihr als Privatmensch und ihm als Bundespräsident vielleicht nicht ganz derselbe Maßstab gelten müsse, von wem man sich einladen und vor wem man sich dazu äussern müsse, als Repräsentant einer Demokratie, die von der Unabhängigkeit besonders ihrer Verfassungsorgane lebe.
Oder ………..man hat Frau Schausten einfach ganz ganz ganz ganz arg missverstanden. In einer Zeit, in der als Freunde allüberall schon Kontakte bei Facebook und Twitter, aus Netzwerken, Foren und Communities bezeichnet werden oder sich selbst so bezeichnen, muss man vielleicht einfach mal hinterfragen, was und wen  sie wohl als Freunde so neudeutsch versteht?
Sagen wir so: Wenn ich “Freunden” meiner FB-Liste 150 Euro für eine Übernachtung zahlen sollte, so nenne ich sie Hoteliers. Nicht Freunde. Den Begriff der Freundschaft verwende ich bewusst sehr spärlich und das hat seine guten Gründe und Hürden, bis jemand dieses Gütesiegel erhält. Und dann aber auch behält. Und auch über Belastungsproben nicht leicht verliert. Oder beliebig auf oder von Kontaktlisten genommen und wieder ausgeschlossen wird und werden kann. Und dem, was man teilt und mitteilt. Inklusive Vertrauen, Zeit und anderem. Menschen, von denen keiner dafür etwas erhalten muss, noch zahlen.  Wert muss er oder sie es sein. Und Werte von Freundschaften liegen auf einer anderen Ebene. Für alles andere gibt es begriffliche eigene Kategorien : Geschäftskontakte, Berufskontakte, Bekannte und gute Bekannte, Studienkollegen, Arbeitskollegen, Kollegen, Geschäftspartner, Kunden, Klienten, usw.

Und daher sind bei  mir bei FB und sonst Kontakte eben Kontakte, egal wie Social Life sie bezeichnet oder kategorisiert. Bis aus ihnen – seien sie nur virtual oder auch oder nur real contacts – oder bis vielleicht aus dem einen oder anderen von ihnen  freundschaftliche Kontakte oder Freunde werden. Und Freunde geniessen bei mir Gastfreundschaft, wenn sie mein Gast sind. Oder ich der ihre. Und vielleicht lädt man sich dann auch als nettem Dank in ein Restaurant ein. Gegenseitig. Aber im Übrigen ist man Gast. Als Freund.

Nicht nur Interviewte vermasseln an MANcher Stelle Chancen in Interviews, die exclusiv gegeben und erhalten werden. MAN sollte allerdings dennoch den Blick nicht für das Entscheidende an diesem Interview aus dem Auge verlieren. WER die eigentliche Chance darin ungenutzt liess, nicht nur Antworten zu geben, die eher  Lippenbekenntnissen, als Erkenntnissen gleichen. Aber das ist dann an anderer, späterer  Stelle ein eigenes Thema.  Nicht nur, aber auch über Freundschaften. In diesem Lande.

Ni X für U ngut

Über Liz

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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6 Antworten zu Übernachtung bei Freunden

  1. Liz schreibt:

    Weitere aktuelle Beiträge zum Thema:
    Präsidentenanklage nach Art 61 GG

    Und nachdem auch reichlich Zeit seit der Sendung verstrichen ist, scheint niemandem in der Resonanz der Presse bislang aufzufallen, dass die von Wulff generös erfolgte Ankündigung im TV-Interview, anderntags würden seine Anwälte alle, alle diese rund 400 Fragen und seine Antworten offengelegt im Internet publizieren, bis heute nicht erfüllt wurde, sondern nur eine Art Zusammenfassung einiger weniger Punkte durch eben seine Anwälte ins Net gestellt wurde. Weit entfernt von allen Fragen und schon gar allen Antworten darauf. Man mag sich fragen, was hat dann so lang Zeit in Anspruch genommen, wenn da wirklich weder grosser Aufwand noch Neues zu erkennen ist?

  2. Pingback: Über’s Jahr, über’s Jahr….. | Jus@Publicum

  3. Liz schreibt:

    Nein, nein, nein, ich sage noch immer nix zum Thema Couchsurfen. Isch hab mir die freche Antwort dazu soooo selbstdiszipliniert gekniffen. Bis………jetzt. ;-) Aber scherzi aparte: Die wohlwollend durchweg positive Resonanz auf Ihre Gastgeberqualitäten lassen die Frage aufkommen, ob Sie nicht im falschen Beruf gelandet sind: Wie wäre es mit einem Spurwechsel in die Hotellerie? ;-) [Ich surfe dann gelegentlich an Ihrem Herd und Backofen, .... wäre das ein Deal?]

  4. Pingback: Nicht Kichern! | Jus@Publicum

  5. Pingback: Wulff macht Karriere | Jus@Publicum

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