Doppelleben vs Privatleben ?

 © Liz Collet

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Bei Schreibfehlern mag manchen Medien und dem Menschen generell der Duden als Rechtschreibwörterbuch helfen.

Wenn Medien und Menschen  jedoch den Wunsch nach „Privatleben“ mit einem angeblichen „Doppelleben verwechseln und eben das Privatleben und alle darunter als privat und persönlich verstandenen Details für sie ein Fremdwort zu sein scheint, dürfte ihnen

vermutlich nicht einmal ein Fremdwörterlexikon auf die Sprünge helfen.

Ein Mensch bewahrt Dinge für sich, die zu den höchstpersönlichen Angelegenheiten gehören? Das nennt man Privatsphäre. Er lebt sein Leben damit so, wie er es für richtig hält. Wer eine Eigenschaft, eine Erkrankung nicht anderen mitteilen möchte, lebt sein Leben. Kein Doppelleben.

Wer an Krebs erkrankt, an MS oder anderen schweren Erkrankungen  und dies mit sich allein abmacht und den behandelnden Ärzten – lebt kein Doppelleben, sondern SEIN Leben. 

Wie absurd, was für eine Heuchelei dies je nach körperlichen oder psychischen Belastungen oder Erkrankungen unterschiedlich zu kategorisieren und zu stigmatisiern und sich verwundert zu zeigen, wenn Menschen sich dem nicht zu Lebzeiten aussetzen wollen. Wissend, wie es anderen bereits vor ihnen ging, die sich „geoutet“ haben. 

Jeder mag das für sich entscheiden und unterschiedlich handhaben. Wie er es handhabt ist aber zu respektieren. Nicht nur zu tolerieren.  Den begrifflichen wie inhaltlichen Unterschied verstehen bereits wenige.

Für Erkrankungen gleich welcher Art ebenso wie  für andere  persönliche Lebensbereiche ist Respekt geschuldet. Und damit auch, ob und wer sich zu Lebzeiten oder nach seinem Tod durch Bekanntgabe seiner privatesten Dinge für eine Enttabuisierung „zur Verfügung“ stellt. Oder eben nicht.

Allein die Bezeichnung als Doppelleben, das einen Menschen mit seinem Bedürfnis nicht alles mit anderen oder gar der Öffentlichkeit zu teilen oder ihr mitzuteilen in ein Licht rückt, als haben er etwas zu verbergen, sich einer Sache zu schämen, entlarvt die selbst darin und nach einem Suizid noch anhaltende Stigmatisierung.Und die nur vorgeblichen Behauptungen, mit solch medialer Ausbeutung ein Anliegen von Enttabuisierung verfolgen zu wollen.

Und es entlarvt, wie sehr einen Betroffenen tatsächlich solche Folgen und deren dann nicht mehr von ihm aufrecht zu erhaltene Kontrolle über sein berufliches, sein privates Leben nicht nur subjektiv als weitere Angst begleitete. Wie viel eher mit vorgeblicher Anteilnahme ein weiterer Mensch, umso mehr ein prominenter vor allem durch die Presse und die Themen der Talksendungen gehechelt worden wäre, die bereits gestern ihren Auftakt nahmen.

Mit zusätzlicher Belastung, anstatt subjektiver Entlastung. Aus der Sicht eines betroffenen Menschen wahrgenommen. Diesem und niemand anderem steht die Entscheidung zu, was davon aus seiner Privatsphäre hinaustreten oder getragen werden soll und darf.  Will er dies selbst bis in und über den Tod hinweg nicht, wie Arzt und Angehörige selbst bekunden, die er „sogar getäuscht hatte“, um auch durch eine Klinikbehandlung keine Öffentlichkeit zu riskieren, kann eine ausdrückliche oder mutmassliche Befugnis, die ärztliche Schweigepflicht nach seinem Tode nicht mehr wahren zu müssen, kaum begründet werden.

Die ärztliche Schweigepflicht gilt wegen des Schutzzwecks des § 203 StGB auch nach dem Tod eines Menschen fort, § 203 IV StGB. Wegen des höchstpersönlichen Charakters können auch nach dem Tode nicht etwa Angehörige den Arzt von seiner Schweigepflicht befreien. Das gilt selbstverständlich auch für Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

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Über Liz Collet

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