Frage an den Bewerber: „Sind Sie der Schnitzel- oder Kotelett-Typ?“

Kotelett © Liz Collet

Es gibt Fragen, da würde mich ein unwiderstehlicher Kicherreiz überfallen. Dass und was ich mir dabei denke, wenn mir jemand schildert, dass es Personalchefs gibt, die solche Fragen allen, allen Ernstes wirklich stellen, ist noch ein ganz anderes Thema. Und besonders dann, wenn es NICHT um einen Job in einer Metzgerei, einem Restaurant, in Lebensmittelhandel- oder Industrie oder im Bereich Fooddesign etc geht.

Die Frage wurde  einer Bewerberin in einem Bewerbungsgespräch ernsthaft gestellt. Je nachdem wie weit das Bewerbungsgespräch gediehen ist, könnte man natürlich simpel und schmunzelnd kontern:

„Oh, Sie wollen schon wissen, was man mir in der Kantine servieren darf? Wie schön! Dann auf gute Zusammenarbeit“ 😉

Aber sonst?
Ob im Einzelgespräch oder im „Assessment“ – da bieten sich abgesehen von Sprachlosigkeit verschiedene Möglichkeiten der Antwort. Ich fürchte, ICH würde nicht mal versuchen, über ernsthafte auch nur nachzudenken.

Und sowas abschiessen wie „Kalb, Lamm, Spanferkel  oder Schwein?“ Und wäre ich nicht zufällig deutsche Staatsangehörige könnte man sicher hemmungslos in Versuchung geraten, mit dem unschuldigsten Gesichtsausdruck nachzuschieben: „Äh…. finden Sie nicht, dass das jetzt leicht ethnisch diskriminierende Gesprächstendenz bekommt und Bewerber in den möglichen Antworten benachteiligt, die kein Schweinefleisch essen?“

Oder Sie kucken einmal an sich selbst runter und kontern: „Öh..welchen Teil von mir meinen Sie jetzt konkret?“

Immerhin wäre es ja schon tröstlich, dass im Hype um Veganes und Vegetarisches auch Fleischesser noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, seit Fleischgenuss schier des Teufel’s Versuchung pur geworden zu sein scheint und man fürchten muss, ohne mindestens 2 Dutzend diese Sünde, noch mit dem eigenen Fleischkonsum die Welt massgeblich zu vernichten, irgendwie in Öko- und Sozialbilanz ausgleichen zu müssen. Wenn man noch Hoffnungen auf einen Platz im Arbeitsleben und als Teil ethisch akzeptablen Gesellschaftslebens zu verdienen. Um sich den eigenen Lebensunterhalt verdienen zu dürfen. Man kann jede Frage negativ, heiter, ernst oder unernst oder höchst nett verstehen.

Auch wenn es scheinbar Fragen sein mögen, die so dämlich und pseudopsychologisch und bewerber- wie jobirrelevant sind für Bewerbungsgespräche, dass man sie eigentlich wirklich entweder nur ins Komisch-Absurde laufen lassen sollte. Oder möchte. Oder auf den Austausch von Kochrezepten thematisch schwenken sollte. Und kucken was passiert.

Die Stelle war bei einem pharmazeutischen Unternehmen zu besetzen.

Wie hätten Sie reagiert? Ernsthaft. Ernsthaft?

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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Eine Antwort zu Frage an den Bewerber: „Sind Sie der Schnitzel- oder Kotelett-Typ?“

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