Tip: Borstei, BR ……Beinah‘ zu schad‘, um es zu verraten

Wenn da nicht ein interessanter TV-Tipp für heute wäre, beim BR, (heute BR 17 Uhr) sollte ich es eigentlich gar nicht verraten. Eigentlich…..……..ist es nämlich einer derjenigen  kleinen Plätze in München, die ich wie meinen besonderen Lieblingsbiergarten und anderes nie nie nie weiter verrate. Erstens weil sie nicht so überlaufen und von vielen gesucht sind. Und auch genau das bleiben sollen. Und daher zweitens noch so schön ruhig, abgeschieden sind, dass ich sie grad noch so schön für mich haben kann, wenn mir danach ist. Wie eben die Borstei: Mit dem Rad in wenigen Minuten für mich erreichbar. Und ein bisserl eine Insel. Das ist sie auch für solche, die dort gern wohnen möchten. So leicht ist eine Wohnung dort nicht zu bekommen, da wird sehr fein ausgewählt.

Mir würden dort bei den meisten Wohnungen der Balkon fehlen. Aber sonst gibt es viele liebevolle kleine Details zu entdecken. Wo einem nicht so leicht dauernd  jemand über die Füsse läuft, der einen beim Auszeitgeniessen störte, wenn ich mal grad an nix Böses denke. Brauchen Sie das nicht auch gelegentlich, egal wie gern sie sonst Menschen um sich haben? Mittagspausen etwa sind schlicht nicht lang genug, um gleich bis auf ein Segelboot gehen, auf einen Berg marschieren zu wollen oder können, zeitlich, räumlich so schnell erreichbar, wie das Bedürfnis nach kleiner Auszeit für 1 Stunde es verlangt? (Legen wir den Mantel des Schweigens darüber, wie wenig allein man zudem manchenorts grad am Berg wäre). Da sind sie eben so ein Luxus, diese kleinen Inseln in der City. Wohin ich gern mal verduften gehe, um mal eine kleine Pause zum Abschalten zu haben. Auch weil es dort im Frühling und in Kürze wieder nach Flieder duftet und im Herbst nach alten Rosensorten. Und weil man es dort fast verwunschen und versteckt und fast für sich allein geniessen kann. Von ein paar Kindern oder Bewohnern dort abgesehen, die den Garten im Sommer geniessen.

Nicht in jeder Jahreszeit ist das in München zB an einem meiner anderen Lieblingsplätze im Botanischen oder im Schlosspark in Nymphenburg möglich. Den ich gern bei meiner zweiten Kanzlei nutzte oder den „Canale“ dort. Oder der eben auch eher lebhafte Elisabethplatz nahe meiner ersten Kanzlei – der grade auch zum Schnuppern und Schlendern wie zum „Schnacken“, zum Ratsch mit den Standlbesitzern verlockt. Wo man sich halt kennt. Und von manchen gern und oft in der Mittagspause mal eben auf ein Problem angesprochen wird, für das Rechtsrat gesucht ist. Selbst noch Jahre nach Auflösung der Sozietät in Schwabing, wenn ich am Elisabethmarkt vorbeischaue.

Ja….. man kann auf manchen Märkten nicht nur das Gemüse mit auf den Weg zurück in die Kanzlei oder das heutige Büro und als Auftrag für dieses mitbringen, wenn man in der Mittagspause bisserl Luft- und Vitamine kapern gehen will oder den Wochenendeinkauf zusammen mit dbmS freitags nachmittags nach Büro-, Kindergarten- oder Schulschluss erledigt. Weil es ein hübscher, entspannender Ausklang der Bürowoche ist. Und Einklang des Wochenendes. Mit dem Marktkörberl. Und dem, was dorthinein wandert. Und zuhause die Woche dann gemeinsam mit eben dbmS und den nach und nach ebenfalls heimkehrenden und sich in der Cucina einfindenden Familienmitgliedern oder Freunden zu kochen, zu plaudern über die Woche. Das Wochenende. Was an Kuchen schon im Ofen zu duften beginnt…oder an …. schmorenden und anderen Schmankerln. Mandanten-oder Auftrags-Akquise mit Vitamin B? …….  Warum – nur – mit Vitamin B? Genuss verbindet. Und baut schnell Brücken. Scheint es. Es gibt weniger entspannte Wege, miteinander ins Geschäft zu kommen, wenn man Geschäfte miteinander macht , als auf dem Markt Genuss-schnuppern zu gehen. ;-) 

  Die Borstei ……..ist eine andere kleine Insel, einer der ruhigeren Art. Und relativ sicher vor Touristen. Und vor geschäftlichen Themen. So verschlafen zeitweise dort und abgeschieden, dass die kleinen Läden dort noch Mittagsschlaf halten. Einen der – nach vornehin klein wirkenden – Läden, die aber hinter dem Ladenraum grössere Räume besitzen und zum Innenhof führen, habe ich schon als Schülerin in den Ferien und auch als Studentin monatelang über die Sommersemesterferien allein geführt. Ganz ohne Bezug zu Geschäft und Geschäften war die Borstei also nicht immer für mich. Ganztägig und Sonderdoppelschichten arbeitete ich dort, völlig freie Hand mit dem Laden, ein Spezialdeal mit meiner Bezirksleiterin. Die mir für jeden der Läden ihres Bezirks in München schon wenige Wochen, nachdem ich dort als Aushilfsjob und Schülerin angefangen hatte, den Schlüssel in die Hand drückte und auf jeden Kontrollbesuch wie bei anderen Filialen verzichtete. Beiderseitige Win-Win-Regelung. Aber das ist eine andere Story. Für mich war der Laden wie mein eigener. Und sie wusste, er war genau in solchen Händen: Geführt als wäre es mein eigener. Was man gern macht, macht man eben so. Egal in welchem Job. Ob Aushilfe, Angestellte oder……….selbständig.

Die  durch den mittags geschlossenen Laden lange Mittagspause von 2 Stunden nutzte ich – sobald der Laden für die Nachmittagszeit vorbereitet war – um im Laden, auf den Stufen der Treppen am Hinterausgang in den Innenhof oder in diesem und unter seinen hohen alten Bäumen und zwischen Rosensträuchern Wessels Strafrecht, Larenz Schuldrecht, Baurs Sachenrecht und allerhand über Streikrecht, Aussperrung und Tarifrecht in diverser Literatur zu lesen. Für Klausuren, für die in Semesterferien üblichen Hausarbeiten , die ich dann nach Ladenschluss und anderen Arbeiten abends und bis spätnachts ausarbeitete, bevor  um 5 Uhr morgens der Wecker und ich für den neuen Tag in der Bäckerei frisch ans Werk gingen. An andere Werke und anderes Werkeln, als juristisches. Von irgendwoher müssen die Brötchen ja kommen. Es gibt Läden, bei denen man weniger hübsche Aussichten durch die Ladenfenster hat. Heute ist ein anderes Geschäft darin. Wie auch in den anderen kleinen Lädchen von Zeit zu Zeit Wechsel erfolgten, geblieben ist die Stimmung eines kleinen Städtchens in der Stadt.

Die Borstei ist eine Siedlung mit 774 Wohnungen in 77 Häusern, die in den Jahren 1924 bis 1929 durch den Baumeister Bernhard Borst (1883-1963) an der Dachauer Straße in München errichtet wurde. Ihren Charakter als Mustersiedlung verdankt sie der konsequenten Anwendung traditioneller Bauformen, einer detailreichen Durchgestaltung der Fassaden und des Inneren der Häuser, der Anlage und der künstlerischen Ausschmückung von Gärten in den Innenhöfen und der bewussten Beeinflussung der Mieter durch den Bauherrn im Hinblick auf Einrichtungsfragen und auf Formen des Zusammenlebens im Mietwohnungsbau. Hohe Wohnqualität und betont individualistische Vorstellungen in gesellschaftlicher Hinsicht machen die Borstei zu einem einzigartigen konservativen Gegenmodell zu den Konzepten des „Neuen Bauens“ in der Architektur der 1920er Jahre.Eine der Ecken in München, die ich besonders mag. Ein kleiner Kosmos in sich, quasi. Der sogar seit 1928 über sein eigenes kleines Heizkraftwerk verfügt.  Wie dieses wohl in Zeiten von Energiewende arbeitet? Noch soll es ja in Betrieb sein.

Aber vor allem ist die Borstei eine jetzt schon bald wieder sehr sehr  grüne kleine Oase, die man erst entdeckt, wenn man von der Dachauer Strasse einmal durch den kleinen Torbogen hineinfährt, an dem man meist flott vorbeifährt. Besser aber mit dem Rad oder zu Fuss. Tram hält direkt davor, U-Bahn nur wenige Schritte entfernt (Haltestelle Westfriedhof).  Vom Laden kam man nicht nur nach vorn zur Gasse hinaus, sondern auch durch einen Türe nach hinten in die weiteren Parkanlagen der Borstei. Zu dem Garten mit den Rosen und Fliederbüschen und dem wunderschönen alten und hohen Baumbestand.

Wenn Sie noch mehr darüber wissen wollen – gehn’s doch einmal in den dortigen Gasserln spazieren und lassen Sie sich beim Borstei-Museum mehr darüber erzählen.  Die Fotos des Vereins werden leider dem hübschen Innenleben sowohl im Hauptteil der Borstei bei der Ladenstrasse und auch den Seitengassen, den Innenhöfen nicht wirklich gerecht (das muss man leider einfach so sagen), kleine Mosaik-Eindrücke vermitteln eher diese Bilder.  Und mehr davon im Beitrag des BR heute 17 Uhr. Weniger aber von dem Duft von Flieder oder Rosen je nach Jahreszeit dort. Der erholsamen Stimmung unter den hohen alten Bäumen und an den Brunnen. Die sollte man sich einfach mal direkt dort gönnen. Es gibt ein Café vis-à-vis der Ladengasse (das ich zu lange nicht getestet habe, um eine Wertung abgeben zu wollen/können)—- , aber fast hübscher ist es eh, nach meiner Vorliebe, sich auf einer der Bänke in den Anlagen der Borstei niederzulassen. Vom Frühjahr bis in den Herbst. Oder den Weg durch die Borstei zu nehmen, wenn man ein paar Ecken weiter zum Dantebad möchte oder die Waisenhausstrasse hinauf Richtung Schlosskanal und Schloss und Rotkreuzpark oder weiter bis in die Innenstadt, wie zB zum Viktualienmarkt radelt.

Die Borstei ist in München immer noch ein bisserl eine kleine Insel. Einmal durch die Tore hindurch. Auszeit. Manchmal ist sie auch Drehort. Wie für den Krimi im ZDF, „Hinter blinden Fenstern“Nach der Vorlage des Buches  von Friedrich Ani.

Auch ohne Wessels und anderes Strafrecht geradezu kriminell schöne kleine Oase. Wie gesagt, eiiiigentlich viel zu schade, um sie zu verraten… 😉

Guten Start in Ihre Woche! Hier jetzt erst mal „Mails mit Espresso and More“!

§§? Auch. Nachher.. Eins nach dem Anderen.

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  • Borstei
  •  Anmerkung vom 17.5.2016: Zum Zeitpunkt diesen Blogbeitrags gab es eine eigene Webpräsenz für das „Borstei-Museum“, die inzwischen nicht mehr besteht, bzw. die „Jimdo-Website“ ist mindestens aktuell (17.5.2016) nicht verfügbar. Auf der Webpräsenz der Borstei (Borst Immobilien GmbH & Co.KG) findet sich zwar ebenfalls noch ein Hinweis auf dieses Museum, der aber ebenfalls „ins Leere führt“. Sollte die Seite wieder erreichbar oder eine neue für das Borstei-Museum verfügbar sein, werden Sie diese natürlich auch hier wieder verlinkt finden. Schaun’s also gern gelegentlich wieder herein.
  • Mehr über die Borstei und ihre Geschichte und Konzeption click hier


Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
Dieser Beitrag wurde unter Aquise & Mandantenbindung, Nähkästchen, News & Medien, Re-View mit Augenzwinkern, Rechts und Links reingeblinzelt, Terminhinweise, tic tic tic abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

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