No Plastics ?

Sie sind schwer wegzudenken. Aus der alltäglichen Welt. Kunststoff, Plastik. Ein interessanter Selbstversuch, darauf zu verzichten, ist hier zu lesen. Mit interessanten Ideen und Erfahrungen. Und über Grenzen des Machbaren. (Über die Grenzen des Machbaren, von Supermärkten und anderem unabhängig leben zu wollen, übrigens auch ein anderer Beitrag hier.)

Es kitzelt mich auch in den Fingern, wenn ich die Berge von gelben Tüten mit dem Plastik, Kunstoff und darin zu sammelnden und zu entsorgendem Müll vor den Häusern gestapelt sehe, die hier in Murnau zu festgelegtem Turnus abgeholt werden. Und ein seltsames Bild dieser gelben Müllberge vor den Bergen des Blauen Landes abgeben. Und ein erschreckendes. In München wurde das nicht so getrennt – da gab es Papiertonne, Biotonne und eben den übrigen Müll. Hier ist es nun Biotonne, Papiertonne, gelber Sack und Restmüll. Und keine wöchentliche Leerung.

Während des Umzuges habe ich auch interessante Erfahrungen mit den Wertstoffhöfen gemacht. In München. Und hier in Murnau. Wertstoffhof ist nicht gleich Wertstoffhof. Das gilt nicht mal bei den mehr als ein Dutzend Wertstoffhöfen in München. Leere Aktenordner aus Pappe werden Sie in München bei “Kartonagen” los – in Murnau nicht. Da verweist man sie auf den Hausmüll. Dafür sieht Ihnen in München das Personal gern zu, wie Sie auch schwere Möbelteile über die Containeroberkante zu wuchten versuchen. In Murnau steht Personal an jedem Container, das Ihnen die zu entsorgenden verschiedenen Abfälle abnimmt. Wo was hingehört, erfahren Sie bei beiden gleichermassen freundlich. (Wirklich freundlich). Der Wertstoffhof in Murnau am Bahnhof hat (nur) montags, mittwochs, freitags (je 16-18 Uhr)  und samstags (9 -12 Uhr) geöffnet (bei den übrigen der Region ist es ähnlich).  Man staunt, wie es zur Müllvermeidung erzieht, wenn nicht alles und nicht jederzeit einfach abgeladen werden kann. Wie beispielsweise in München. Mit umfangreicheren Öffnungszeiten. Leider bringt der verführerische Gedanke nicht wirklich weiter, ob sich noch mehr Müll schon dadurch vermeiden liesse, dass man es räumlich, zeitlich und gegenständlich erschwert, ihn wieder loszuwerden. Wir ahnen nicht nur, sondern wissen zu gut, wo er dann landet. Und zwar nicht nur und schon mehr als genug an den Ufern und Sandbänken der Isar nach Wochenenden und Grill- und anderen Parties dort.

Da wird besonders bei allem, das in den gelben Säcken, diesen hauchdünnen Tüten, landet mehr als deutlich, wieviel man allein beim Einkauf von Lebensmitteln an Kunststoff nach Hause bringt. Bringen muss – weil Ware eben so verpackt wird. Dabei bin ich es seit zig Jahren gewöhnt:

1. Gemüse, Obst kaufe ich wann immer möglich offen, lose. Nicht nur auf dem Bauern- oder Wochenmarkt. Für den Transport nach Hause genügt in der Regel der Leinenbeutel oder der Einkaufskorb. Klappt nicht bei Waren wie Erdbeeren, zB. und ähnlichen Waren auch beim Gemüse. In Supermärkten oder Discountern kommen Sie um das Verpackungsmaterial oder die hauchdünnen Tüten für lose selbst einzupackende Ware auch kaum herum. Wenn es sich gar nicht umgehen lässt, landet eben dieses Verpackungsmaterial schon seit langem gleich beim Ausgang der Läden und Märkte in DEREN Müll. Hübsch getrennt, wie bei EDEKA. Dass dann diese den Müll entsorgen müssen, macht ihn per se nicht weniger. Aber nur dort wird eigentlich auch bei Unternehmen sicht- und spürbar, dass und wieviel sie im wahrsten Sinne des Wortes auf den Markt werfen – an Müll.

2. Fleisch, Wurst, Käse kann man in manchen Supermärkten offen kaufen (über Anreiz dazu  beim Anblick kann man trefflich streiten), der Grossteil der Ware ist auch in der Breite des Sortiments aber eben doch verpackt. Und Frischtheke in Discountern gibt es eh  nicht. Auch beim Metzger Ihres Vertrauens müssen Sie sich schon viel einfallen lassen, wenn Sie die von Ihnen mitgebrachte (na, was wohl?) Kunststoffdose über die Theke reichen, mit der Bitte, die Ware dort hinein zu geben. Nach dem Wiegen. Und bei gewisser Grösse der Fleischware sind Sie auch mit Ihrer eigenen Kunststoffdose am Limit. (Schon mal ein ordentliches Schweinskarree oder auch nur Lammkarree darin unterzubringen versucht? …. Und das ist noch nicht mal eine wirkliche Herausforderung, was die Grösse angeht)

Beim Käse ist es nicht anders. Und wenn Sie Frischkäsesorten aller Art suchen, finden Sie diese nur in Bechern, mit Folie und / oder transparentem Schutzdeckel. Ähnlich bei Joghurt, Topfen, Sahne. Ausnahmen im Glas. Und dann entscheiden die meisten Kunden nach Preis. Und u.a. auch nach dem Aufwand, Glas wieder los zu werden. (Zum Thema Glas siehe noch unten. Und zu dem, wofür auch Joghurtgläser nützlich sein können). Der Blick ins Kühlregal lässt leicht erkennen, was nach der Menge des Angebots an Verpackungsversion bevorzugt genommen wird.

Take Care © Liz Collet

3.  Getränke werden von mir generell eher wenig gekauft ( der Wassersprudler und meine Vorliebe für Tee, Früchtetee und Kaffee ersparen das ) – und wenn, dann sind es  normalerweise solche in Pfand-Glasflaschen. Auch bei Glas lässt sich aber nicht alles als Pfandflasche zurückgeben. Wein, Sekt und andere alkoholische Getränke, ebenso wie Obst und Gemüse in handelsüblichen Gläsern landen am Ende eben im Container. Wenigstens Gläser von Obst und Gemüse in meinem Fall seltener. Erstens wegen saisonalem und regionalem Frischkauf, wo möglich. Zweitens sind Gläser, wenn sie bei mir im Einkaufskorb landen, nützlich in der Sekundär- und Dauernutzung. Gut gereinigt erfüllen sie Folgejobs für selbst Eingemachtes für Süsses wie Würziges ebenso wie als schädlingssichere Vorratsgläser je nach Grösse für die unterschiedlichsten Zutaten, Gewürze, Kräuter u.a. im Vorratsschrank. Sowie für den Fundus der Foto-Accessoires. Als Aufzuchtgläser für die Kräuter am Balkon. Oder auch für vorbereitetes, bereits aufgelöstes  Sodapulver und anderes im Putz- und Haushaltsschrank.

Und wenn doch mal welche gar nicht mehr gebraucht werden, dann haben sie noch immer einen Job als dekorative Windlichter oder andere Verwendung gefunden.Wem die Ideen dazu fehlen, findet auch online ungezählte Anregungen. Hier beispielsweise oder dort. Auch hier lassen sich viele Anregungen finden. Den Möglichkeiten mit kostenlosen, preiswerten oder auch in der  Natur zu findenden Materialien bis hin zu edlen Seidenpapieren und Dekomaterialien oder allerlei Fundstücken aus dem Haushalt (Stoffreste, Knöpfe, Geschenkbänder, Krimskrams aller Art,) sind keinerlei Grenzen gesetzt. Den Weg zum Altglascontainer brauche ich daher selten.

Bei aller Gewohnheit – es  tauchen gelegentlich auch Pfand-Pet-Flaschen hier auf, wenn und weil mit Besuch auch Getränke konsumiert werden, die im 1,5 l Format und im Angebot (Preis und Sortiment) bevorzugt werden.

4.  Haushaltsmittel, Kosmetik & So & Co.

Ware mit zusätzlichen Kartonverpackungen meide ich. Andere wird im Drogeriemarkt selbst entsorgt.

Ebenso wie der  Karton um Fertigpizza rund um die ohnehin vorhandene Verpackung der TK-Pizza nicht erst den Heimweg antritt, nur um dort dann in meinem Müll zu landen. Statt in dem des Ladens. So gern ich Pizza lieber selbst zubereite – aber regelmässige Hereinblinzler auch im Foodblog wissen, dass ich nicht generell Fertigprodukte als Werke des Teufels verdamme. Und dass weder dbmS noch ich  so apodiktisch sind, dass nicht hie und da auch TK-Pizza im Ofen landet. (Jaha, weil es eben gelegentlich beim Nachwuchs Hungerglüstl gibt in deren Biorythmus, bei dem auch ich nicht nachts die Rühr-und Schlagschüssel für den Hefeteig heraushole und soviel Zeit und Lust zu warten bei der hungrigen Meute herrscht, bis dieser seine Zeit gegangen ist).

Jegliches an Verpackungsmaterial, das unumgänglich ist, aber nach der Kasse für mich verzichtbar, bleibt dort.

Und wenn Sie alles hübsch nach Hause gebracht haben, dann soll und will es  wechselseitig duftneutral und frisch und gut haltbar gelagert  werden, zB im Kühlschrank. No Waste durch falsche Lagerung. So manches kommt spätestens dann eben doch nicht um die Kunststoffdose herum. Oder die Folie, mit der Fleisch in Schüsseln zB abgedeckt wird.

Nein, so wirklich ganz und gar zu verzichten auf Plastik, Kunststoffe, Folien und Ähnliches , ist nicht ganz einfach.  Aber mal alles, was allein im gelben Sack landen muss, zu sammeln für eine Woche oder zwei etwa, ist nicht wenig beeindruckend. Egal, welche Grösse Ihr Haushalt und wieviele Mitglieder er hat.

Und nachdenklich macht – nicht erst dann – aber auch der Blick ins Einkaufsregal. Wenn man suchen würde nach Warenangeboten, bei denen es eben so wenig wie möglich an Verpackungsmaterial gibt, das fast nur den Spazierweg zu Ihnen nach Hause nimmt, bevor es im Müll landet. Vieles, bei dem man dann auch noch über Themen und Risiken wie die von Weichmachern nachdenken muss.

Oder vieles, das auch da landet, wo andere es dann herausfischen müssen. Wie die Plastikfischer von Fehmarn.

Und vielleicht sollte es auch zu denken geben, an welche Stelle der zukunftsträchtigen Branchen im Ranking die Abfall- und Entsorgungswirtschaft steht. Ja, der Gesundheitsmarkt steht sehr weit vorn. Viel weiter, als manche sich vorstellen würden. Aber was glauben Sie, wo steht im Ranking die Abfall- und Entsorgungswirtschaft im (auch gewinnbringendem!) Markt verglichen mit anderen Branchen ?

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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2 Antworten zu No Plastics ?

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