Hören Sie mal, bitte!?

Verfassungsänderung in Bayern

Nicht alltäglich © Liz Collet

Die Tagesordnung für die  5. Plenarsitzung des Bayerischen Landtags am heutigen Dienstag , 12. November 2013, 14:00 Uhr sieht zunächst die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten Horst Seehofer vor zum Thema „Bayern. Die Zukunft.“ mit anschließender Aussprache (60 Minuten pro Fraktion) und als 2.  Tagesordnungspunkt die Besetzung von Gremien mit der Bestellung der Mitglieder für den Rundfunkrat und der Bestellung der Mitglieder für den Medienrat.

Der 2. Tagesordnungspunnkt dürfte nicht nur im Hinblick auf das beim Bundesverfassungsgericht vor einigen Tagen mündlich verhandelte Verfahren zum ZDF-Staatsvertrag [=> „ZDF-Staatsvertrag“ : Termin beim Bundesverwaltungsgericht] von nicht geringem öffentlichen und tagesaktuellem Interesse an der personellen Besetzung der genannten Gremien sein.

Wie ist das übrigen bei Ihnen – hören Sie noch zu und auf diesen Satz?

Für mich persönlich wird Radio nie an Reiz verlieren. Das ist eine eigene Geschichte. Mit sehr vielen Kapiteln. Eines davon sind die Momente des Radios, der in der Wohnkuchl meiner Grosseltern oben auf dem Küchenbuffet stand, ein altes  Röhrenradio. Es rauschte wie alle diese alten Geräte ein bisschen, ich konnte nicht bis hinaufreichen, um es einzuschalten, in den ersten Jahren, wenn ich als Wönzling von kaum 2 Jahren und viel Zeit in den Jahren danach bei meinen Grosseltern im Pfaffenwinkel an der Romantischen Strasse verbrachte. immer wieder, während ich in der Isarmetropole aufwuchs. Es war nicht nur, aber meistens mein Grossvater, der ihn ein- oder auch ausschaltete.

Viele Jahre später erst wurde mir bewusst, welche Bedeutung selbst eine winzige Geste, alltäglicher Handgriff sein kann. Ein Radio einzuschalten. Zu hören, was man will. Besonders in der Geschichte meines Grossvaters. In der das Hören eines Senders als „Feindsender“ die Freiheit kosten konnte und kostete. Was anderen banal, nebensächlich, unbedeutend scheint, da jederzeit verfügbar, war und ist es nicht für jeden. Einfach einschalten, hören, was man will. Bewusstsein, Bewusst.Sein, dass Informationsfreiheit nicht nur ein Wort ist, sondern Wert. Bewusst.Sein über den Wert und seinen Preis. Mein Grossvater hatte einen bezahlt, dass er davon vor Jahrzehnten Gebrauch gemacht hatte, mit seiner Freiheit. Und oft habe ich gedacht, später: Wie mag sich das später für ihn angefühlt haben, es einfach wieder einschalten zu können: Morgens zu den Nachrichten. Abends auch. Dazwischen „dudelte“ er nicht den ganzen Tag, sondern wurde nur beim Kochen meines Grossvaters eingeschaltet oder zu bestimmten Sendungen. Und wenn ich dort war, klang regelmässig das Betthupferl dort, das den Zapfenstreich für mich bedeutete.  Einen Fernseher hatten meine Grosseltern sehr lange nicht. Und als sie schliesslich einen hatten, lief auch dieser nicht einfach so nebenbei.

Ein anderes Kapitel ist der Blaupunkt, ein tragbares Radio gewesen, der (was sonst und wo sonst hätte mein Vater ihn bei Ausflügen hinlegen sollen – denn natürlich musst der Radio dabei sein!) in meinem Kinderwagen lag. Ein wieder ein anderes Kapitel ist  ein kleines sonnengelbes Mini-Tchibo-Radio, mit dem ich unter der Bettdecke (auch Pappi sei dank) abends AFN oder  Pop nach acht, Klassik und vieles andere hörte, ein Miniradio, das mich noch ins Studium begleitete. Als Kapitel gehören neben vielen anderen auch die Radiostunden mit der legendären Radiostimme Fred Rauch, der Wünsche eines kleinen Lizerls (oder die ihrer Mutter und Omas, die selbst nie anriefen) auf deren Anrufe regelmässig erfüllte, die im Radio gespielt wurden – nicht ohne erst mal von Fred Rauch ausgedehnte Unterhaltung mit der jüngsten und regelmässigen Hörerin seiner Sendung seinerzeit. Zu den vielen Kapiteln gehört auch das Autoradio, das morgens um 7 eingeschaltet wurde, wenn ich mit dbmS auf dem Weg zu Kindergarten und Kanzlei mit ihm war – und er am allerliebsten Klassik Radio hörte. Und sich den Sender auch dann wünschte, wenn er ausnahmsweise nicht mit mir im Auto fuhr, sondern  in dem anderer. Seine Vorliebe bei Musik blieb im Laufe der Zeit nicht darauf allein gerichtet, aber erhalten. Radio, das sind noch viele andere Kapitel. Darunter auch eines, ein Kapitel, in dem ein Grossvater einen Sender der Alliierten gehört hatte. Und das eine Zeitlang mit seiner Freiheit bezahlte. Radio? Rundfunkfreiheit? Für mich unverzichtbarer Teil der Feiheit, unbezahlbares Gut.

Behalten Sie es im Auge. Beides. Und hören Sie gut hin und zu. Was Sie hören. Und zu hören bekommen.

Und……….auch, wer dahinter steht. In any sense.

Einen schönen Tag für Sie, an dem Sie hoffentlich viel Gutes und Schönes zu hören bekommen. Good vibrations………….and anything else. Nicht nur, ………..aber auch im Radio.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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