„Mein Mann ist kein Mörder!“

Press Review © Liz Collet

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April 2009 wird im hessischen Babenhausen ein Ehepaar grausam ermordet. Der Täter lauert zuerst dem Mann auf und  erschießt ihn mit mehreren Schüssen. Dann tötet er dessen schlafende Ehefrau, versucht dann auch die gemeinsame, behinderte Tochter zu töten.Ein Schock für die Anwohner der Kleinstadt, die Nachbarn, unter ihnen Anja Darsow und ihre Familie.

Einige Monate später klingelt die Polizei an der Tür der Darsows und nimmt Andreas Darsow wegen zweifachen Mordes an seinen Nachbarn fest. In einem Indizienprozess wird  Andreas Darsow zu lebenslanger Haft verurteilt, der BGH bestätigt das Urteil.

Die Ehefrau von Andreas Darsow ist davon überzeugt, dass ihr Mann unschuldig ist, und will seine Unschuld beweisen. „Wenn jemand so eine Tat begeht und man hat es nicht gemerkt, dann stimmt was in der Beziehung nicht. Dann ist der Mensch krank, und das hätte ich gemerkt“ sagt sie. Unterstützung findet sie bei Nachbarn, Familie und teils auch  anderen Prozessbeobachtern. Auf einer Website werden Prozessakten und vorhandene Indizien veröffentlicht. Auch diejenigen, die  ihrer Meinung nach vom Gericht nicht berücksichtigt wurden und entlastend seien.

Hoffnungen setzt sie inzwischen auf Rechtsanwalt Gerhard Strate für ein Wiederaufnahmeverfahren.

Ein Beitrag des ZDF aus der Reihe 37° „Mein Mann ist kein Mörder!“ schildert den Fall und versucht der Frage nachzugehen, warum die Ehefrau, Freunde und Familie von der Unschuld ihres Mannes überzeugt sind, wie eine Frau mit ihren Kindern lebt, deren Mann als Mörder verurteilt wurde.

ZDF , 37 Grad –  „Mein Mann ist kein Mörder!“ – heute, 22:15 bis 22:45 Uhr.

Oder auch hier bereits in der Mediathek abrufbar.

Die Ehefrau hat, ebenso wie ein unterstüzender Verein Webpräsenzen und eine Facebook-Seite eingerichtet, die helfen sollten, über den Fall zu berichten, Unterstützung zu finden und ein Wiederaufnahmeverfahren zu erreichen.

Die Links dazu finden sie am Ende des Posts.

Websites zu solchen Fällen, die von Betroffenen, Familien und Unterstützern geführt werden, haben eine Berechtigung. Sie erfordern aber auch Pflege und Kommunikation und Auseinandersetzung mit kritischen Stimmen. In einem anderen Fall gelingt vor allem letzteres offenkundig nicht. Im Fall der  Webpräsenz der Bürgerinitiative und vor allem von deren Facebook-Seite.

Die Kommunikation zum Sachstand ist trotz zahlreicher Nachfragen seit Monaten dort ebenso desaströs, wie der Umgang mit kritischen Kommentaren. Wer mit und über Medien Unterstützung für ein Anliegen und als Justizirrtum behaupteten Fall und Urteil sucht und zum Druckmittel für Justiz machen will (was per se nicht illegitim ist), muss sich klar sein, dass zu Medien, social media auch Öffentlichkeit, der Jedermann-Bürger gehört, der einer „Bürgerinitiative“ oder anderen Initiativen seine Hilfe und Unterstützung leisten soll, auch Fragen stellt. Nicht nur Applaus spendet, sondern kritisch, unbequem Fragen stellt, um den Fall, das Anliegen, die behaupteten Widersprüche eines Urteils zu verstehen und die Berechtigung des Wiederaufnahme-Bestrebens. Fragen zu stellen ist richtig. Bei einem Urteil, das Fragen aufwirft. Aber auch an diejenigen, die ein Urteil in Frage stellen. Vom Volk, in dessen Namen das Urteil gesprochen wurde und dessen  Menschen sich damit einverstanden finden oder es kritisieren sollen.

Im Spannungsgefüge zwischen Laien und ihrer Betroffenheit von einem Urteil, das als Fehlurteil verstanden und gesehen wird und einer gewissen Professionalisierung beim Anliegen um Öffentlichkeitsarbeit für eine Wiederaufnahme ist gute Kommunikation ein Balanceakt. Nicht jedem gelingt er.

Siehe auch zum Mordfall Böhringer:

Weitere Infos zum Fall von Andreas Darsow:

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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4 Antworten zu „Mein Mann ist kein Mörder!“

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