Zur Haftung einer Allgemeinmedizinerin für Infektion nach Punktion eines Kniegelenks

SOS © Liz Collet

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Jährlich 800.000 Infektionen.
Jährlich 40.000 Todesfälle.

In einem jetzt veröffentlichtem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm ging es um die Frage, ob einem Patienten, der aufgrund einer Infektion seines Kniegelenks mehrfach operiert werden musste, ein Schadensersatzanspruch gegen die das Kniegelenk mit einer Punktion und Injektion erstbehandelnde Allgemeinmedizinerin zusteht.

Das OLG Hamm hat die erstinstanzliche Enscheidung das LG Detmolds bestätigt und die Haftung mit der Begründung verneint, dass  nicht festgestellt werden könne, dass die Infektion auf die Behandlung zurückzuführen sei.  

Der Entscheidung lag folgender Sachverhalt zugrunde:

Der 66 Jahre alte Kläger aus Bad Salzuflen suchte im Mai 2008 die beklagte Allgemeinmedizinerin in Bad Salzuflen auf, um sein nach einem Sturz schmerzhaftes und in der Bewegung eingeschränktes Kniegelenk behandeln zu lassen.

Die beklagte Ärztin punktierte den Schleimbeutel, entnahm seröse Flüssigkeit und injizierte zwei Medikamente.

Drei Tage später stellte ein Orthopäde eine Entzündung im Bereich des Kniegelenks fest, einige Wochen später wurde ein Befall mit Citrobacter-Bakterien diagnostiziert.

Für den Patienten folgen dann mehrfach operative Behandlungen.

Von der beklagten Ärztin beanspruchte er 10.000 Euro Schmerzensgeld mit der Begründung, sie habe ihn fehlerhaft, u. a. ohne die gebotene Hygiene, und ohne hinreichende Aufklärung behandelt.

Nach dem eingeholten medizinischen Sachverständigengutachten sah der 26. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm nicht als feststellbar an, dass die vom Kläger erlittene Infektion auf die Behandlung der Beklagten, insbesondere die Punktion oder eine unzureichende Aufklärung über die Behandlung zurückzuführen gewesen sei.

  • Zum Zeitpunkt der Behandlung durch die Beklagte habe beim Kläger schon eine Schleimbeutelentzündung vorgelegen.
  • Auch durch den vorherigen Sturz auf das Knie hätten Bakterien eindringen können. Nach den Feststellungen des Sachverständigen könne die Infektion auch auf diese Umstände zurückzuführen sein.
  • Eine Beweiserleichterung infolge eines groben Behandlungsfehlers komme dem Kläger nicht zugute. Es sei bereits kein Behandlungsfehler feststellbar. Im Hinblick auf die gebotene Hygiene komme ein solcher in Betracht, wenn die Beklagte mehrfach mit derselben Nadel zugestochen habe. Dafür gebe es aber keine Nachweise. Wenn sie ihrer Darstellung entsprechend lediglich einmal mit einer Kanüle zugestochen und über diese dann auch die Medikamente zugeführt habe, sei sie richtig vorgegangen.
  • Die hiervon abweichende Darstellung des Klägers, nach welcher er mehrfach und von verschiedenen Seiten aus gespritzt worden sei, sei nicht nachvollziehbar und auch nicht glaubhaft vorgetragen.

Oberlandesgericht Hamm vom 11.04.2014 – 26 U 166/13

Quelle: PM OLG Hamm 16.6.2014

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3 Antworten zu Zur Haftung einer Allgemeinmedizinerin für Infektion nach Punktion eines Kniegelenks

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