Missverständnisse im Jobcenter

Altersgrenze © Liz Collet

Altersgrenze © Liz Collet

Habe ich Ihnen schon mal von der Frau Moosbichler erzählt?

Also die Frau Moosbichler heisst eigentlich ganz anders.  Aber das ist eine eigene Geschichte. Dazu mehr, wenn ich mal fünf Minuten mehr Zeit habe.

Neulich  –  erzählte mir die Moosbichlerin –  sei sie mit einer netten Bekannten beim Jobcenter gewesen. Eine alleinerziehende Mutter sei das, mit zwei Kindern, die habe sie halt grossgezogen, während der Vater das Geld verdient habe. Der Vater der beiden habe sich nun aus dem Staub gemacht.

Da sei die wohl ein bisserl durch den Wind gewesen und wüsste ja nicht, wie sie so über die Runden und an Arbeit kommen solle. Sowas gäb es auch heute noch und wieder öfter, weil – sagt die Moosbichlerin – es doch glatt so dumme Menschen gäbe, die jungen Frauen und Müttern auch noch wieder einreden würden, dass es viel moderner sei, wieder nur für Kinder, Küche und Kinderbetreuungsgeld daheim zu bleiben.

Weil angeblich darin läge doch die heutige moderne Freiheit, sich das aussuchen zu können, was Mütter und Grossmütter aus eigener Erfahrung knapper Geldbeutel und wenig rosigen Rentenaussichten und zudem finanzieller Abhängigkeit beim Scheidungsrisiko ihren Töchtern mal ersparen wollten. Sagt die Moosbichlerin. Und man hört es ihr an, dass es sie gehörig ärgert, dass – sagt sie – wieder die Frauen dann die Dummen seien. Schlimmer noch als früher, sagt sie, denn heute hätten es Frauen ja sogar schwerer, Unterhalt zu bekommen.Während sie immer schwerer überhaupt Arbeit bekommen, eine von der man leben könne erst recht. Und eine, die nicht immer nur befristet sei, wenn überhaupt mehr als nur 450 Euro Basis. Und wenn man hier so mehr oder weniger auf dem Land halt Arbeit suche, da sei das auch nicht grad einfacher.

Und so habe sie diese Bekannte mal an der Hand genommen, also redensartlich. Und sei mit ihr zu ein paar Ämtern gegangen. Jobcenter, unter anderem auch, weil sie ja schon eine Zeitlang vergeblich nach Arbeit gesucht und Bewerbungen gekritzelt habe. So bissl über 40 sei sie alt – da müsse die Bekannte doch schliesslich noch was finden können.

Sie sei dann auch mit ins Zimmer gegangen, auf Wunsch der Bekannten, die überhaupt noch nie „auf’s Amt habe müssen“ und der es davor recht gegraust habe, weil sie sich halt nicht auskennt, damit. Nach Aufnahme aller Daten und Infos, sei dann der Satz gefallen von der Sachbearbeiterin:

Also, ich sag es Ihnen gleich: Ihr Alter ist halt ein echtes Vermittlungshindernis.“

Darauf die Bekannte der Moosbichlerin:

„Da ist der Kerl abgehauen – und bei der Arbeitssuche macht er mir trotzdem immer noch Ärger….wie das denn?!??!?“

Gut, dass sie dabei gewesen wäre. Meinte die Moosbichlerin, kichernd. Sonst hätten die zwei wahrscheinlich noch a bisserl länger altersdiskriminierend die eine und beziehungsgeschädigt die andere aneinander vorbei geredet.

Sie selber denke jetzt über einen Nebenjob als Mediatorin für Jobcenter und deren Kunden nach. Darüber habe die Sachbearbeiterin aber gar nicht lachen können. Humorlos, meinte die Moosbichlerin, das Personal dort….. 😉

Advertisements

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
Dieser Beitrag wurde unter Arbeitsrecht, Ironymus Sein, Münchner Spitzerln, Murnauer Spitzerl, Nähkästchen, Sozial- und Sozialversicherungsrecht, Your Daily Dope abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s