Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Verdachts von Transplantationsmanipulationen am DHZ Berlin

DHZB -Screenshot

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Im Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) haben Prüfer mehrere Transplantationen beanstandet.

Nach Tagesspiegel-Informationen sollen Patienten zwischen 2010 und 2012 hoch dosierte, herzstärkende Medikamente bekommen haben, ohne dass dies ausreichend begründet worden sei. Solche Mittel, vor allem Katecholamine, werden in höheren Dosen verabreicht, wenn sich der Zustand von Patienten verschlechtert. Die Medikamente könnten, so der vorläufige Verdacht, eingesetzt worden sein, damit DHZB-Patienten auf den klinikübergreifenden Wartelisten für Spenderherzen vorrücken und somit bei der Vergabe eher berücksichtigt werden. Dies hat zur Folge, dass andere Patienten benachteiligt werden, die dann ggf. nicht mehr rechtzeitig ein Organ vermittelt bekommen.
In solchen Fällen steht strafrechtlich u.a. der Verdacht der (mindestens) versuchten Totschlags im Raum.
Das DHZB wurde im Sommer von der zuständigen Prüf- und Überwachungskommission besucht. Die Prüfer fanden erst neun, später weitere 19 Verdachtsfälle. Die Kommission von Bundesärztekammer, Krankenhausgesellschaft und Kassen überprüft seit dem Organspendeskandal 2012 Kliniken. Zu den aktuellen Vorwürfen äußerte sie sich bislang nicht.

Wann immer erneut Verdachtsfälle auftraten und auftreten, wird betont, mit der seit 2012 installierten Kontrollkommission seien weiteren Missbräuche ausgeschlossen.

Tatsache ist: Bereits seit 1997 galt im Transplantationsgesetz, dass Prüf- und Überwachungskommissionen vorgesehen und gebildet worden waren. Sie haben weder die Manipulationen bei den Skandalen in Göttingen, München oder Regensburg bei Leber verhindert, noch die nun auch am Deutschen Herzzentrum in Berlin.

Und auch die Kontrollkommission nach den Skandalen in Göttingen etc ist erst jetzt auf bis zu 28 Fälle gestossen.

Diese neuerlichen Fällen werfen die Frage zum wiederholten Mal nach der Kontrolle und Kontrollierbarkeit der Transplantationszentren auf und der Funktionsfähigkeit der Kontrollgremien. Hierauf wurde nicht erst hier bereits hingewiesen.

Sie werfen aber auch ein bezeichnendes Licht auf die für die Öffentlichkeit von beteiligten Transplantationszentren, Bundesärztekammer und Prüf- und Überwachungskommission gebetsmühlenartig zu hörende Betonung angeblich stets nur aufgetretener Einzelfälle. Die neuen Beanstandungen geben ein anderes Bild ab.
Auch auf Vertrauenswürdigkeit derer, die dem Bürger Mangel an Vertrauen in eine angeblich uneingeschränkt vertrauenswürdige Transplantationsmedizin und der daran Beteiligten vorwirft und ihm die Schuld am Mangel von ausreichender Zahl an Organen generell und selbst noch bei erneuten Skandalen zuschiebt. Letzteres ist schlicht unanständig.

Weder geht es nur um „Einzelfälle“ von Manipulationen, noch nur um Fälle an einem Transplantationszentrum, noch kann angesichts der Häufung davon ausgegangen werden, dass Skepsis an der Verteilungsgerechtigkeit, der Einhaltung der Vorschriften und erst recht der untergesetzlichen Richtlinien und damit auch an Regeln für die anderen Bereiche der Organspende und Transplantationsmedizin unangebracht wäre. Im Gegenteil.

Der Satz

„Wir sind für Sie da und behandeln Sie nach klinisch-ethischen Grundsätzen und höchstem medizinischem und pflegerischem Niveau“

(und bei weitem nicht nur dieser, sondern viele Versprechen der Transplantationsmedizin) verliert angesichts dieser Meldungen – noch sehr nett formuliert –  eklatant an Charme. Wo es im Bereich der Herztransplantation für die infolge von Manipulationen benachteiligten Patienten um Überlebensfragen geht.

Es wird nicht zum letzten Mal darum und um weitere Verdachtsfälle gehen.

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Über Liz Collet

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