„Die große Samwer-Show – Die Milliardengeschäfte der Zalando-Boys“!

Falsch gespart, doppelt teuer  bezahlt © Liz Collet

Falsch gespart, doppelt teuer bezahlt © Liz Collet

Schlagzeilen machen die deutschen Unternehmerbrüder Oliver, Marc und Alexander Samwer immer wieder, sei es in Meldungen über eine eigene von ihnen geplante Bank, den Plan, ihre Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet an die Börse zu bringen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Vielen ist weniger ihr Name bekannt, als der des Onlineversandhandels für Schuhe und Mode „Zalando“.

Wie die deutschen Unternehmerbrüder Oliver, Marc und Alexander Samwer als Internet-Investoren agieren, zeigen die Recherchen von Frontal21 und der WirtschaftsWoche. Das ZDF zeigt in seiner heutigen Sendung eine Dokumentation über die Brüder Samwer und das Unternehmen.
Mit „Schrei vor Glück – oder schick’s zurück“ als aggressivem (und vor allem extrem nervtötendem) Slogan schaffte Zalando innerhalb weniger Jahre den Sprung in den Olymp der deutschen Online-Versandhäuser. Genau diese aggressive Werbung gilt als einer der Hauptgründe für Zalandos Erfolg.

Nicht bei mir, für mich ist – neben weiteren Gründen, zu denen Sie weiter unten einige Gedanken lesen – allein die nervige Marktschreierei schon ein k.o.-Grund, dort keinesfalls zu shoppen. Schreiben Sie es meinem zu sensiblem Gehör zu, dass man mich damit dann eher jagen, als locken kann, dort Schnäppchen zu jagen. Ich bin heilfroh, dass mit Antoine Monot jr.  eine vorher ebenfalls (für meinen Gusto) für ein anderes Unternehmen zu laut tönende Werbung passé ist, in dem ich gelegentlich durchaus gern mal Schnäppchen schnappe. (Auch mein Portemonnaie verbirgt kein Goldeselchen)

Laute Werbung, die  allerdings für viele offenkundig einen guten Dienst tat, bemessen am Run auf die Läden und Shops.  Ebenso wie das Gekreische in der Werbung von Zalando. Bei den Erträgen, die man dort aufzuweisen hat. Also wenn ich dafür nicht mit meinem Budget beigetragen habe, muss es der eine oder andere von Ihnen ja stattdessen gewesen sein. 😉

Vielleicht ist dann aber umso interessanter der Programmtipp für heute abend. Denn in der Dokumentation belegen die Recherchen von Frontal21 und der WirtschaftsWoche, dass auch der Staat den Online-Händler großzügiger unterstützt als bisher bekannt war – mit insgesamt 35 Millionen Euro.

Für Prof. Rudolf Hickel von der Universität Bremen ist das „eine skrupellose Abstauberei von Subventionen“

Die Gesamtsumme setzt sich – so die Reportage und ihre Infos hier – aus Mitteln des Bundes und der Länder Berlin, Brandenburg und Thüringen zusammen. So bewilligte das Land Thüringen für die Ansiedlung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt staatliche Fördermittel in Höhe von 22,4 Millionen Euro. Das Land Berlin stellte Zalando zwischen 2010 und 2013 laut der landeseignen Zuwendungsdatenbank Investitionszuschüsse und Projektförderungen von 10,6 Millionen Euro zur Verfügung. Das Land Brandenburg genehmigte laut Wirtschaftsministerium 2,5 Millionen Euro für ein Logistikzentrum in Brieselang im Havelland.

Ein Teil der Subventionen wurde nach Angaben von Zalando vom Bund an die Länder durchgeleitet. Es handelt sich dabei um sogenannte „GRW-Mittel“ zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur. 2013 sei das Unternehmen „der größte Empfänger“ entsprechender Fördermittel im Versandhandel gewesen, teilte das Bundeswirtschaftsministerium der WirtschaftsWoche und Frontal21 mit. Von der Gesamtsumme sollen aber bisher nur 16,4 Millionen Euro ausgezahlt worden sein, erklärt Zalando auf Anfrage.Auch wegen des rasanten Aufstiegs von Zalando gehen die Umsätze bei vielen Einzelhändlern zurück.

Gerade der mittelständische Handel habe noch keine Lösung gefunden, mit dem Konkurrenten aus dem Netz umzugehen, so Prof. Jörg Funder von der Hochschule Worms. Während viele Boutiquen und Schuhläden mit dem Überleben kämpfen, plant Zalando wohl noch diesen Herbst den Börsengang. Milliardengeschäfte – auch dank Millionen vom Steuerzahler.

Das und weitere Details zum Thema lesen Sie hier zur Sendung vorab.

Eine sehenswerte Dokumentation, bei der man als Kunde und Verbraucher auch Fragen stellen sollte. Sich selbst.

  • Welche Folgen es für Monopolisierung von Angeboten hat.
  • Welche Folgen sich daraus für die Wettbewerbsfähigkeit anderer und zwar der Unternehmen ergeben, die bei Ihnen um die Ecke, am Ort nicht mehr konkurrenzfähig (und nicht öffentlich subventioniert) sind, aufgeben und schliessen
  • und damit unfreiwillig zur Verödung der Innenstädte mindestens in Klein- bis mittelgrossen Städten beitragen. Die eigentlich für Familien, wie auch die Generation 50plus mehr denn je lebenswerter sein und wieder werden sollte. Dazu ist der Mittelstand und Einzelhandel dann aber immer weniger wettbewerbsfähig.
  • Geschweige denn in der Lage, mehr Arbeitskräfte oder diese in Vollzeit zu beschäftigen oder gar Nachwuchs auszubilden. Nachwuchs aus IHREN Familien, die vergeblich Ausbildungs- und Arbeitsplätze suchen.

Wie sehen im Vergleich dazu trotz Subvention dann Arbeitsmarkt und Arbeitsbedingungen bei Zalando oder in anderen Unternehmen der Samwer-Brüder aus?

Tipp: Frontal 21, ZDF, heute 21:00 Uhr: „Die große Samwer-Show – Die Milliardengeschäfte der Zalando-Boys“!.

UPDATE:

Und wenn Sie die Sendung verpassten, können Sie die Reportage jetzt schon HIER in der Mediathek des ZDF ansehen.

Weitere Links:

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Über Liz Collet

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