Corinna Schumacher, das ZDF und die taz – und das LG Köln

Rechtsweg  © Liz Collet

Rechtsweg © Liz Collet

Corinna Schumacher ist mit ihrer Klage gegen ZDF und taz gescheitert.

Die Ehefrau von Michael Schumacher wollte die Veröffentlichung von Fotos untersagen lassen, die sie auf dem Weg zu ihrem verunglückten Mann in der Klinik von Grenoble zeigen. Das Kölner Landgericht lehnte die Klage am heutigen Mittwoch ab und begründete dies im Wesentlichen damit, der Besuch der Klinik sei zwar an sich noch kein Ereignis der Zeitgeschichte mit einem überragenden Berichterstattungsinteresse.

Der nicht nachlassende Medienrummel rund um den Besuch – auch nach Corinna Schumachers Appell, sie in Ruhe zu lassen – sei jedoch durchaus ein Ereignis von zeitgeschichtlicher Bedeutung, das mache die Veröffentlichung der Fotos zulässig.

Der öffentlich-rechtliche Sender und die Tageszeitung hätten das Verhalten der Medien in ihren Berichten kritisch hinterfragt und mit den Fotos der belagerten Corinna Schumacher die Situation vor dem Krankenhaus verdeutlicht. Damit diene die Berichterstattung nicht lediglich der Befriedigung von Neugier und der Unterhaltung der Leser, sondern leiste vielmehr einen erheblichen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung, indem der Leser in die Lage versetzt wird, sich selbst ein Urteil darüber zu bilden, ob er diese Berichterstattung wünsche.

Ende Juli hatte das Kölner Landgericht dem Magazin „Die Aktuelle“ der Funke Women Group untersagt, Fotos von Corinna Schumacher zu veröffentlichen. Die Klägerin habe Anspruch darauf, bei einem privaten Krankenbesuch nicht Nachstellungen von Journalisten ausgesetzt zu sein, befanden die Richter des Kölner Landgerichts damals. Auch der eher unterhaltende Charakter des Berichts sei geringer zu gewichten als die Privatsphäre. Das Landgericht München hatte drei Magazinen des Burda-Verlags untersagt, Fotos von Corinna Schumacher vor dem Krankenhaus zu veröffentlichen.

Quelle: WDR 27.8.2014

Kommentar: Man kann trefflich darüber diskutieren, ob eine solche (nach Auffassung des Gerichts zulässige) Berichterstattung dann zwingend wirklich erfordert, aktuelle Bilder und Aufnahmen einer Ehefrau auf dem Weg ins Krankenhaus zu zeigen, deren Fertigung und Verbreitung in der Berichterstattung selbst kritisiert wird. Wer die Frage nach Respekt in solchen Situationen stellt, könnte dies am überzeugendsten durch gutes Beispiel vorangehend tun.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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