Diplomatie

Tour Eiffel  © Liz Collet

Tour Eiffel © Liz Collet

August 1944.
Paris.
Vormarsch der Alliierten.

Angesichts dieser Lage soll der deutsche General Dietrich von Choltitz (Niels Arestrup) im Auftrag Hitlers die Paris dem Erdboden gleichmachen. Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff erzählt in seinem neuen Film „Diplomatie“ vom dramatischen Ringen um Paris im August 1944 ein kammerspielgleiches, spannendes Psychoduell zwischen Choltitz und einem schwedischen Diplomaten (wunderbar: der César-prämierte André Dussolier), der diese Katastrophe bis zur letzten Minute zu verhindern versucht.

Paris dort encore – am Ufer der Seine, in den frühesten Morgenstunden. Mit den bekannten, berühmten Silhouetten ihrer Schönheit und Schönheiten – Louvre, Eiffelturm, Notre-Dame, Sacré-Cœur. Der General sieht sie vom Balkon des Hotels Meurice im Morgengrauen, der deutsche Kommandant für Paris, der den Befehl zur Zerstörung der Stadt erhalten hat, die Wahrzeichen von Paris bereits mit Sprengstoff verminen hat lassen.

Hitlers Kommandeur in Paris logiert in einer Luxussuite des Hotels Meurice, schwer bewacht von seinen Leuten. Dennoch steht unvermutet der schwedische Konsul Raoul Nordling in seinem Arbeitszimmer. Auf die Frage, wie er hierhergekommen sei, fragt der erstaunte General. Durch den Geheimgang, den einst Napoleon III. angelegt habe, um unerkannt vom Louvre zu seiner Geliebten zu gelangen, ist die Antwort des Konsuls. Mit der das Duell um Paris beginnt.

Historisch verbürgt ist dieses Duell – natürlich – nicht, der faszinierend von immer neuen Wendungen spannend gehaltene Nervenkrieg der beiden hat in dieser Form nie stattgefunden. Richtig ist, dass nach der Aufgabe der Stadt Paris am 10. Juni 1940 durch die Regierung Paul Reynauds der letzte militärische Stadtkommandant Dietrich von Choltitz seit dem 9. August 1944 in Zimmer 213 des Hotels residierte. Der Führerbefehl lautete:

„Paris darf nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes fallen.“

Am 25. August 1944 wurde das Hotel nachmittags durch die Alliierten angegriffen. General von Choltitz und weitere Angehörige seines Stabes wurden in Gefangenschaft genommen. Dietrich von Choltitz übergab die   Stadt am 25. August 1944 unzerstört in französische Hände.

Was hätte eine tatsächliche Zerstörung von Paris durch die deutsche Besatzung wohl für die spätere deutsch-französische Aussöhnung für Folgen gehabt, es ist nicht zu Ende zu denken.

Das Hôtel Le Meurice an der Rue de Rivoli 228 im 1. Arrondissement von Paris ist heute ein Fünf-Sterne-Hotel und das älteste Luxushotel der Stadt, mit einer reichhaltigen Geschichte.

Dass dort zudem Alain Ducasse kulinarisch Geschichte schrieb und schreibt, darf nicht unerwähnt bleiben, wenn auch nur beinahe ganz an den Rand durch Texteinrückung notiert. Diese Randnotiz über einen der von mir besonders geschätzten Meister seines Faches müssen Sie mir nachsehen und verzeihen. Aber wie könnte ich ihn an dieser Stelle ausklammern, der mir beinahe täglich die verführerischsten Versuchungen der timeline der mit ihm vernetzbeändelten Welt zaubert, die un.wider.steh.lich ist.

Eh après tout: Was für eine Welt, in der Widerstand zu den wertvollsten Mitteln der Diplomatie und der Demokratie gehören – et en même temps in Paris und „um Paris herum“ Widerstand damals wie heute auch einmal aufgegeben werden darf!?

Ort und Zeitpunkt der Premiere für Diplomatie wurden perfekt gewählt im Cinema Paris, 25. August 2014, genau 70 Jahre nach jener schicksalshaften Nacht in Paris also, als über den Fortbestand der französischen Hauptstadt entschieden wurde. In einem Duell zweier Menschen.

„Ein Duell zwischen zwei völlig verschiedenen Menschen, der eine gepanzert im unbedingten Gehorsam des Militärs, der andere bewaffnet mit dem Wort der Vernunft. Appell an die Menschlichkeit, Lüge, Betrug, falsche Versprechen, Erpressung und Bestechung – alle Mittel sind erlaubt“,

sagte Volker Schlöndorff dazu.

Der offizielle Trailer zum Film ist hier   zu sehen

Volker Schlöndorff besuchte während der 1950er Jahre in Paris zur Schule, studierte dort und wurde Regieassistent von Louis Malle beim schönen Parisfilm Zazie dans le métro (1960). Durch Schlöndorffs Filmografie ziehen sich immer wieder Geschichten in der NS-Zeit angesiedelt, oft Koproduktionen mit französischer Beteiligung, darunter Die Blechtrommel, Der Unhold, Der neunte Tag. Das Thema des Widerstandes während der Besatzung ist auch im TV-Film Das Meer am Morgen inszeniert.

In Diplomatie wird der Widerstand nicht mit Waffen, sondern mit Worten ausgefochten.
Für die Hauptrollen konnten die Cesar-Gewinner Niels Arestrup („Schmetterling und Taucherglocke“, „Gefährten“, „Small World“) und André Dussollier („Das Leben ist ein Roman“, „Ein Herz im Winter“) gewonnen werden.

Diplomatie, Frankreich/Deutschland 2014, 84 Min., FSK ab 12 , ist eine Produktion von Film Oblige, Paris (Frank Le Wita und Marc de Bayser) und Blueprint Film, München (Amelie Latscha und Felix Moeller) in Zusammenarbeit mit ARTE und SWR, gefördert durch die Deutsch-Französische Förderkommission (Minitraité) und die Filmförderung Baden-Württemberg (MFG). Weltvertrieb und französischer Verleih ist Gaumont. Die Dreharbeiten fanden in Paris und Umgebung statt, die Postproduktion in Paris und Baden-Württemberg.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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