Optogenetik – wenn es um die Erinnerungen geht {von Mäusen und …Menschen?}

Freedom of Science © Liz Collet

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Forschung an Tieren endet bekanntlich selten bei Mäusen.

Sie soll letztlich immer beim Menschen weitergehen. Wenn mit einem Lichtstrahl schlechte Erinnerungen in positive und umgekehrt umgewandelt werden können, Erinnerungen überhaupt manipulierbar werden, dann mag das verlockend erscheinen, wenn es um Hilfe für erlebte und erlittene Traumata geht.

Diesen Trick ermöglicht eine noch ziemlich neue Methode der Molekularbiologie tatsächlich: die sog. Optogenetik. Mit ihr können Forscher die Aktivität einzelner Nervenzellen im Gehirn durch einen feinen Lichtstrahl aus einer Glasfaser steuern und so gelang es bereits einem Team von Neuro-Ingenieuren, das Gedächtnis von Mäusen umzuprogrammieren: Tiere, die einen Platz in ihrem Käfig zuvor wegen schlechter Erfahrungen mieden, suchten ihn plötzlich gerne auf. Und umgekehrt mieden Tiere ihren vorherigen Lieblingsort, nachdem sie durch die Neuromanipulation gegangen waren.

Schlechte Erfahrungen aber und negative Gefühle dienen auch der Überlebensstrategie, uns vor (weiteren) negativen Erfahrungen zu warnen, die wir anderenfalls wieder und wieder erleiden und daran Schaden nehmen würden. Was würde es helfen, wenn wir uns die Finger an etwas verbrennen, wenn wir infolge manipulierbarer und manipulierter Erinnerung uns davon nicht abhalten lassen, uns diese erneut zu verbrennen?

Darüberhinaus: Wie würde es sich auswirken, wenn nicht nur solche Eingriffe in menschliches Gehirn und seine Funktion und Erinnerung, sondern gewollt oder unbeabsichtigt weitere damit einhergingen? Auf die Verlässlichkeit von Aussagen von Zeugen oder Geschädigten? Kann man einem Betroffenen, der Schmerzensgeld oder Schadensersatz wegen eines erlittenen Traumas oder Schadens geltend machen will, möglicherweise eines Tages bei der Bemessung der Höhe entgegne, es gebe eine Behandlungsmöglichkeit, die ihm sein Leiden mindere? Wenn er nur von den Möglichkeiten Gebrauch mache, die Neuro-Ingenieure, Optogenetik, Eingriffe in die Neurobiologie ihm und nicht mehr nur Mäusen bieten könnten?
Sicher – auch Schmerzmittel sind therapeutische Möglichkeiten, um Leid, Schmerz zu lindern und wir nutzen sie.
Eingriffe in Erinnerung und Funktion des Gehirns – sind das nicht auch andere Medikamente?
Man wird es nicht ganz vergleichen können. Und nicht allein als Frage der Ermittlung und Anwendung einer etwaigen Dosis.
Und wegen der Fragen, die sich mit dem Verlust von Erinnerungen immer schon stellten und stellen, wie bei Demenz, bei Alzheimer: Welche Bedeutung haben Erinnerungen für den Menschen, für seine Persönlichkeit, für seine Individualität, seine Unantantastbarkeit.
Wo Menschen ernsthaft über Sterbehilfe für Alzheimerpatienten diskutieren, sind solche Fragen und die Veränderung von Erinnerung und Gehirn des Menschen veranlasst.

Bevor man sie nicht mehr nur bei Mäusen verändert.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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