BeVOR es WERKstücke gab, die Köchen und Hobbyköchen das Denken und Kochen und Können abnahmen (oder damit werben)

Brainwalking © Liz Collet

Brainwalking © Liz Collet

……tat es auch ein Kochtopf. Tut es auch heute noch. Und eine Pfanne.

Gute Stücke des einen wie des anderen als Aussteuer oder Anschaffung schadeten dabei sicher nicht, lagen und liegen aber auch dann noch in weit ökonomischerer Preislage, als ein Thermomix.

Und sie tun jahrzehntelang gute Dienste. Kann man ja mal darüber nachdenken. Wenn man’s noch kann. Selber. Denken. Und das auch will.

Und wenn man Kochen noch nicht als etwas verdammt, was bei angeblich so ominpräsenter Kochpassion und Ernährungskompetenz, bei ach so weit verbreiteter Genusslust und Cooking Life und neuem Food Life Style verwunderlicherweise so sehr Last sein soll, dass nur ein Thermomix davon entlaste. Von der Mühe der Zubereitung von Speisen und Teig und was sonst noch alles.

Und nur, weil er  – wie man immer wieder mal zu lesen bekommt – in kaum einer Küche der Gastronomie fehle (was dann als Qualitäts-Aspekt und -Argument in die virale Welt gestreut wird, ohne dass kritisch hinterfragt wird, was das allein schon besagt), ist das doch wohl kaum ein Beleg, dass auch Hinz und Kunz und jeder Haushalt solch ein Teil sinnvollerweise erwerben müsse. Sonst ……….was? Droht der Untergang der Ernährung unserer Gesellschaft? Die verdorben von Fast bei Food als Kriterien dann auch darauf nienicht verzichten kann, was Thermoturbomixmalfix verheissen will?

Es erstaunt mich immer wieder, dass ausgerechnet das als Marketing funktioniert, wo es um Freizeit, Genuss, Geniessen und die Tageszeiten geht, in denen wir von Arbeit abschalten könnten, eben und gerade beim Vor- und Zubereiten von Essen. Als gäbe es kaum Entspannenderes als Erbsen wie Krabben zu puhlen, Bohnen zu schnibbeln, Gemüse zu putzen und zu schneiden. Es nach und nach in Töpfen und Pfannen mit anderen Zutaten zu aromatischen, den Gaumen und die Nase kitzelnden und schmeichelnden Speisen zu verwandeln, die dafür sorgen, dass über Duft und Aromen der Magen und der Körper sich auf den eigentlichen Genuss, das Essen am Tisch einstimmen und vorbereiten. Übrigens mit dem gesundheitlich nicht unerheblichem Effekt, der vor und bei der Nahrungsaufnahme deren Verarbeitung durch den Körper fördert. Alles ohne Relevanz, weil und wenn ein Gerät verheisst, die MÜHE des Kochens und Zubereitens von Speisen zu ersparen. Freier Zeit…………. die man sich nicht mehr nehmen mag?

Wo Stress, Burnout und mail- und handyfreie Zeit die Medien füllen, weil der moderne Mensch selbst nicht mehr in der Lage ist, sich die Zeit zu nehmen, die er eigentlich braucht – ohne Technik. Gar dazu noch mit App „zum Glück“ und zum Abschalten schier gezwungen werden muss?

Aber wer’s Kleingeld so locker sitzen hat, dass allein in 2013 insgesamt 200.000 neue Geräte zu je rund 1000 Euro angeschafft wurden (multiplizieren Sie mal diese Summe, die dabei raus kommt in EINEM Jahr an Umsatz mit dem Gerät), meckert vielleicht lieber über die noch unter’s Volk gebrachten Vorläufermodelle , als sich ein Nachfolgemodell mehr als zwei mal zu überlegen.

Warum sollte eigentlich ein Unternehmen den Abverkauf des Vorgängermodells selbst sabotieren, indem es bereits ein Folgemodell ankündigt? Klar – man hätte alternativ das Vorgängermodell dann mit Rabatt und als Alternative zum nunmehrigen Nachfolger anbieten können.

MUSS man das aber? Es mag kundenfreundlicher sein, so zu verfahren. Bringt aber weniger Umsatz. Mit einem Vorgängermodell. Und (temporär und höchst kurzzeitig) imageschädlicher mag es sein, es so zu machen, wie nun geschehen. Kleiner Shitstorm der Thermomix-Jünger, pardon: Fans des Geräts. Aber was kann letztlich schon passieren? Zurückbringen werden Sie es nicht. Wegwerfen auch nicht. Und so schnell gebraucht weiter verkaufen, mit Verlust, mehr als 90 Euro Differenz Verlust wohl auch kaum. Man hat also noch gut und gern genug Vorgängermodelle an Mann und Frau und in deutsche Küchen gebracht. Wo sie vermutlich einige Jahre weiter verwendet werden, weil ein baldiger Weiterverkauf durch Kunden an andere als gebrauchtes Gerät kaum erfolgen wird.

Mal so gerundet gerechnet : 200.000 x 1.000 = 200.000.000 Euro.

Davon leben einige Arbeitsplätze, darf man annehmen. Muss ein Unternehmen ein bisheriges Produkt billiger abgeben und ein Folgemodell ankündigen und einen bereits vorhandenen Produktbestand also billiger verscherbeln und gefährden es überhaupt noch loszubringen, wenn das Folgemodell in Kürze bereits für nur 90 Euro mehr zu haben ist? 90 Euro sind per se nicht wenig, aber gemessen am Produktpreis werden Kunden sie in Kauf nehmen, kaum 10% Differenz.

Die Welt hat sich – mit Apple, Samsung & Co – daran gewöhnt, frühzeitig darauf getrimmt zu werden, dass und was die Kunden als nächstes Modell kaufen sollen, hechelnd auf den Termin der Produktpräsentation und des Verkaufsstarts wie Pawlow’sche Wuffies, die hinter dem Gitter auf den Startschuss auf ihre nächste Runde der Rennbahn harren und mit den Füssen scharren, bis sie losgelassen auf Regale und Kassen.

Ohne merkliche Schmerzgrenze bei Preisen von rund 400 bis 700 Euro pro Teil, das in kurzen zeitlichen Abständen erworben wird, obgleich das alte noch funktioniert. Mit der Folge des Anwachsens des Elektroschrotts, aber egal, Hauptsache immer das Neuere.

Vodafone wirbt sogar mit dem Prinzip, jedes Jahr ein neues Smartphone unter die Kunden zu werfen, während es mit dem Slogan wirbt „Wir investieren 4 Milliarden in Dein Netz“, damit jeder Kunde die banalsten Alltäglichkeiten mit dem Handy fotografiert, gefilmt, per post & share die Welt mit Pixeln und Posts überfluten kann, von denen – bei halbwegs kritischer Betrachtung – wenigstens 50% schierer Netmüll sind. Der Aufmerksamkeit fangen und noch selfie- und netsüchtiger machen, noch mehr den Blick auf die Displays binden und bannen soll, wo Banner und Werbung wiederum den Kunden für weitere Überflüssigkeiten fangen wollen. Börsengangtauglich für die Unternehmen, die dahinter stehen – aber immer weniger Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen leistend. Weil Onlinehandel und Datenverkauf von Kunden das Geld anders einträglich machen.

Denkt Kunde König deshalb aber um? Korrigiert er seinen Kaufrausch, in dem er gehalten und mit jährlich neuen Produkten gelockt wird ungeachtet diesen eigentlich bekannten Wissens und zwischen seiner Empörung über homophob gescholtene Nudelwerbung oder väterfeindlich gebrandmarkten Weihnachtsvideos eines Kosmetik-Unternehmens?

Mitnichten.

Zurück zum Thermomix und Vorwerk:

Schadet es dem Verkauf des Nachfolgermodells? Hmmmmm…. warum sollte es? Wo er doch praktisch kritiklos medial gepriesen wird, warum man ihn (angeblich) haben müsse und wolle.

Diejenigen, die eh noch keinen haben und haben wollte, kaufen jetzt das neue Modell. Und bei 200.000 Kunden und Geräten in 2013 und bei „nur“ 90 Euro Mehrpreis des Nachfolgemodells werden wohl auch 2014 und 2015 vergleichbare Umsatzzahlen zu erreichen sein mit ähnlicher Stückzahl des Verkaufs. Denn was sollte Kunden davon abhalten? Schlechtes Image eines Unternehmens nach solcher Aktion?

Betrachten wir es realistisch?

Wie haltbar und dauerhaft schaden Shitstorms im Net dem Absatz von Produkten?

Wir erinnern uns an das Beispiel des Pastaherstellers, der sich vom traditionellen Bild der Familie nicht so verabschieden wollte, wie die Kundschaft. Kaum einige Wochen später fand sie ihr Verfallsdatum, die Ethik der Verbraucher und ihre mediale Empörung. Eine Rabattaktion bewies mit leergekauften Regalen, wie begrenzt das Mindesthaltbarkeitsdatum der Moral von Verbrauchern ist. { Siehe dazu => Ethik der Verbraucher und ihrer Wahl am Regal …..und ihre [un]Bestechlichkeit?}

EINE Gewinnspielaktion, EINE Werbeaktion mit zeitlich befristeten Rabatten auf das Nachfolgermodell – was wollten SIE wetten, wie flott und ungemindert sich der Absatz auch des Nachfolgermodells des Thermomix entwickeln wird?

Empörung der Verbraucher über Unternehmen hat eine geringe Validität. Wie anders wäre erklärlich, dass seit Jahren (nicht nur, aber auch mit dem Goldenen Windbeutel) durch unterschiedliche Medien und Verbraucherinformationen aufmerksam gemacht wird, was in Produkten drin ist, auf manchen ihrer Etiketten sogar drauf steht und auf manchen nicht, aber nach wie vor solche Produkte genug Absatz finden? Das macht Verhalten mancher Unternehmen nicht richtiger, aber das der Kunden auch nicht. Die mündig seien, aber nicht mündig in die Pflicht genommen Eigenverantwortung genug übernehmen.

Denn auch bei den aktuellen Kandidaten für den goldenen Windbeutel findet sich unter den 5 Nominierten mindestens einer, den Eltern als Kunden in den Einkaufskorb legen. Oder wollen Sie allen Ernstes behaupten, die Alete Trinkmahlzeit würde von den 10-monatigen Säuglingen selbst eingekauft?

 Über manches kann man, lässt sich trefflich und gut mal wieder selbst nachdenken. VOR dem Kauf manchen WERKstücks, gleich welchen Produkts und Unternehmens. Beim Schnibbeln. Und Köcheln. Auf kleiner Flamme, beim Downsmoothen zwischen Work und Life und in der Balance zwischen beidem.

Ni X für U ngut…..

….und ein schönes, genussreiches, wie auch erholsames Wochenende für Sie.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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