Klinikum Bayreuth will nach vorn schauen {….die Staatsanwaltschaft guggt wohl noch zurück}

SOS © Liz Collet

SOS © Liz Collet

Anfang August hatte die Meldung über staatsanwaltschaftliche Ermittlungen im Klinikum Bayreuth Anlass zu Fragen gegeben.

Vorwürfe um medizinisch unzureichende Behandlung mit der Folge von Opfern unter Patienten, von Todesfällen war gar die Rede, waren erhoben worden. 

Die Art

von Aufmerksamkeit, die Ärzten dort wenig gefiel und sie öffentlich Stellung nehmen liess gegen die Vorwürfe. Von denen sie sich offenbar auch irgendwie angesprochen und getroffen fühlten. Auch in der berufsethischen Ehre. Das veranlasste sie zur Klarstellung, dass sie sich quasi neverever  von finanziellen Einschränkungen im Behandlungsstandard gängeln lassen würden.

“Am Klinikum Bayreuth wird gute Medizin gemacht.”

So hatten die Chefärzte des Bayreuther Klinikums in ihrer Stellungnahme verlauten lassen.

Danach war es ein wenig leise geworden mit weiteren Informationen, abgesehen von jener, dass man schwubbs binnen einer Woche den Klinikleiter des Klinikums Bayreuth Roland Ranftl mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben als Geschäftsführer des Klinikums Bayreuth entband. Was medial den Eindruck straffen Schadensmanagements suggeriert, ob auch sachlich, fachlich, organisatorisch der Schadensbegrenzung und Optimierung dienend, ist eine andere Frage. Ketzer mögen fragen, warum es einer solchen personellen Maßnahme bedarf, wenn und wo (so doch die Ärzteschaft in ihrer öffentlichen Erklärung) Vorwürfe unzureichender medizinischer Versorgung ganz unbegründet geweseen seien.

Ein Schritt zur Schadensbegrenzung dennoch schon jener Schritt?

Umso mehr darf man nach jüngster Mitteilung nachdenken, ob und was bisher am Klinikum zu recht oder nicht an Vorwürfen und Fragen zu erheben gewesen sein könnte, nachdem Berichten zufolge nun auch der Leiter der Intensivstation des Klinikums Bayreuth, Professor Martin Höher, mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben nach Mitteilung des Klinikums Bayreuth am gestrigen Freitagabend entbunden worden sei.

Da mag man durchaus optisch und verbal Wert auf die Feststellung legen, dass die Freistellung keine Vorverurteilung des Mediziners bedeute. Wenn aber zugleich vom Geschäftsführer der Klinikum Bayreuth GmbH, Dr. Haun, mitgeteilt wird:

„Im Zuge der Kommissionsarbeit hat es sich nun als die beste Lösung herausgestellt, den leitenden Chefarzt Prof. Dr. Martin Höher vorerst von seiner Aufgabe als Leiter der Intensivstation zu entbinden.“

und es zudem heisst, durch die laufende Kommissionsarbeit hätten sich „Umstände“ ergeben, die zur Freistellung Höhers geführt hätten, derzeit sei eine Expertenkommission mit der Überprüfung der Vorwürfe befasst und die Ergebnisse sollen nächste Woche vorliegen, während die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nach derzeitigem Kenntnisstand ebenfalls noch nicht beendet sind, lässt sich das durchaus interpretieren.

Insbesondere, wenn man die Mitteilungen des Klinikums liest, in denen es am 27.8.2014 nicht ohne Anlass und sachlichen Grund heissen dürfte, dass man nicht nur den Blick nach vorne richten wolle, sondern offenbar eine Erhöhung personeller wie finanzieller Mittel vorsieht. Details siehe hier.

 Und davon abgesehen ist es nicht damit getan, dass man(wie am 12.8.2014 mitgeteilt)

„unverzüglich drei Kommissionen einberufen hat, die die Vorwürfe in den Bereichen Geburtshilfe und Kinderklinik, in der Frage der Beatmungen und der interventionellen kathetergestützten Aortenklappenimplantationen (TAVI) aufarbeiten. Landrat Hübner betonte, dass das Vertrauen in die Klinikum Bayreuth GmbH nicht verloren gehen darf. Auch Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe stellte heraus, dass der Aufsichtsrat mit diesen Entscheidungen ein wichtiges Signal für einen Neubeginn nach innen und außen gegeben hat.“

Öffentlichkeit und Patienten haben nach staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen eine neutralere, objektivere Prüfung auch durch die Staatsanwaltschaft verdient, als allein interne Überprüfungen einer Klinik, deren Ergebnisse auch nach 1 Monat noch ausstehen; erst recht, wenn und wo diese im Eigeninteresse der Klinik finanziell Abstriche an der ausreichenden medizinischen Versorgung gemacht haben soll und solche naheliegenderweise wegen Vertrauensverlusts und Wiedereinwerbung von Vertrauen nicht neutral und objektiv genug angesehen werden müssen.

Objektiv genug – von Patienten.

Die vor allem eines vermissen: Das auch nur kleinste Jota an Information über den Stand der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen am Klinikum Bayreuth, die sich Berichten zufolge auf Fälle zwischen 2008 und 2011 erstrecken sollen, während die Klinik „nach vorne schauen will“.

Von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen betroffene Patienten können das noch nicht.

Zum Thema:

 

 

 

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Über Liz Collet

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2 Antworten zu Klinikum Bayreuth will nach vorn schauen {….die Staatsanwaltschaft guggt wohl noch zurück}

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