Guttenberg Back 4 Good?

Bayern © Liz Collet

Bayern © Liz Collet

Die Option allein bereits polarisiert die Gemüter, er könnte erneut die Bühne des (bayerischen) Politgeschehens betreten. darüber lässt sich trefflich und durchaus mit kontroversen Meinungen diskutieren, Einigkeit wird darüber nicht hergestellt werden, kann man annehmen, doch ist auch das Teil von streitbaren Demokratien, dass sie unterschiedliche Auffassungen auszuhalten hat, wo Konsens nummal nie 100% erzielbar sein kann. Unabhängig von den damit individuellen Meinungen über die Möglichkeit ist es aber doch einmal interessant zu fragen, was so falsch an der Position ist (wie sicher nicht nur der bayerische Ministerpräsident sie äussert), dass es auch Möglichkeiten der Rückkehr und nicht der lebenslangen Ausgrenzung von Menschen geben sollte und muss, die Fehler gemacht haben.

Gilt also das Prinzip der Resozialisierung dann nicht für den politischen Bereich? Oder nicht für Politiker aller Parteien?

Eine Reihe von Politikern, die sich strafbar machten, sind in politische Ämter ungeachtet der Vorstrafen zurückgekehrt.

Quer durch die Parteienlandschaft, wie Özdemir, Althaus, Klimmt, Lambsdorff, Ströbele und andere.

So weit nicht rechtliche Verbote und Grenzen entgegenstehen, die eine Wählbarkeit ausschliessen, kann keine der Parteien also selbst etwaige Strafbarkeit eines Politikers gegen seine Rückkehr auch in politische Aufgaben logisch konsequent begründen.

Moral, Ethik, Glaubwürdigkeit, fachlicher, persönlicher, politischer Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft hingegen sind Fragen der Wahlchancen, des späteren Wahlausganges, die ein Politiker dann beim Versuch der Rückgewinnung von Vertrauen als Diskussionspunkte überstehen und bestehen muss.

Ist das aber nicht jedem Fehlverhalten gemeinsam? Dass es Vertrauen erschüttert und durch Änderung des Verhaltens auf neue Chancen hoffen darf?
Denn mehr als das ist es weder im Beruf sonst, noch privat, noch im politischen Feld: Eine Frage der neuen Bewährung.

Einer Rechtsanwaltsfachangestellten, die vor vielen Jahren in meiner Kanzlei eine Frist versäumt hatte und (auch noch, nachdem ich dies durch einen von Kniffen, die man als Anwalt, aber nicht immer als Kanzleimitarbeiterin kennt und kennen kann, ohne Schaden im Mandat lösen konnte) Angst hatte, ich würde sie nun fristlos kündigen, habe ich seinerzeit natürlich nicht gekündigt. Sie war darüber fast fassungsloser, als über den Fehler eh schon und wollte wissen, warum ich sie denn bei so einem schweren Fehler nicht kündigen würde. Die Antwort bedurfte keines langen Nachdenkens, zumal sie bis dahin bereits 2 Jahre tadellos arbeitende Mitarbeiterin der Kanzlei war.

Ich fragte sie: „Wissen Sie, welchen Fehler Sie gemacht haben?“ (Sie nickte). „Glauben Sie, dass Sie diese Frist jemals noch einmal falsch berechnen oder eintragen werden?“ „Nie wieder!“  „Und warum sollte ich Sie dann kündigen? Sehen Sie, damit haben Sie jeder denkbaren Nachfolgerin, die ich an Ihrer Stelle suchen müsste, mindestens diesen Punkt sicher voraus: Wo Sie einen Fehler machten, weiss ich nun. Wo Ihre Stärken liegen, weiss ich auch. Bei jeder Nachfolgerin   bei der ich noch nicht wüsste, ob sie diese und andere Fehler nicht ebenso machen könnte, wie er Ihnen nun unterlaufen ist. Und zudem werden Sie jederzeit auch jede andere Mitarbeiterin und Azubi auch noch darauf trimmen – dessen bin ich mir ganz sicher…. “

Fehler macht jeder, vom ersten Versuch zu laufen, hinfallen, wieder aufstehen müssen. Und manchmal braucht man Hilfe, beim Wiederaufstehen.

Den Stab zu brechen, ist keine grosse Kunst. Vertrauen wieder herstellen, rechtfertigen, wieder erwerben und erarbeiten, auch gemeinsam eine Arbeit auf zwei Seiten. Auch als Arbeit an einem (Vor-)Urteil, andere und deren weiteres Verhalten 100% einschätzen zu können. Überhaupt. Und erst recht nach einem Fehler. Oder wie jemand damit umging. Gut, schlecht, ganz schlecht.

Diese Mitarbeiterin hat in der gesamten Zeit ihrer Beschäftigung niemals wieder eine Frist (egal welche) falsch berechnet, eingetragen, sie war die sorgfältigste Mitarbeiterin, die man sich wünschen kann und hat dieses Wissen auf nette und kollegiale Weise jeder anderen Kollegin und Azubi mit vermittelt.

Ich wäre dumm gewesen, hätte ich eine bis dahin tüchtige, fleissige, freundliche Mitarbeiterin gekündigt, die aus ihrem Fehler gelernt hatte, hätte sie mit einer Kündigung  verunsichert und zudem auch noch das Signal gesetzt, dass sie besser beim nächsten Mal, beim nächsten Arbeitgeber Fehler nicht von sich aus offenlegt, um vielleicht noch eine Lösung zu finden und den Fehler zu korrigieren, sondern lieber zu vertuschen.

Es gibt Fehler, die unverzeihlich sein mögen. Oder die nicht jeder verzeihen kann.

Und nicht wieder gut zu machende.

Aber wer ist selbst so fehlerfrei, dass er nicht anderen die Chance geben kann, ohne weitere oder Wiederholung von Fehlern wieder aufzustehen? Und einen neuen Versuch unternehmen zu dürfen, es besser zu machen, als zuvor? Die Lernfähigkeit beweist sich erst beim zweiten Versuch.

Inklusion……….. kann man auf vielerlei Weise verstehen. Und in vielen Lebensbereichen.

Wer für sie (noch oder wieder oder erstmals) wählbar ist, entscheiden am Ende die Wähler. Wen man wo ausgrenzen darf oder nicht, wo Selbstgerechtigkeit sich mehr Recht verschafft, als Recht übt, ist eine andere Frage. Die sich jeder selbst stellen und beantworten kann.

Mit den gleichen Maßstäben, mit denen er selbst bei eigenen Fehlern gemessen werden möchte. Meist………mit mindestens der Hoffnung auf eine zweite Chance………

Hatten Sie und ich diese noch nie nötig?

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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2 Antworten zu Guttenberg Back 4 Good?

  1. alexhell76 schreibt:

    Ihre Mitarbeiterin hatte Guttenberg eine Sache voraus: Sie hat Ihren Fehler erkannt und zugegeben.
    Bei letzterem konnte ich diese Einsicht nicht erkennen. Da flossen mir zu viele Floskeln wie „In dem Spannungsverhältnis zwischen Familie und Politik habe ich die Quadratur des Kreises versucht…“
    Würde jemand ehrlich zu seinen Fehlern stehen, würde dieser in meiner Achtung steigen. Kann er das nicht, dann hat man unwillkürlich im Kopf, dass er sich nur darüber ärgert, dass er erwischt wurde wurde und nicht darüber, dass er überhaupt einen Fehler gemacht hat.

  2. Liz Collet schreibt:

    Guten Morgen, Herr Hellinger und danke für Ihren Kommentar. Sie heben einen wichtigen Punkt hervor – wie geht jemand mit einem Fehler selbst um? Und Sie spiegeln wieder, was sicher viele bewerten, welche Glaubwürdigkeit und Vertrauen jemand oder wie schnell wieder oder nicht mehr erhält oder für welche weiteren Aufgaben. Das spiegelt sich dann in Wahlstimmen wieder beim einen. Am Arbeitsplatz gegenüber dem Mitarbeiter beim anderen. Was mir hingegen widerstrebt, ist (ähnlich wie nach der alten Redensart „Wer einmal lügt,………“) Menschen keine Fähigkeit zuzutrauen, selbst aus ganz dummen Fehlern zu lernen oder Unterschiede zu berücksichtigen. Die können in der Situation, im Charakter, in öffentlichem Druck, in verschiedenen (berechtigten wie auch nicht berechtigten) Gründen, Ängsten vor Folgen liegen und vielem anderem. Angst und Feigheit ist dabei nicht zwangsläufig kongruent. Und es ist immer leichter zu urteilen, als von einem Urteil betroffen zu werden, ohne selbst in der Situation zu stehen, Fehler gemacht zu haben. Und erst recht, wenn man (aus einer Summe von Gründen vermutlich) mehr oder weniger gut oder schlecht damit umgegangen ist. So fand ich persönlich am Fall der Kassiererin Emmely überflüssig, unkollegial und auch nicht schön, dass diese nachdem sie erwischt worden war, andere Kollegen bezichtigte, wie man im Urteil lesen konnte (aber wer aus der Öffentlichkeit liest die schon?).
    Die Öffentlichkeit hat das ebenso wie die Medien, denen eine David gegen Goliath Story besser für Schlagzeilen dient, völlig ignoriert und in einer Art „David gegen Goliath“ -Manier überwiegend begrüsst, dass sie ihre alte Arbeit wieder aufnehmen konnte. Mich stört nicht, dass sie dort wieder arbeitet. Aber sie hat nach meinem Empfinden auch keinen so dollen Umgang mit ihrem Fehler bewiesen, sondern Arbeitgeber öffentlich ebenso angegriffen wie Kollegen bewusst wahrheitswidrig verdächtigt. Charakter? Moral? Vertrauen? Vertrauen ihres Arbeitgebers, ihrer Kollegen ins sie danach? Ich habe selbst jahrelang im Handel und auch an Kassen gearbeitet – für mich war dort und ist Respekt vor dem Eigentum oder Bons etc eine Frage der Ehre gewesen, nicht nur des Rechts. Aber sie hat die Bons weggenommen und verwendet und kein Mittel , einschliesslich der Verdächtigung anderer rechtlich wie medial gescheut – und in der Meinung der Öffentlichkeit ihren alten Arbeitsplatz wieder.
    Was daran zu sehen ist: Vieles hat auch einfach nicht wirklich mit Recht, Gerechtigkeit, Moral oder Fairness, sondern irrationalen oder schlicht Gründen von Sympathie oder Antipathie und auch ein bisschen mit Klischees von „arme kleine Leute“ oder eben nicht so armen Leuten zu tun. Motto: Wer höher steht, muss tiefer fallen (gelassen) werden. Wie wären damals und würden heute beispielsweise die Urteile und Kommentare für neue politische Aufgaben ausfallen, wäre es nicht Guttenberg, sondern ein Politiker gewesen, der sich – sagen wir aus dem Münchner Hasenbergl mit Studium und politischen Aufgaben „hochgearbeitet“ hätte – und den man dann beim Plagiat erwischt hätte und der sich dann ebenso wie Guttenberg verhalten hätte? Wie gesagt, der Beitrag soll nur zum Nachdenken anregen……..unabhängig von namentlich konkreten Personen oder deren weiteren politischen Ambitionen. Die Wählerstimmen werden bei politischen Neuanfangsversuchen ohnehin das Zepter in der Hand halten………;-) Meinen Sie nicht?

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