„Zum Sterben ins Büro“ {Sie ahnen es………das Handelsblatt, mal wieder…}

Handelsblatt Online 10.9.2014 Screenshot

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Also die Moosbichlerin hat auf diesen Satz hin spontan staubtrocken kommentiert:

„Sauberne Idee, dann muss wenigstens daheim keiner die Spuren nachher beseitigen.“

Die Moosbichlerin, die ich unlängst schon gelegentlich erwähnte, denkt pragmatisch.

Und rücksichtsvoll. Sagt sie.

„Wenn nämlich ein Mensch geht, ist das schlimm“, sagt sie. „Für die Angehörigen. Aber“ – sagt sie – „wenn Du dann noch das aus dem Haus oder der Wohnung wegmachen musst, was Du sowieso nicht mehr aus dem Kopf bekommst, das ist ja ganz furchtbar“.

Und dann meint sie: 

Zum Sterben ins Büro – DAS hätte doch was, erstens fänden den armen Menschen dann nicht die Angehörigen und aufräumen müssten die dort dann auch nicht, wenn Arzt, Polizei etc dort fertig wären. Und überhaupt wäre es DIE perfekte Lösung in den Fällen, in denen einer eh am Arbeitsplatz so dermassen drangsaliert würde, um ihn rauszuekeln, dass er sich dann stranguliere oder sonstwie abmurkse. Dann hätten die den Schock verdient, ihn zu finden und das ganze Drumherum und auch das Wegputzen von den Spuren.

„Die würden es ja wohl kaum wagen, dann der Familie die Putzrechnung zu schicken, oder? Oder sie womöglich einklagen wollen…. „

Die Moosbichlerin hat ein fast diabolisch zu nennendes Funkeln und Glitzern in den Augen gehabt, als sie das sagt, während mir kurz der Gedanke durch den Sinn huscht, welcher Rechtsweg für den Arbeitgeber gegen die Angehörigen für so eine Rechnung dann richtig wäre und was ein Arbeits- oder anderer Richter im Fall von Mobbing dann zum Einwand 100%-igen Mitverschuldens des Arbeitgebers am Suizid und seinen „Tatortreinigungsarbeiten“ wohl sagen würde……. Die Moosbichlerin würde das sicher zu 200% bejahen und noch andere Forderungen der Angehörigen im Wege der Widerklage in die Waage der Justizia werfen. Sie neigt zu einem ausgleichendem Gerechtigkeitssinn, der gelegentliche Anflüge von Rachegelüsten erkennen lässt. Mimisch. Im Sub- und Hauptton.

Wie wir, die Moosbichlerin und ich, auf diesen Satz im Post-Titel kamen?

Das Handelsblatt ist schuld. KICHERN Sie NICHT! Ich beweise es Ihnen.

Guggen Sie bitte selbst.

Ahnungslos und harmlos blättert man beim Espresso im Handelsblatt und lässt sich anlocken von Verheissungen darüber, wie Sie lernen können, Ihren Job zu lieben. (Bilder fangen immer mehr Aufmerksamkeit, Herzerl drin erst recht und Rot als eyecatch ist ein altes, immer noch gut funktionierendes Mittel)

Handelsblatt Online 10.9.2014 Screenshot 2

Handelsblatt Online 10.9.2014 Screenshot 2

Dann guggen Sie aber – angelockt und der Spur folgend – näher hin. Und der erste Gedanke mag sein: Äh…. sooooo gut können die Tipps vielleicht nicht sein, wie Sie Ihren Job lieben lernen können, wenn Sie gleich wenige Zeilen weiter schon am Punkt sind, zum Sterben ins Büro zu gehen, oder?

Oder soll man etwa denken, man liebe den Job dann nach den Tipps gleich so sehr, dass man für ihn sterben würde?

Das will man dann doch vielleicht bissi genauer wissen………… wer da wieso und wo zum Sterben ins Büro gehe……..

Handelsblatt Online 10.9.2014 Screenshot 1

Handelsblatt Online 10.9.2014 Screenshot 1

Sie können es auch erfahren, wenn Sie hier dem Beitrag mit dem CLICK folgen.

Und dann Ihren fiesen schwarzen Humor enttäuscht sehen, der auf dramatischere Informationen gewappnet war. Der Mensch ist so fies. Bestes Beispiel die Berichterstattung über Biographien der letzten Tage.

Skandale und Skandalöses, Sex & Crime ziehen nicht ohne Grund immer. Sie lesen also den Beitrag dort vielleicht bis zum Ende. Mehr oder minder noch auf Todesfälle im Büro gewappnet (wartend? hoffend? Hand auf’s Herz! Nicht vielleicht zumindest ein bisschen?) und mit metaphorischen Todesfällen nur halb zufriedengestellt.

Rischtisch?

Gestehen Sie –  dann habe ich noch was für Sie:

Handelsblatt Online 10.9.2014 Screenshot 3

Handelsblatt Online 10.9.2014 Screenshot 3

Wenn es das Handelsblatt an makaber-diabolischem Humor mit der Moosbichlerin aufnehmen könnte, hätten sie vielleicht statt dortiger Headlines die folgende  – vielleicht in rotblinkender Variante ? – gewagt:

Handelsblatt Online 10.9.2014 Screenshot 4

Handelsblatt Online 10.9.2014 Screenshot 4

Aber dem Handelsblatt liegt derlei tieftiefscharzer, makabrer Humor natürlich fern – bestüüüüümmmt! Ist nur Zufall, dass dort immer wieder so fiese Wunschträume angekitzelt werden wie in dem Beitrag .

Dort, beim Handelsblatt, lockt man nur ganz und gar unabsichtlich und ohne es selbst zu merken mit irreführenden Schlagzeilen die Fantasie in die fiese Idee, dass Menschen zum wirklichen Sterben ins Büro gingen. So ganz fern läge die ferngelenkte und in die Irre geführte Fantasie der Leserschaft mit Blick auf die Suizidrate in Japan nicht einmal, wo es solche Fälle traurigerweise tatsächlich gibt. Und zudem eine solche Häufung von Suizidfällen, die sich dort mehr noch als hierzulande vor Züge warfen, dass potenzielle Selbstmörder auf die Auswirkungen ihrer Tat – den Verkehrsinfarkt  bei der engmaschigen Taktung der Züge in Japan – zynischerweise sogar mit einem Warnschild und der Aufschrift «Bitte springen Sie nicht in der Hauptverkehrszeit» aufmerksam gemacht wurden.

Wir malen uns jetzt NICHT aus, welches Schild man dort oder hierzulande Arbeitnehmern oder Managern auf ihren Schreibtisch stellen könnte oder würde, wenn es häufiger vorkommen sollte, dass Menschen „Zum Sterben ins Büro“ gehen ……… und um den weiteren Arbeitsbetrieb nicht durch einen solchen Trend zu stören.

Sie halten das für makaber? Bei der Glorifizierung und Heroisierung des (ärztlich assistierten wie überhaupt des) Suizids seit geraumer Zeit? Wirklich? Über letzteres unterhalten wir uns nicht das erste Mal und aus aktuellem Anlass in Kürze noch einmal ernsthaft und vertieft.

Und wenn Sie meinen, das wäre nicht mehr zu toppen, wie flappsig, makaber und banalisierend mit Tod, Sterben und dem Wert von Menschen und menschlichem Leben inzwischen öffentlich wie medial und gesellschaftlich umgegangen wird, irren Sie.

Sie kennen mich…….ich hab noch etwas für Sie, das noch weit makabrer ist. Schauen Sie wieder herein, in einem der folgenden Posts erzähle ich Ihnen noch mehr. Das bekommen Sie nicht mehr aus dem Kopf. Und das – ganz wörtlich ! – ist bereits der überleitende Satz dazu. Sie werden sehen.

Und jetzt tun Sie erst mal was für Ihr Geld. First work, then nuggets.  

 

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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Eine Antwort zu „Zum Sterben ins Büro“ {Sie ahnen es………das Handelsblatt, mal wieder…}

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