In aller Schlossherrenmanier – da quietscht das Scharnier in der Posse um ein Nutzungsrecht

Starnberger Tide © Liz Collet

Starnberger Tide © Liz Collet

Sie erinnern sich vielleicht an die hier zu Anfang des Jahres von mir berichtete Posse um das Schloss Possenhofen, das bekanntlich am Starnberger See gelegen seit 1834 Herzog Max in Bayern gehörte, dem Vater der späteren österreichischen Kaiserin Elisabeth. Die wuchs dort auf und die Gemeinde und ihre Bewohner sind daher nicht nur mit dem Schloss, sondern auch der bayerischen und historischen Geschichte jener Kaiserin verwachsen und verbunden. Das wird nicht sonderlich gross zur Schau getragen, auch nicht nachdem es zwischenzeitlich ein kleines Sisi-Museum gibt und eine Statue der Namensträgerin vor dem Bahnhof in Possenhofen. Das mag nicht zuletzt auch daran liegen, dass weder Ort noch Bahnhof  Possenhofen selbst wirklich am See liegen, sondern ein bisschen versteckt und selbst das Schloss Possenhofen am Seegrundstück zwischen Feldafing und Tutzing und nahe des Erholungsgeländes liegt ruhig und vielen auf der Strasse entlang nicht bekannt dort. 

Ein Run auf das Schloss Possenhofen fand weder nach den ohnehin bekanntlich in Österreich gedrehten Filmen vor Jahrzehnten, noch seither statt. Und daran haben auch die Musical-Aufführungen am Forggensee im Musicaltheater etwas zu ändern vermocht, bei denen es solche um König Ludwig II. und auch um Sisi ging.

Ich kenne den Starnberger See und den Flecken Erde dort seit Jahrzehnten rund um den See und auf diesem gut. In denen ich regelmässig dort Zeit verbrachte und verbringe und nicht zuletzt auch gern zu meiner Laufrunde am See , Schloss und Hängen zwischen dem oberhalb gelegenem Hotel Elisabeth und Golfgelände, WEIL dort im Herbst und im Winter so wunderbar wenig los ist, im Frühling ebenso. Nur im Sommer ist es in dortiger Nähe belebter – allerdings auf den Liegewiesen am Erholungsgelände, das dann von Brutzlern und Sonnenbrutzlern dicht bevölkert wird. Die aber haben dort bisher wenig Interesse an Schlossbesuchen oder solchen von Altarbildern der Schlosskapelle und an Sisi und werden auch nicht mehr entwickeln, wenn das Altarbild nun dort wieder angebracht und Zugang zur Kapelle eröffnet werden sollte. 

Nun wurde aber in den 80er Jahren das Schloss selbst verkauft und ist heute in Besitz einer gutsituierten Wohnungseigentümergemeinschaft, die den Riegel vorschiebt gegen Besuche jeglicher Art. Das ist berechtigt, soweit es die Wohnungen und das Schloss als solches angeht, in welchem diese liegen.

Nicht aber hinsichtlich der Schlosskapelle, an der beim Verkauf des Anwesens die Gemeinde Possenhofen ein grundbuchrechtlich gesichertes Nutzungsrecht behielt und innehat. Um zu dieser zu gelangen und in diese hinein, muss man weder in das Schloss noch in den Innenhof des Schlosses. Sie liegt nach aussen hin an der Mauer und könnte ohne weiteres allein von dort auch betreten werden. Wie berichtet, soll in jene Kapelle ein Altarbild wieder eingestellt werden, das in der Zwischenzeit restauriert wurde. Fünf der Wohnungseigentümer des Schlosses aber haben wenig Neigung, dies zuzulassen und die Nutzung gemäss Nutzungsrecht der Gemeinde Possenhofen zu gewähren und haben dieses angefochten. In den letzten Tagen hat das Verwaltungsgericht München ihre Anfang des Jahres verhandelte Klage abgewiesen – und zwar schon aus formalen Gründen der Unzulässigkeit. Die Urteilsgründe en detail liegen derzeit zwar noch nicht schriftlich vor, doch so leicht gibt sich ein Schlossherr nicht gegen Anstürme von angeblich drohenden Sisi-Wallfahrten nicht hin und schon gar nicht, wenn man zu fünft gegen das ficht, das einen anficht: Menschen, die eine Kapelle besuchen möchten, zu der die Gemeinde ein Nutzungsrecht und damit auch das Recht hat, diese Besuchern selbstverständlich zugänglich zu machen. Wenn sie nur den Schlüssel dazu hätte, das auch könnte. Aber Schloss-Herr heisst ja in mancher Hinsicht nicht ohne Grund so. Und damit man Herr des Schlosses und selbst der Kapelle bleibt, obgleich man kein Nutzungsrecht daran besitzt, ficht man das grundbuchrechtlich verbürgte Nutzungsrecht eben an. Auch in der nächsten Instanz, so hat man bereits verlauten lassen.

Schade ist nicht so sehr, welchen langen Atem Bürgermeister und Gemeinde von Possenhofen brauchen, bis auch durch den Weg der Gerichtsbarkeit Recht rechtskräftig und bitte in kräftigen unmissverständlichen Worten Geltung und Rechtskraft erlangen wird.

Schade ist, dass man den Spiess leider nicht umdrehen kann. Und – wenn denn Wohnungseigentümer schon das Nutzungsrecht anfechten – den Verkauf des Schlosses insgesamt von der Gemeinde angefochten wird oder werden kann. Denn DAS würde mir besonders gut gefallen. Wenn sich die Herrschaften nur die Rosinen rauszupicken gedenken, das Schloss behalten, aber ihre Pflichten hinsichtlich Nutzungsrechten für nicht bindend ansehen und anfechten……..nun, dann wäre es hübsch, den Gesamtvertrag wegen der Nichteinhaltung solcher Bedingungen beseitigen zu können. Und wieder Schlüsselgewalt über das Schloss zu erlangen. Auf Seiten der Gemeinde. Damit auch wieder durchsetzbar ist, was gutes Recht der Gemeinde, der Öffentlichkeit ist. Zugang zu historisch und kulturellen Gütern, auf die Privateigentümer nicht mehr Hand legen und Riegel vorschieben können, als man ihnen vertraglich übertragen und überlassen hat. Die Schlossherren spielen wollen. Aber den Grundsatz „Noblesse oblige“ neben dem der Vertragsbindung nicht begriffen haben.

Zum Glück liegt die Gerichtshoheit aber seit einiger Zeit auch am See der Könige und entlang seinen Ufern nicht mehr in Hand von Schlossbewohnern, sondern wird im Namen des Volkes und an Recht und Gesetz gebunden gesprochen. Und an Verträge……. Man darf davon ausgehen, auch in der nächsten Instanz.

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  • Quer vom BR und Christoph Süß haben sich nun des Falles hier in einem 5-minütigen Beitrages angenommen, in dem Sie auch ein paar schöne Impressionen von Schloss, Kapelle und Lage vor Ort und Eindrücke vom offenkundig wenig ausgeprägtem Kultur- und Geschichtsbewusstsein der Bewohner gewinnen können. Die Mobiliar der Anlage – aus der Kapelle – einfach auf den Müll geworfen hatten.
  • Die Presse hat nun nach dem Urteil hier dazu berichtet. Amüsant die Äusserungen von Klägern und Bewohnern des Schlosses, die dort zitiert werden, wie etwa der Vorwurf an das Gericht, ihnen viel Arbeit gemacht zu haben, weil das Gericht nicht früher auf die Unzulässigkeit der Klage hingewiesen habe, weil nicht die WEG, sondern nur einzelne WEG-Mitglieder klagten. Die Beschwerde können die Kläger besser an ihre Rechtsvertreter richten, deren Job das in erster Linie ist und auch deren Arbeit. Oder das Jammern, man sei dort hinaus gezogen, weil man seine Ruhe hätte haben wollen und nicht ein Schloss. Ja – dann sollte man sich keins kaufen oder keine Wohnung in einem solchen. Augen auf bei der Immobilienwahl. Ich neige ja zu diabolischen Ideen und würde herzlich gern empfehlen, doch ruhig das Schloss und seine Wiesen drumherum so richtig schön und fleissig und zahlreich zu besuchen, viiiiielen, viiiiieln Besuchern Münchens und des Sees. Und immer hübsch an der Schlosspforte zu bimmeln und artig zu fragen, ob man nicht die Kapelle besichtigen dürfe und man dazu mal aufschliessen wolle….. Aber das würde den Herrschaften im Schloss nur Wasser auf ihre Mühlen giessen, wie schrecklich der Zustrom sei, schon bevor das Altarbild wieder in der Kapelle hänge. Auch wenn es an der Zulässigkeit der Klage bereits haperte – nein, solches Wasser giessen wir nicht auf jene Mühlen…….. Wir warten mit solchen Besuchen dann einfach ab…….. bis das Verfahren rechtskräftig ist, ……….bevor wir recht oft und recht kräftig an der Schlosspforte bimmeln gehen …..n’est-ce pas? Und jetzt wissen Sie auch, was bajuwarische Schlitzohrigkeit und Striezis sind und tun, vor allem, wenn man sie ärgert…..ansonsten sind wir das fried- und ruheliebendste Volk der Welt, das nichts mehr liebt als seine königlich bayerische Ruhe und Gemütlichkeit……….. ganz ährlich! 😉
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Über Liz Collet

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