Einmal Selfie mit dem Tod und Probeliegen in München?

Nunja, nicht ganz „Probeliegen“, vielleicht. Obwohl es Altmünchnern nicht nur ein geflügeltes Wort ist, selbst dann, wenn sie nicht an geflügelte Heerscharen von Himmelsscharen, Erzengel und andere paradiesische Verheissungen glauben: Zum Probeliegen zu gehen, wenn man sich um eigene und anderer Grabstellen und Grabpflege kümmert. Oder auch, wenn einem einer dumm kommt, ihm anzubieten, ihm gern zum Probeliegen verhelfen zu wollen, wenn er weiter am Watschnbaum rüttle. Nein, Probeliegen ist es also wohl nicht, wenn die Münchner Friedhöfe nicht etwa ihre Pforten in mehr als sonst üblichen Öffnungszeiten auf den städtischen Friedhöfen öffnen. Sondern einen Tag der Offenen Tür anbieten.

Am kommenden Samstag, 29. November, veranstalten die Städtischen Friedhöfe und die Städtische Bestattung München diesen in der Zeit von 9.30 bis 17 Uhr. Dort können Interessierte sich im Palais Lerchenfeld in der Münchner Damenstiftstraße 8 über Fragen zum Thema Tod und Bestattung informieren. In eigener Sache – auch wenn das die Begegnung mit Fragen eigener Endlichkeit und den Tod bedeutet. Oder für den Fall der Bestattungsfälle bei Angehörigen und vielleicht von Ihnen Betreuten und Versorgten, um die Sie sich sorgen und deren irgendwann zu regelnde Bestattung.

Kleiner persönlicher Tipp:

1.Auch wenn ein Teil der Themen des Programms Sie in Versuchung führen könnten – bei aller Änderung der Trauerkultur und ihren Formen: Auch Alfred Riepertinger (Oberpräparator am Institut für Pathologie, Klinikum Schwabing) wird ihnen ungeachtet seines Vortrages „Grüfte, Mumien und Skelette“ eher nicht versprechen können, dass Sie ihre Erben letztwillig verpflichten können, Sie mumifizieren und in deren Wohnstube dauerhaft aufbahren zu lassen, damit Sie Ihnen und auch diese Ihnen weiterhin so lebendig wie möglich in Erinnerung bleiben und erhalten bleiben. (Neiiiin, ICH habe ihn sowas noch nicht gefragt, ……..Sie wieder!) Auch wenn immer wieder Fälle berichtet werden, dass Angehörige über Wochen oder gar länger mit ihren Verstorbenen in einer Wohnung verblieben sind – das hat in der Regel andere und nicht sehr gesunde und auch wenig ästhetische Gründe. Sorgen Sie also vielleicht lieber bei Lebzeiten dafür, dass man sich gern und auch ohne mumifizierte fortgesetzte Wohngemeinschaft Ihrer erinnert.

2. Fragen, ob und wie etwaige Untersuchungen der Gerichts- und Rechtsmedizin nach Todesfällen sich auf die Regelung der Bestattung auswirken, sind sicher nicht gänzlich uninteressant, zumal die Krimis der TV-Landschaft das nur unzulänglich beantworten; solche Fragen sollten Sie aber vielleicht zweimal überdenken, bevor sie diese laut stellen, wenn Sie sich nach Bestattungsmöglichkeiten für Erbtanten oder andere noch lebende Angehörige erkundigen. Das dürfte selbst dann ratsamer sein, wenn sich Mitarbeiter der zuständigen Stellen für die Ermittlung von Angehörigen, welche für die Bestattungspflicht in Frage kommen, grundsätzlich sicher freuen, wenn Angehörige sich nicht nur nach dem Tod um ihre liiiiieben verblichenen Verwandten und auch um ein anständiges Begräbnis kümmern wollen. Was – wie man liest – nicht nur aus demographischen Gründen nicht immer der Fall ist. Sondern rechtzeitig vorsorgen wollen. Finanziell, organisatorisch, versteht sich. NICHT biologisch oder toxikologisch oder sonst manuell nachhelfend. (KICHERN SIE NICHT! Auch wenn Strafverteidiger damit ihr Brot verdienen.)

3. Es gibt Veranstaltungen und Locations, bei denen ich nicht unbedingt die Gelegenheit passend finde, Selfies zu fertigen und zu posten. Friedhöfe und Kirchen gehören für mich dazu. Mag eine Geschmacksfrage sein – über die sich bekanntlich streiten oder nicht streiten lässt, jeder nach seiner Facon.

Letzteres gilt mir – und in Bayern wie auch in Frankreich – durchaus so lange als einer der schönen Freiheitsgrundsätze, solange man anderen damit nicht allzu arg auf die Füsse tritt. Was einem in der Betriebsamkeit des Besucheransturms an und in Kirchen wie der Wieskirche je nach Saison und Tag und Tageszeit durchaus passieren kann, wenn ganze Heerscharen von Busladungen sich vor dieser auskippen, um sie (hin zur Kirche) trappeltrappeltrappel, (rein in die Kirche) clickclickclick, (zurück zum Bus) trappeltrappeltrappel zu „besichtigen“. Was eben so ist, Gelassenheit im Umgang damit erleichtert den Ansturm. Unerträglich aber wird es, wenn asiatische oder andere „Maiden“ sich in aufreizende Posen (Popo hinten rausgestreckt bei kürzestem Minirock und diesen noch lupfend) PO-sierend Selfies von sich vor dem gegeisseltem Heiland, vor den Altären oder Heiligen in Selfies bannen – nicht nur für ’s Archiv, sondern auch noch für’s Net und ihre Community und friends, denen das noch aus der Kirche gepostet wurde.

Wie selbst erlebt – während ich andere Gruppen dort führen durfte. Es gibt Augenblicke, in denen ich NOCH mal so sehr zu schätzen weiss, dass und welche meiner ohnehin zauberhaften Gästegruppen über ein Alter hinaus sind, in welchem sie auf die Idee kämen, sich selbst – und erst recht in aufreizenden Posen einzeln oder grüppchenweise – in Szene und ins Bild setzen zu wollen. Anstatt mir (in any sense) zu folgen und dem, was es über das Sehenswürdige zu sagen und zu zeigen und zu fotografieren gibt. Und in denen ich drei Kreuze innerlich schlage, keine von der Art Gäste oder Gruppen zu begleiten, die Kirchen, Altarräume und Beichtstühle und den Raum zwischen Kirchenbänken in so penetranter Weise und Ausmass für Selfies zu „nutzen“ – zeitlich wie auch räumlich den Weg durch die Kirche blockierend und vor dem dort eigentlich viel Sehenswerterem als asiatische Lolita-Hintern. Denen das oder wie sie sich in Räumen fremder Kulturgüter oder Gotteshäusern danebenbenehmen, so völlig an eben demselben Hintern vorbeigeht, dass selbst einem evangelischem Ketzerkind wie meinereiner Gedanken anfliegen, die wenig engelssanft mit diabolischem Humor Flügel bekommen und sich von Kirchenbann bis Geisselschlagerl mit geweihten Palm- und anderen Zweigerln erstrecken können.  Der Meister der geliebten spitzen Feder fände zweifellos passende Umsetzung in Bild und Farbe dafür. Wie auch zu anderen Selfies rund um Fragen der Endlichkeit und Fotos für Archive.

Wieskirche am Weihnachtsmorgen - Sankt Augustinus © Liz Collet

Wieskirche am Weihnachtsmorgen – Sankt Augustinus © Liz Collet

PS: Habe mich inzwischen bei den vier Heiligen erkundigt, ob die nicht mal mit einer der Putten plaudern könnten. Wegen kleinen Nebenjobs.

Himmlische Heerscharen © Liz Collet

Himmlische Heerscharen © Liz Collet

Mit Pfeil und Bogen, den Amor auf meine Bitte hin gern ausleiht. Wenn wieder mal der eine oder andere Hintern sich in Pose bringt, um geshootet zu werden.

In Selfies und in der Wies………. Ich sage nur:

Kimme und Korn vor Kirchenbann.

Als das mildere Mittel der Verhältnismässigkeit bei unmässigem Verhalten in Gotteshäusern.

Ni X für U ngut!

 

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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