„Wir vermieten Ihre Wohnung weiterhin kostenlos….“

Bestellerprinzip, Mietvertrag, Mietrecht© Liz Collet

Bestellerprinzip, Mietvertrag, Mietrecht© Liz Collet

Wenn jemand so wirbt, wie versteht wohl Otto Normalverbraucher, für WEN der Makler dann handelt?

Wenn er weiterhin die Wohnung eines anderen VERmietet?

Lassen wir beiseite, dass strengjuristisch begrifflich nicht der Makler der ist, der „vermietet“. Und auch nicht ANmietet, wie es vergleichsweise ebenso juristisch unzutreffend, aber von der spiegelbildlichen Situation für einen Mieter auftretend dann hiesse.

Das eine wie das andere trifft aber die Arbeit des Maklers nicht, denn er VERmietet nicht das Objekt. Das tut vertraglich nur der Vermieter, sobald ein Mieter gefunden ist. Dessen Vermietung an einen interessierten Mieter vermittelt der Makler eben, er makelt eben nur.

Aber eben: Für den Vermieter. Dennoch zahlt bislang in der Regel der Mieter die Maklerkosten, weil er dazu vertraglich verpflichtet wird. Und die Kröte schluckt, weil nur so die Wohnung zu bekommen ist. Das soll nun bekanntlich eigentlich anders werden mit dem Bestellerprinzip [=>Mietpreisbremse und Bestellerprinzip im Bundesrat].

Vom Bundesrat ebenso wie die Mietpreisbremse im Wesentlichen durchgewunken und abgesegnet. Eigentlich also vor der Verabschiedung.

Eigentlich.

Blickt man in den Wohnungsmarkt (wie ich das regelmässig tue und im Besonderen auch in den letzten rund 12 Monaten getan habe,  sowohl bei Maklern, Immobilienportalen und privaten Angeboten), kann man schon jetzt erkennen, dass und wie Makler und Vermieter schnell noch vor Torschluss die Schäfchen ins Trockene zu bringen versuchen. Wohnungen, die bislang von Vermietern monatelang privat und ohne Makler inseriert wurden, tauchen nun in Maklerinseraten auf. 

Damit war zu rechnen, sieht die Gesetzesänderung doch eh bereits die Ausnahmen vor, wenn ein Vermietungsobjekt bereits im „Bestand des Maklers“ bei den von ihm zu vermittelnden Objekten sei.

Da das aber natürlich nur eine begrenzte und derzeit gerade zu vermietende Liste von Objekten erfasst und erfassen kann und eben nicht die, welche erst nach Inkrafttreten des Gesetzes wieder neu frei und vermietet werden durch Mieterwechsel, sucht man bei Maklern nach Tricks, wie man auch künftig werbend um Vermieteraufträge sagen kann „Wir vermieten Ihre Wohnung weiterhin kostenlos.“
Wie das geht und auch noch als angeblich gesetzeskonforme Tätigkeit für MIETER verkauft und Mieter wie Gesetzgeber für dumm zuverkaufen versucht werden, zeigt diese Reportage von Panorama. Sehenswerte Minuten.

Und nicht nur den Namen jenes Maklers, sondern auch das Modell sollte man sich gut merken. Und meiden. Als Mieter. Wenn man sich nicht für blöd verkaufen lassen und weiterhin die Zeche auch nach Inkrafttreten des Bestellerprinzips zahlen will.

Manche Geschäftsmodelle haben mehr als nur ein Gschmäckle von Täuschung und Betrug an sich, das nicht erst die Justiz nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung dann in den alltäglichen Praxisfällen beschäftigen wird und sollte. Sondern dem Gesetzgeber zu denken geben vor dem Inkrafttreten desselben. Und wie er für bereits jetzt erkennbare Missbrauchs- und Umgehungstricks noch Riegel IM Gesetz selbst schaffen und sicherstellen, wenn Mieterschutz und Mieterinteressen ernsthaft gestärkt werden soll. Der etwaige blosse Hinweis auf dann greifende bereits bestehende allgemeine Regeln des BGB beispielsweise wird dafür nicht genügen. Wenn man manchen Tricksern effektiv und gleich von Anfang an das Handwerk legen will.

Lesenswert zum Thema auch der Beitrag hier.

 

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Über Liz Collet

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3 Antworten zu „Wir vermieten Ihre Wohnung weiterhin kostenlos….“

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