Die Sache mit dem Empfehlungsmarketing {und seltsame Nebenwirkungen von Litozin?}

Pillencocktail © Liz Collet

Pillencocktail © Liz Collet

Ich mache mir nun doch ernsthaft Sorgen.

Was Litozin für seltsame Nebenwirkungen haben könnte.

Also bei denen, die es offenbar ein paar Wochen lang eingenommen haben.

Oder es jedenfalls behaupten. In sozialen Netzwerken glauben manchen anderen ja alles, obwohl man den anderen oft nicht kennt und nicht mal weiss, wer das ist. Noch weniger, ob und wie es mit dessen Wahrheitsliebe steht. Damit sei niemandem namentlich irgendetwas unterstellt. Aber in Medien, in denen payed comments ebenso wie payed contents durchaus kein Fremdwort sind und Fake Accounts alles andere als Utopie sein können oder müssen, ist gesunde Skepsis mehr als sinnvoll. Noch mehr, wenn es um Gesundheit und gesundheitsbezogene Heilversprechen und erst recht um mehr oder weniger spontane und beeindruckende Heilungen gehen soll, die geschildert werden. Und andere ködern (sollen oder können und werden), sich alles Mögliche an Mittelchen auf den Leib zu rubbeln oder einzuverleiben.

Gesunder Menschenverstand wäre geboten. Ist aber evident nicht immer und breitenwirksam anzutreffen in sozialen Medien. Und scheint ganz und gar baden zu gehen, wo Malaisen unterschiedlichster Art nach Heilung und Linderung hoffnungsvoll lechzen. Hach, was für eine Marktlücke und Fundgrube für die Bedienung des Unverstandes mit allem, was man absetzen und umsatzsteigernd unter das Volk bringen möchte.

Hatte ich justament noch eben hier die Frage in die Runde meiner zweifelsohne mit mehr Verstand gesegnete geschätzte Leserschaft geworfen, was wohl Litozin sei, ereilt mich heute eine gesponserte Einblendung in der Timeline meines FB-Accounts (wo derlei landet, wenn eigene Kontakte zB derlei „liken“ oder aus anderen algorithmischen mystischen Gründen). Dort kann man sie dann sehen, die  Auswüchse sog. Empfehlungsmarketings. Bei denen völlig unkritische Verbraucherkompetenz sich paart mit hemmungsloser Empfehlungsinkontinenz. Ich sage das so hart, nicht ohne mehrere Sublininien und Subtöne des höchsten Grades von Sarkasmus, den ich mir aus den Rippchen presse, weil manche in ihrem Drang zur Meinungs- und Informationsfreiheit keinerlei selbstkritische Enthaltsamkeit mehr zu kennen oder gar zu praktizieren scheinen, wo sie an Grenzen eigener Kompetenz nicht nur stossen, sondern bereits über solche stolpern.

Dabei kennt jeder den Satz

„Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“.

BAM!

Einen aber sowas von auf die Mütze und die Tatze, der ohne solcher zu sein und ohne Krankheiten, Diagnosen oder Symptome seines Gesprächspartners zu kennen, grössenwahnsinnige Tendenzen offenbart, anderen Empfehlungen, wenn schon nicht gleich auch noch die Pillchen und Pülverchen verabreichen zu wollen, was sie einnehmen sollen!

Begeisterung über ein Produkt, das jemand selbst ausprobiert und gut findet? Nichts dagegen. Aber bei gesundheitsbezogenen Versprechen und Angaben und Hinweisen ist beim „Empfehlungssturm der Begeisterung“ Selbstkritik und Zurückhaltung geboten.

Lahme werden wieder gehen! Ohne Krücken!

???

Echt? Die gleichen, die derlei völlig enthemmt verbreiten und glauben, würden vermutlich keinen Cent auf die hübschen Geschichten des Neuen Testaments an Glauben verschenken, in denen Jesus nicht nur Lahme und Blinde wieder munter und sehend machte, sondern selbst Lazarus vom Sterbelager springen liess.

Zudem muss bedenklich stimmen, dass und wie wenig die Verantwortung der Forenmoderation sensibilisiert ist, wo derlei auftritt. Ein kleines Beispiel, bei dem sich angesichts der Kommentare dazu – bitte anklicken und lesen! – die Frage stellt, ob man sich irgendwie in die Kategorie und Praxis von  „Heute Sprechstunde „Fragen Sie Frau Dr. Wiebke Engels aka BürgerapothekerarztundMarketender des Produkts“ verlaufen haben könnte:

 

Und das gilt – nur rein zufällig – in diesem Fall exemplarisch für das dort beworbene Produkt. Das Problem, für das wenig Sensibilisierung zu bestehen scheint, hat seine Dimension bei allen gesundheitsbezogenen Produkten.

By the way……….erinnere ich mich an eine von äusserst gesundem Menschenverstand geprägte Äusserung meines lieben Mütterleins, als eine sonst zauberhaft nette meiner Grosstanten bei einem der regelmässigen Telefonate der beiden wieder einmal wieder eines der vielen von meiner Grosstante so gern empfohlenen Mittel aus der Apotheke an den Mann, hier: an meine Mutter bringen wollte, für die das sicher auch „sooooooo wohltuend“ wäre. Knochentrockener, herzlicher Kommentar meiner Mutter:

„Was für Dich vielleicht ja richtig gut ist, muss es nicht für jeden anderen sein. Und wenn ich was brauch oder mir was fehlt, frag ich erst einmal meinen Doktor….jedenfalls solang Du keinen hast.“

Bisserl weniger Herdentrieb und Tendenz zum Lemminge-Syndrom wäre auch in Social Media und Foren nicht ungesund……..

Ni X für U ngut,

………..und  lassen Sie es sich so gut gehen, dass Sie keine „Doktors“ und am allerwenigsten irgendwelche „Bürgerdoktoren“ brauchen, bei denen Litozin so seltsame Nebenwirkungen zeitigen wie den Verlust der Selbsteinschätzung ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen, geschweige denn approbierter und anderer  fachlich erforderlicher Berufsnachweise, der es eigentlich bedarf, um anderen medizinische Ratschläge zu erteilen….. 😉

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Über Liz Collet

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