Wenn Untertitel Fürsten Liebe in den Mund legen…. {beim Hoch auf fürstlich begrüsste und diskriminierte Babies}

Baby³ © Liz Collet

Baby³ © Liz Collet

…….dann ist „meine geliebte Frau“ wohl Wunschdenken der Übersetzer der Ansprache des Fürsten von Monaco gewesen. Was vom „Stolz des Papas“ zu halten ist, für den nichteheliche Kinder ebenso wie weibliche Nachkommen auch heutzutage noch ganz selbstverständlich entweder gar nicht oder erst nach Hürden anerkannt, aber sonst natürlich nicht in der Thronfolge berücksichtigt werden (wie die nichtehelichen Kinder des Fürsten) oder jedenfalls nicht einmal bei Zwillingen, wenn sogar das Mädchen zuerst zur Welt kommt, mag jeder für sich beurteilen.

Während andere europäische Monarchien bei der Thronfolge offenbar nicht nur moderner und im Sinne der Gleichberechtigung denken, sondern auch handelnd diese geändert haben und (auch) damit Weichen für ihren Bestand und Akzeptanz und Integration auch in Demokratien zu sichern und zu vermitteln verstehen, verfährt man gemäss Artikel 10 der monegassischen Verfassung  nach der patrilinearen Primogenitur. Thronfolger ist  der erste direkte und legitime Nachkomme mit Priorisierung der männlichen Nachkommen im gleichen Verwandtschaftsverhältnis.

Allen Ernstes wird da von manchen bereits als „Fortschritt“ betrachtet, dass in diesem Fall beide Zwillinge mit je 21 Salutschüssen gefeiert wurden und nicht nur der männliche Zwilling und Thronfolger 101 Salutschüsse als Ehrenbezeugung erhielt – die einzige Symbolik einer Art von monegassischer Frauenquote, wenn man so will.

Kein überraschendes, aber auch eines der unrühmlichen Beispiele von Diskriminierung mitten in Europa. Nichteheliche Kinder sind wie man an diesem Beispiel sieht ebenso diskriminiert wie weibliche in Monaco.

Aber solange es nichtsdestoweniger vermeintlich moderne Frauen gibt, die für sich nach olympischen Ruhm streben, aber es für erstrebenswert halten, dort einzuheiraten und für Fortbestand solch überkommener Weltbilder den Bauch hin- und in die Kamera zu halten, selbst wenn dies für die eigenen Rechte als Frau (nach Ehevertrag für sich und Kinder und Sorge- wie Besuchsrecht über diese) wie für die der Töchter mittelalterlich weit entfernt von Gleichberechtigung und eigentlich grundsätzlichen Frauen- wie Grundrechten anmutet, muss ein Fürstentum daran ja auch nichts ändern. Erst wenn zu befürchten stünde, mangels ehelicher männlicher Nachkommen noch einen Thronfolger stellen und die Unabhängigkeit von Frankreich wahren zu können, wäre notgedrungen vielleicht kein Umdenken, aber eine Änderung der rechtlichen Regeln geboten und zu erwarten.

 Und damit läge es – ja, eben! – in der Hand und im Hirn von Frauen, jedenfalls beim Fürstentum Monaco, am Hebel der Macht. Und jeder Anflug der Idee von Frauenquote und Gleichberechtigung und gleicher Wertschätzung auch von Frauen bringt eben nix, wenn Frauen nicht genug Hirn oder Durchsetzungspotential auch in Verhandlungen über eigene und Zukunft ihrer weiblichen Nachkommen und Nachfolger legen. Oder eben dankend verzichten – auf eine Ehe um solchen Preis.

Jeder ist seines Glückes Schmied, sagt man. Manche stört es nicht, wie wenig sie das für ihre Kinder oder jedenfalls für das ihrer Töchter sind.Und für diese Weichen neu stellen oder alte und überkommene zementieren, sogar da, wo der Anlass nie überzeugender hätte sein können, als bei der echten Wahl zwischen zwei (beinahe) gleich geborenen Kindern, weil Zwillingen, bei denen allein die zeitliche Folge hätte entscheiden können. Wann, wenn nicht bei solch einer Konstellation hätte die Gelegenheit besser sein können?

Man mag einwenden, Fürstin und Thronfolgerin zu sein, müsse nicht das grössere Glück im Leben bedeuten, als nur in zweiter Reihe zu stehen – und das mag sogar nicht falsch sein. Und vielleicht genügt es manchen ja sogar, prominent und fürstlich begütert in zweiter Reihe stehen zu können, solange die Kasse stimmt, woran im vorliegenden Fall wohl keine Zweifel gehegt werden.

Mag sein, von der Ehefrau des monegassischen Fürsten wird in Monaco und im Fürstenhaus kein eigenes Profil erwartet, ja nicht einmal erwünscht. Die Kritik, kein solches mitgebracht zu haben und keines zu entfalten und für die eigene Rolle als Frau sowenig für die der Frau in der heutigen Gesellschaft selbst bei eigenen Kindern zu tun, kann ihr dennoch  nicht erspart bleiben. Sehr wenig, zu wenig Sportsgeist ist da zu entdecken, der auch bedeutet: Allen gleiche Chancen im Leben und in der Welt nicht nur bei olympischen Disziplinen offen zu halten.

Wie soll – beispielsweise – glaubhaft sein, dass Gleichbehandlung und Gleichberechtigung im Sport, bei Paralympics wie Olympia gelten solle, wenn zwischen Männern und Frauen unvermindert Diskriminierung im eigenen Fürstenhaus Tagesordnung ist?

Dass es das ist, ist auch in der Verantwortung derer, denen selbst Übersetzer offenbar noch Schützenhilfe der romantischen Geschichtsklitterung leisten müssen, wo der Fürst den Text der „geliebten“ Frau vermissen lässt. Mindestens beim Übersetzer der Untertitel.

Ni X für U ngut.

Advertisements

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
Dieser Beitrag wurde unter 1, Kommentar abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s