„Moderner Klassiker der Terror-Fotografie“

Press Review © Liz Collet

Press Review © Liz Collet

Es gibt Beiträge, bei denen man sich fragt, ob dem Autor selbst der Mangel an Sensitivität für ein Thema und in seinem eigenen Verhalten allen Ernstes nicht gewahr wird:

Ein Beitrag über das reflexartige, unbedachte, in der Sekunde des Geschehens oder unmittelbar danach gefertigten Videos eines Laien, der die Erschiessung des Polizisten in Paris gefilmt hatte.

Ein kritischer Beitrag, der – soweit eigentlich so gut und berechtigt und wichtig – kurz die Frage antippt, ob und was aus solchen Ereignissen veröffentlich werden darf, nicht darf, sollte, nicht sollte.

Mit Rücksicht auf Opfer, auf ihre Angehörigen, denen es nicht erspart bleiben wird, diese Bilder dann viral verbreitet immer und immer und immer wieder sehen zu müssen, weil sie medial nirgendwo mehr auszublenden sind. Nicht für Erwachsene, noch weniger für Kinder eines ermordeten Menschen einer solchen Szene.

Was das bedeutet, wissen wir seit langem, seit Tsunami, den aus dem WTC stürzenden Menschen des 11. September und zahllosen weiteren Beispielen, bei denen überlebende Opfer, Angehörige getöteter Opfer dies und ihre Belastung durch diese Bilder offenbar bis heute ungehört geäussert haben.

Ja, kurz wird dieser Aspekt angerissen. Um – und das drängt sich auf im weiteren Artikeltext – letztlich doch gerechtfertigt zu werden. In der Sache durch eine Art Öffentlichkeitsinteresse, das solchen Terror- und anderen Schreckensereignissen gegenüber bestehe.
Das – liesse sich diskutieren. Und das sollte diskutiert werden.

Aber:

Bei solchen Diskussionen stünde es Autoren solcher Beiträge gut an, ihre Diktion zu überdenken, mit der ein solches Video und sein upload so gedanken- und empathielos dahingeredet und -gekritzelt dann als „Moderner Klassiker“ einen nahezu ehrfürchtig anmutenden, beweihräucherten Nimbus verliehen erhalten.

Wer solche Bilder etikettiert mit „Moderner Klassiker der Terror-Fotografie“ rückt sie in eine Linie cineastisch sehenswürdiger Streifen, in die Reihe von „Film-Klassikern“ des eben nicht realen Lebens, in dem Menschen sterben und leiden unter dem Tod anderer.

Was letztere nicht nur beim unkritischen und kritikwürdigem Upload von Bildern und Videos empfinden, sondern bei der Diktion von Artikeln über solches Verhalten, scheint dem Autor des Beitrages nicht einmal ansatzweise in den Sinn zu kommen, während er den Finger auf den richtet, der seinen am Auslöser und am Click-Button für den Video-Upload hatte.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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Eine Antwort zu „Moderner Klassiker der Terror-Fotografie“

  1. freudefinder schreibt:

    ja, da würde Verantwortung beginnen – aber ich befürchte, der Wunsch nach Sensation siegt. Toll beobachtet

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