Keimzelle Gesundheit oder Keimzelle Infektionen – deutsche Kliniken und ihre {fehlenden] Masterpläne

Needle's Eyes of Science © Liz Collet

Needle’s Eyes of Science © Liz Collet

Keimzelle Gesundheit oder Keimzelle Infektionen – deutsche Kliniken? Wie sieht es aus bei deutschen Kliniken und ihren {fehlenden} Masterplänen für die Universitäts- und andere Krankenhausmedizin der Zukunft?

Und der Gegenwart?

Wer die Website des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel besucht, liest dort als Aufmacher grosse Pläne:

„Universitätsmedizin der Zukunft – Aktuelles zum Masterplan. 2015 soll mit dem baulichen Masterplan an einem der größten europäischen Zentren für die medizinische Versorgung begonnen werden.“

Aufmacher in den Medien ist das Universitätsklinikum allerdings mit Meldungen, die nicht den Eindruck hinterlassen, wenigstens für aktuelle Herausforderungen einen Masterplan zu haben, wenn es um inzwischen elf Patienten geht, die verstarben und zusätzlich zu ihren teils schweren Erkrankungen auch mit einem multiresistenten Keim infiziert waren.

Nach Angaben des Vorstandsvorsotzenden sei bei neun Verstorbenen der Keim mittlerweile eindeutig als Todesursache ausgeschlossen worden.
Wer mit Fragen der Kausalitätsnachweise in Fällen von behandlungsfehlern und Infektionen bei ggf. zusätzlichen schweren Erkrankungen vertraut ist, hört die Botschaft wohl. Glauben muss man dies nicht ohne jeden Zweifel. Das liegt nicht allein an einer etwaigen Grundmisstrauenshaltung in oftmals nur scheibchenweise praktizierte Presseinformation durch Kliniken oder Informationspolitik im Spannungsfeld möglicher Haftungspotentiale, die ohne Eigenbelastung Verantwortlicher im Umgang mit Auftreten von Infektionen und ihrer Begrenzung und Beseitigung und ihrer Ursachen, nicht immer alles publizieren lassen könnten, was in möglichen Schadensregulierungen und Prozessen die Grenzen eigener Darlegungs- und Beweislasten überschreiten würde. Gesunde Skepsis gegen Infektion mit nicht immer gerechtfertigter Vertrauensimpfung kann daher nicht gänzlich schaden.

Bei zwei Patienten haben man nicht ausschließen können, dass es einen Zusammenhang zwischen der Todesrate und der Infektion mit Acinetobacter gebe, wird weiter mitgeteilt. Die beiden Patienten seien 70 und 86 Jahre alt gewesen. Insgesamt haben sich nach Angaben des Klinikchefs seit Mitte Dezember 27 Menschen im Alter zwischen 27 und 88 Jahren im UKSH mit dem gefährlichen Bakterium infiziert.

Zunächst war von fünf Verstorbenen die Rede gewesen. Nun hat nicht zu Unrecht die Diskussion begonnen, Fragen und Vorwürfe finden Raum, ob die Ausbreitung der Keime nicht vermeidbar gewesen wäre. Ob es Versäumnisse bei Ärzten oder Behörden gegeben habe. HIER der Videobeitrag dazu.

Auf die „Erfahrungen in Holland“ mit Screening auch hier wieder erfolgenden Hinweise und Überlegungen, ob diese nicht auch hierzulande Sinn machen würden allein können Kliniken sich eigentlich längst nicht mehr zurückziehen. Diese Erfahrungen in Holland sind seit geraumer Zeit bekannt, werden indessen und ungeachtet seit längerem immer wieder auftretender Infektionen nicht übernommen.

Es ist eine bemerkenswerte Ignoranz seit Jahren festzustellen gegenüber der Zahl von rund 40.000 jährlichen Toten durch Krankenhausinfektionen, dass diese nicht einmal ansatzweise eine vergleichbare Aufmerksamkeit erfahren, geschweige denn auch Handlungsbedarf und Maßnahmen nach sich ziehen, wie beispielsweise die gern und schier täglich medial in ungezählten Medien zitierten 10.000 Patienten auf Warteliste für Organspende und Transplantation. Für die Versorgung letzterer, die „Akquise von Organspenden“, deren Werbung, Koordinierung, Vermittlung, medizinische Versorgung und die Finanzierung der daran beteiligten Institutionen, Kliniken und Strukturen wird selbst die Fortführung von Zulassungen für Kliniken als Transplantationszentren beansprucht und eingeklagt, welche nicht einmal ansatzweise noch diejenigen Mindestfallzahlen an Transplantationen aufweisen und erwarten lassen können, welche vom Gesetzgeber für die Erteilung der Zulassung und ihren Fortbestand gewollt ist, nicht  nur aus Wirtschaftlichkeitsgründen, sondern auch zur Qualitätssicherung für den Transplantationserfolg.

Es ist seit Jahren überfällig und längst an der Zeit, für die jährlich mindestens vierfache Zahl von Toten infolge von Infektionen in Kliniken nicht weniger als für Wartelistenpatienten, sondern endlich mehr Engagement in politischer, rechtlicher, medizinischer, organisatorischer, personeller und finanzieller Hinsicht zu beweisen.

Nicht nur im Fall des UKSH in Kiel.

Damit Menschen, die auf eine Krankenhausbehandlung angewiesen sind, nicht länger Angst vor einem Krankenhausaufenthalt haben müssen, weil sie mehr tot als lebendig nicht durch die eigentliche Erkrankung oder OP-Risiken, sondern infolge multiresistenter Keime nur noch durch den Ausgang der Rechtsmedizin und im Sarg das Krankenhaus zu verlassen könnten.

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Über Liz Collet

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