Ich bin bekümmert….. mörderisch bekümmert!

Spiel doch nicht das Unschuldslamm © Liz Collet

Spiel doch nicht das Unschuldslamm © Liz Collet

Über das ZDF.

Zunächst war ich versucht, es als Anschauungsmaterial des ZDF für Zuschauerverdummung zu begreifen.

Unsicher, ob das ZDF inzwischen beim Publikum von einem Bildungstiefstand auf dem Level der Privatsender-Gerichtssoaps ausgeht.

Oder nur noch so schlecht (oder gar nicht mehr?) seine Drehbuchautoren unter Mindestlohn löhnt, womöglich nur noch Praktikanten für Drehbücher beschäftigt, dass dann sowas dabei rauskommt, wie in der Folge „Die Frau des Kriegers“ der SOKO 5113 vom Montag.

Lassen wir beiseite, dass der Titel offenbar bewusst Etikettenschwindel darstellte, mit den „Kriegern“ assoziativ spielend, die unter ganz anderer Flagge ihre  Gotteskrieger geben und  Kriege  führen, als unter derjenigen der Bundeswehr. Erst recht, wenn der abwesende Soldat ganz andere Aufgaben fern der Familie erfüllt, nicht einmal per Videoschaltung klar zu sehen oder hören und reichlich weit weg ist. Zu weit. Das wird schnell klar, als das (Familien-) Drama seinen Lauf beginnt. Einen, bei dem sich nicht nur Strafverteidigern der Magen rasant um die eigene Achse schnellend drehen müsste. 

Wegen der rechtlichen Absurditäten. Die zugleich auch jeglicher dramaturgischer Logik den Boden entziehen.

Für die gestrige Folge der SOKO 5113 wurde ein so grottenschlechtes Drehbuch  gestrickt, dass mich nichts über den Verlust der 45 Minuten Lebenszeit trösten wird. Weder das filigrane Schauspiel von Clelia Sarto in der Rolle der Ehefrau, die in der Hilflosigkeit angekommen ist, welche mit wiederkehrenden Auslandseinsätzen des Ehemannes einhergeht, mit denen sie selbst nicht, ihre Kinder noch weniger umgehen können. Und mit ihrem Fehltritt, ihrem Fehler eine Entwicklung in Gang setzt, die psychologisch sicher interessant wäre und ist. Aber leider versandet im schlampig-mangelhaften, ich korrigiere: ungenügenden Drehbuch.

Nicht tröstet da das Fehlen Arthur Bauers in der Folge (dessen Abwesenheit sonst sehr erfreulich ist, aber das fiel eigentlich überhaupt nicht auf, kann das nicht einfach bitte so bleiben? Die cholerischen Szenen seiner Auftritte sind eh selten nötig für den Handlungsverlauf) , noch Michel Guillaume, Joscha Kiefer oder Florian Odendahl.

Schauspieler können leider nichts für’s Drehbuch. In diesem Fall ein leider völlig lebensfremdes, rechtlich sowieso haltloses Drehbuch.

Wenn man die alten Folgen von Derrick und erst recht die alten Folgen des Alten in der x-ten Wiederholung ebenso wie die uralten Folgen des Falls für Zwei schon besser findet, als neue Folgen krimineller Serien der ZDF Crime Time, läuft schon ein bisserl was falsch, könnte man meinen. Aber Reinecker & Co wäre sowas wie in der o.g. Folge der SOKO 5113 nicht blamabel unter- und ins ZDF gekommen.

Kann. Mal. Jemand. BITTE dem Drehbuchautor § 19 StGB zum Lesen geben?

Dann müsen Zeugen wie  Lechner und Westphal nicht so völlig ohne Grund und Logik falsche Alibis stricken und diese und Mutter und Bruder nicht so völlig überflüssige Verdeckungshilfe leisten, wo niemand Strafverfolgung fürchten muss. Niemand aus der Familie.

Gegen eine 12-Jährige gibt es keine Verurteilung, kein Strafverfahren, egal wie man ihr Handeln als 14-Jährige zB oder als Erwachsene werten würde. 

Basta. Das Mädl ist straffrei. Schuldunfähig als 12-Jährige. Und damit straffrei.

Und damit steht und fällt und fällt das ganze Drehbuch von Anfang an in sich zusammen.

Eine 12-Jährige muss man nicht (wie Hahn in der Szene am Ende) belehren, dass sie nichts aussagen muss, womit SIE SICH belastet, wenn schon mal überhaupt jemand dazu belehrt wird, aber wenn schon dann doch entscheidender wäre dass sie nichts aussagen muss, was andere belasten würde. Weil  und nachdem sie weinend sagt, dass sie reden will, denn Mutter und Bruder sollen nicht ins Gefängnis kommen. Wohin die beiden eh nicht kommen, weil sie nichts Strafbares getan haben. Die 12-Jährige ist schuldunfähig und damit straffrei, es kann daher sogar offen bleiben, ob sie sich nur wehrte, ob sich der Schuss nur zufällig löste, als sie drohte sich selbst damit töten zu wollen, im Handgemenge. Sie ist in jedem Falle straffrei.

Bruder und Mutter hätten also nicht mal eine ohnehin für Angehörige ebenfalls straffreie Strafvereitelung begangen.

Mit welcher halbwegs nachvollziehbaren rationalen, irrationalen, emotionalen oder sonstigen Erklärung ist deren beider und das Handeln aller übrigen Protagonisten in den 45 Minuten rund um den Tod des Journalisten noch sinnführend im Drehbuch und für Verlauf und Lösung?

Wann hat man eigentlich beim ZDF damit aufgehört, mal jemanden, der bisschen was von Recht oder Strafrecht versteht, über Drehbücher kucken zu lassen?

Damit so ein rechtlicher Unfug nicht gedreht wird. Der  zudem sämtliche Verhaltensweisen der Beteiligten völlig unlogisch macht?

 45 Minuten, die mir keiner wiedergibt. Und dafür GEZ? Ach nein – DIE soll ja für den Bildungsauftrag öffentlich-rechtlicher Sender gezahlt sein.

Vermutlich, damit man die durch solche rechtlich aberwitzigen Drehbücher erst der sinnbefreiten Unterhaltung und Verblödung ausgesetzten Zuschauer durch Magazinsendungen dann wieder bilden kann. Und muss. Bildungsauftrag ZDF. Die Zuschauer  denken doch nach solchen Sendungen – wie Hahn, Renner, Morgenstern und die übrigen Beteiligten – alle panisch, dass eine 12-Jährige vielleicht nicht gleich in der Zelle bleiben, aber doch noch vor Gericht muss.Und womöglich zu wer weiss was verurteilt wird. Bei so bedeutungsschweren Sätzen Hahns „das liegt nicht in unserer Hand“, was aus dem Mädl nun werde.

 Obgleich Staatsanwaltschaft und Gericht die Strafverfolgung zwingend zackig einstellen würden, wenn eine SOKO auf die Idee verfiele, gegen eine 12jährige so zu ermitteln. Egal wie pseudosanft Hahn der 12Jährigen die Belehrung erteilt, sich selbst nicht belasten zu müssen.

Obwohl sie sonst mit ihren Mahnungen vor unschöner Presse vor allem bei verdächtigen der Münchner Haute Volée und Partei- oder Politpromis a bisserl arg penetrant nervt, aber hier vermisste man beinahe Ilona Grübel aka Dr. Evelyn Kreiner. Die sonst so heftig klischeebedienend interveniert, wenn Ermittlungen auch nur ein Lüfterl von Presseskandal befürchten lassen? Die Vernehmung einer 12-Jährigen wie HIER in der Folge – das wäre mal ein Skandal Royal der SOKO 5113, bei dem man eine hyperventilierende Kriminalrätin gern in die Parade hätte fahren dürfen.

Bislang morde ich ja nur in einer Parallelspielhandlung Kowalski in der SOKO Leipzig, strafhalber wegen seiner inakzeptablen Handlungsweisen vor allem in den Folgen nach seinem Einstieg und um mein Gemüt zu besänftigen. Mein Herz verträgt die Folgen besser, wenn ich beim Guggen Kowalski gedanklich nebenbei meuchle, mit dem Rad unter Laster geraten lasse, Purzelbäume über Randsteine schlagen, die ihn ein paar Zähne kosten, bevor er wieder dumme Sprüche bei Vernehmungen durch die Zahnlücken nuscheln kann, auf nassem Boden vor dem Getränkeautomanten lang schlagen lasse und bisschen ausser Gefecht setzend, anstatt ihn im Vernehmungsraum ankommen zu lassen und und und…… was sich halt fantasiehalber je nach Szene so ergibt. Jede Szene bietet so hübsche Alternativspielzüge, ihn ins Messer oder Off sausen zu lassen, während im Vordergrund die anderen weiter spielen. Irgendwo steht immer was im Weg, auf der Strasse rum oder kann technisch versagen, was ihm in die Hände oder unterwegs in den Weg kommt. Meiner Fantasie lasse ich da alle Zügel gern schiessen. Und Kowalski 1000 Tode sterben. Oder fast sterben. Je nachdem.

„Multitasking Murder Game“ sozusagen. Killing Kowalski ist Brainjogging durch Umschreiben des Drehbuchs und „Kopfkino-Programm 2“   beim Guggen der Folge.

Aber dafür sollte man nicht GEZ zahlen, sondern Drehbuchhonorar vom ZDF bekommen.
Erst recht, seit ich fiese Versuchung verspüre. die kriminelle Drehbuchfantasie personell zu erweitern. Und mir seit gestern mörderisch schöne Verwendungen für SOKO 5113 Drehbuchautoren ausdenken zu wollen. Und Arthur Bauer dabei gleich noch mit zu erledigen.

Wenn das so weiter geht, muss ich aufpassen, dass meine mörderischen Gelüste mich nicht den Überblick verlieren lassen, wen ich wie oft und wie killen könnte.

Denn eigentlich…………eiiiigentlich kritzle ich ja keine Drehbücher. Sondern zupfe und zwirble nur bisschen an §§. Die sollen aber manchem schon als Schlingerl um den Hals geschlängelt zum fatalen Verhängnis geraten sein. Drehbuchautoren ………etwa.

Einen mörderisch schönen Abend für SIE!

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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