Der Steigerwald, ein Naturschutzgebiet und Träume vom UNESCO-Weltnaturerbe: Zankapferl im Bayerischen Landtag

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Bayerisches Grundrecht auf Naturgenuss © Liz Collet

Kennen Sie den Schwammerlparagraphen?

Den finden Sie in der Bayerischen Verfassung, beim Bayerischen Grundrecht auf Naturgenuss.

Die Schwammerl finden Sie bekanntlich im Wald. Von dort darf man sie mitnehmen, sollte sie aber gut genug kennen, um weder sich noch andere in den Akutbedarf einer Leberspende durch Transplantation wegen Leberversagens nach Schwammerlvergiftung oder gar noch lebensgefährlichere oder tödliche Situation zu bringen.

Wenn Sie das aber vermeiden und wissen wie, wo und welche Schwammerl sie guten Gewissens und mehr als einmal essen und geniessen können, dürfen Sie diese sammeln. Nicht massenweise, wie manche das tun, die teils  von drüherhalb der Grenze einfallen , teils auch als Einheimische wie die Fliegen über das Fleisch im Sommer herfallend. Die sie dann auch noch auf Märkten verkaufen. So dass gar die Polizei auf Schwammerlstreife gehen muss.

Aber zum Eigenbedarf ist Sammeln in geringen Mengen erlaubt. Keineswegs aber alle Pilze. 

Denn viele einheimische Pilze wie Steinpilz, Pfifferling, Schweinsohr, Brätling, Rotkappe, Birkenpilz und Morchel stehen eigentlich unter Artenschutz. Folgt man dem Bundesnaturschutzgesetz, ist es daher eigentlich verboten, diese Arten in der freien Natur zu sammeln und weiterzuverarbeiten bzw. zu verkaufen. Für Schwammerlsucher gibt es aber eben eine Ausnahme, die per Bundesartenschutzverordnung geregelt ist: Die betroffenen Pilze dürfen in geringen Mengen für den eigenen Bedarf gesammelt werden.

Hier sehen Sie eine Liste der Pilze, die in geringen, genauer: ortsüblichen Mengen, sowie derjenigen, die gar nicht gesammelt werden dürfen. Und auch das ist wichtig: Ob geschützter oder ungeschützter Pilz, das Eigentumsrecht des Grundstücksbesitzers muss immer beachtet werden –   in Privatwäldern kann das ein Sammeln daher ebenfalls verbieten.

Im Übrigen gilt die Faustregel, dass Sie zwar nicht nur die offene Faust füllen, sprich eine Handvoll sammeln dürfen, pro Person und Tag. Aber die Regel: Die Grenze des Erlaubten wird überschritten, wenn das Sammeln von Pilzen nicht mehr der vernünftigen Bereicherung des eigenen Speisezettels dient.

In Österreich findet sich HIER z.B. eine Grenze von 2 kg pro Tag.

Auch für andere „Früchte der Natur“ als Schwammerl gilt in Bayern der als „Schwammerlparagraph“ spitzbübisch umschriebene Artikel der Bayerischen Verfassung.

Art 141 III der Bayerischen Verfassung lautet:

„Der Genuß der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur, insbesondere das Betreten von Wald und Bergweide, das Befahren der Gewässer und die Aneignung wildwachsender Waldfrüchte in ortsüblichem Umfang ist jedermann gestattet. Dabei ist jedermann verpflichtet, mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen. Staat und Gemeinde sind berechtigt und verpflichtet, der Allgemeinheit die Zugänge zu Bergen, Seen, Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten freizuhalten und allenfalls durch Einschränkungen des Eigentumsrechtes freizumachen sowie Wanderwege und Erholungsparks anzulegen.“

Also auch das Sammeln von Wildkräutern, Wildblüten, Knospen, Früchten, Beeren und Nüssen beispielsweise sollte nur unter Beachtung der Menge ortsüblichen Umfangs erfolgen. Was man dann daraus aber alles Wundervolles zubereiten kann, erfahren Sie nicht nur bei meinen Rezepten und Beiträgen, sondern auch aus Mund und bei Führungen mit Naturführern oder Kräuterkennern, die auch hier im Blauen Land mit Ihnen gern auf Spaziergänge gehen und es Ihnen zeigen.

Um den Wald und ob und wie man ihn nutzen kann, geht es im weiteren Sinne auch beim Thema, das den Landtag beschäftigen wird. Und zwar wegen des Steigerwaldes. Dort soll das Naturschutzgesetz geändert werden, um ein Schutzgebiet im Steigerwald aufheben zu können. Kritiker sehen darin einen Rückschlag für die Bewerbung als UNESCO-Weltnaturerbe.

Der Umweltausschuss des bayerischen Landtags wird sich am Donnerstag  05.02.15  mit dem umstrittenen Schutzgebiet im Ebracher Forst des Steigerwalds beschäftigen. Geplant ist eine Änderung des Naturschutzgesetzes. Damit wäre es möglich, das etwa 800 Hektar große Schutzgebiet wieder aufzuheben, das der damalige Landrat Günter Denzler (CSU) ausgewiesen hatte. Bislang ist eine solche Ausweisung Sache der Kommunen. Die CSU-Fraktion im Landtag plane die Übertragung der Zuständigkeit von den Kommunen auf die Bezirksregierungen, kritisieren nun die Grünen.

Die ganze aktuelle Meldung lesen Sie hier. Und weitere Infos zum Thema habe ich Ihnen nachfolgend zusammengestellt.

Zum Thema Schwammerl demnächst ein eigenes Dossier mit vielen interessanten Infos. Damit Sie für die nächste Schwammerlsaison gerüstet sind.

Und zum Sammeln, Verwenden und Rezepten von und mit weiteren Naturzutaten auch 2015 mit neuen Beiträgen erfahren Sie ebenfalls mehr durch’s Jahr. Sie kennen doch inzwischen – hoffentlich, vielleicht? – auch die Eckerln in und rund um die kleine Lindenburg zu solchen Themen? Zum Jahreswechsel habe ich mal ein bisserl was für Sie gebündelt. Für die Übersicht. HIER.

Informationen für Sie zum Steigerwald

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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