Ethnisch diskriminiert als Bayer: Ein originelles Geschäftsmodell {mit Folgen}

Verteidigungsstratege © Liz Collet

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Allerdings auch eines, das die Staatsanwaltschaft intereressiert. 

Sagen wir: Mehr als nur interessiert. Sie hat Berichten zufolge Anklage erhoben und nun Details zu einem Fall bekanntgegeben, der zwei 41 und 45 Jahre alten Brüder betrifft, die aus der Diskriminierung ein recht eigenes Modell entwickelten, mit Bewerbungen zu Geld zu kommen. Weil bekanntlich Alter, Hautfarbe, Herkunft und Geschlecht bei der Personalauswahl keine Rolle spielen dürfen, verschickten die Brüder den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge insgesamt 116 Scheinbewerbungen. Bei Eintreffen der Absage folgte die Klage gegen das absagende Unternehmen wegen Verstössen gegen das AGG. Einer der beiden ist Rechtsanwalt, der andere studierter Betriebswirt.
Die Anklage wirft ihnen nun in 116 Fällen Betrug oder versuchten Betrugs vor. Insgesamt sollen sie 1,7 Millionen Euro von den Unternehmen gefordert haben.

  • In 25 Fällen sollen sie laut Anklage mit der Methode Erfolg gehabt haben.
    Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass insgesamt Zahlungen in Höhe von 88.250 Euro an die Beschuldigten geleistet worden seien, teilte Staatsanwältin Judith Henkel der Deutschen Presse-Agentur Berichten zufolge mit.
    Diese Fälle werten die Ermittler als Betrug in besonders schwerem Fall.
  • In weiteren 91 Fällen wirft die Anklage ihnen versuchten Betrug vor, weil die Firmen nicht auf die Forderungen eingingen.

Die Beschuldigten hätten die Vorwürfe zurückgewiesen. Ob sie sich in einem Prozess verantworten müssen, entscheiden nun die Richter der zuständigen Strafkammer. Nach dem Strafgesetz drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahren Haft.

Auch der Rechtsanwalt soll teilweise als Bewerber aufgetreten sein.
Bei den Gründen für die angebliche Diskriminierung waren die beiden offenbar sehr kreativ. So soll der Vorwurf ethnischer Diskriminierung u.a. darauf gestützt worden sein, dass der Bewerber Bayer sei.

Ich weiss nicht, ob die Herrschaften sich bei diesem Grund der Diskriminierungsvorwürfe von jenem Fall beim VG Berlin haben inspirieren lassen. Ging aber auch im Fall dort schon nicht so im Sinne des Klägers aus, der glaubte, mit Diskriminierungsgründen Vorteile bei und aus Bewerbungen ziehen zu können.

Ich hab’s – en passant – mal an den Fingern abgezählt, wieviele Diskriminierungsgründe ich bereits mit meinem ersten Atemzug im Leben an meiner Seite gehabt habe. Vier. Bereits im Augenblick des ersten Atemzuges.

Ein paar Tage später kam der fünfte hinzu.

Mir wäre nie in den Sinn gekommen, mich darauf zu berufen und mich dadurch diskriminiert zu fühlen. Noch weniger, es zu beklagen.

Manche leben damit und lassen sich davon und dem, was andere (angeblich) deswegen gegen sie als Ablehnungsgründe haben könnten, nicht kirre machen. Sondern setzen sich durch. Da, wo es sich lohnt. Bei denen, wo es Wert hat. Und dort erst recht. Und geben der Meinung der anderen, die ihr Handeln von Vorurteilen leiten lassen, nicht Bedeutung und Gewicht für das eigene Leben und eigene Entscheidungen.

Andere fühlen sich diskriminiert und klagen. Ihr Leid. Und bei Gericht. 

Manche haben dafür vielleicht einfach mehr Zeit als ich je hatte. Ich war immer gut genug mit anderem beschäftigt. Mit Arbeit. Und dem Leben. Mir fehlte die Zeit, mich diskriminiert zu fühlen oder fühlen zu wollen. Oder dafür zuzulassen, mich von anderen diskriminieren zu lassen.

Es ist gut, dass es Regelungen zu Gleichstellung und Gleichberechtigung gibt, die nach und nach rechtlich geschaffen wurden. Sie sind – leider – nötig gewesen und auch noch immer nötig und werden es wohl auch bleiben. Dass es Unternehmen im o.g. Fall gab, die Schadensersatz zahlten, lässt (unabhängig von der strafrechtlichen Relevanz des Verhaltens der beiden Brüder) durchaus auch Interpretationen zu, ob und welche Diskriminierungsgedanken man in den absagenden Unternehmen gehegt haben könnten, als sie die Bewerbungen ablehnten.

Missbrauch mit Ungleichbehandlung aber ist auf beiden Seiten der Medaille möglich in vielen Varianten. Ein schlampig oder schlecht oder wenig arbeitender Mitarbeiter wird gegenüber tüchtigeren Mitarbeitern nicht diskriminiert, wenn sein Verhalten beanstandet oder ein anderer befördert wird, weil er Ausländer, Frau oder zu dick oder Betriebsratsmitglied oder gläubiger Druide ist, sondern weil er zu faul ist oder fehlerhaft arbeitet.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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