Bewährungsstrafe für Behandlungsfehler mit Todesfolge nach Leber-Operation

Needle's Eyes of Science © Liz Collet

Needle’s Eyes of Science © Liz Collet

Für einen Behandlungsfehler, der nach einer Leber-Operation zum Tod einer 67-jährigen Patientin führte, ist ein Facharzt zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt worden.

Der 50-Jährige, der kein Experte für Leberchirurgie war, hat nach Auffassung des Amtsgerichts Norderstedt in Selbstüberschätzung verhängnisvolle Fehler begangen. Daher habe er sich im Juni 2011 der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht. Der Mediziner, der inzwischen als Chefarzt an einer Klinik in Brandenburg arbeitet, muss 8.000 Euro an ein Kinderhospiz zahlen. Das Gericht folgte mit seinem Strafmaß der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert.

Der Richter erklärte dazu, der Angeklagte habe geglaubt, er tue etwas Gutes, das Gegenteil sei jedoch der  Fall gewesen. Damit haber er den Tod eines Menschen und Unrecht auf sich geladen. Der Richter rügte außerdem, dass der Arzt im Verfahren die Verantwortlichkeit von sich weg- und anderen zuschob. Er sei jedoch für die Operation sowie das Ärzteteam verantwortlich.

Der Arzt, der heute 50 Jahre alt ist, hatte vor dem Eingriff auf eine genaue Diagnostik durch eine Computer-Tomographie verzichtet. Dann brach er die mehrstündige Operation trotz mangelnder leberchirurgischer Fähigkeiten nicht ab.

Zum Prozessauftakt hatte der Arzt sein Fehlverhalten eingeräumt. Um während der Operation eine Blutung zu stillen, habe er während des Eingriffs zwei Adern zugenäht. Das habe zu einem Blutstau in der Leber geführt. Die Patientin musste aus einer Klinik im Süden Schleswig-Holsteins ins Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) notverlegt werden und starb am späten Abend desselben Tags. Auf der Grundlage zweier Gutachten warf  die Anklage inzwischen als Chefarzt in anderen Klinik in Brandenburg tätigem Mediziner einen Behandlungsfehler mit diesem Handeln vor.  Bei kunstgerechtem Vorgehen wären die Blutungen beherrschbar gewesen, und die Frau wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch am Leben, hiess es Berichten zufolge in der  Anklageschrift.

Die Frau war mit plötzlichen starken Schmerzen im Oberbauch eingeliefert worden. Der Arzt ging von einem Notfall  aus und sah eine Verlegung der Patientin für eine Computer-Tomographie nach eigenen Angaben nicht als möglich an, weil sie während des Transports hätte verbluten können.

Bei den beiden erwachsenen Kinder der Toten entschuldigte sich der Angeklagte erst im Gerichtssaal. Beide waren in dem Verfahren als Nebenkläger aufgetreten. Der verurteilte Arzt war nach dem Vorfall sofort suspendiert worden. Er erhielt danach eine Abfindung und ist in Brandenburg als Chefarzt tätig.

Quelle: RBB HIER

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Über Liz Collet

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