Blattlt {Die kleine Rundschau durch die Medien}

Press Review © Liz Collet

Press Review © Liz Collet

Schon geblättert heute und dieser Tage?

Nur ein paar Themen des Tages und dieser Tage.

Beim Blattln ins Auge gefallen. Buchstäblich, manchem. Und davon gleich mehr.

1.

Adam Riese und die Überraschungen des Mindestlohns

„Eigentlich soll er Arbeitnehmer vor Ausbeutung schützen. Doch der Mindestlohn hat einige unerfreuliche Konsequenzen. Eine neue Studie zeigt, dass er stark an der Preisschraube dreht. Einige Dienstleistungen sind rasant schnell teurer geworden.“

Ach, gugg! Das überrascht den Focus offenbar.

Dabei ist das doch gerade das Dilemma und eine der Ursachen für schlechtes Lohnniveau: der Preiskampf mit der Schraube der Preise nach unten als Mittel des Wettbewerbs zu Lasten der Warenqualität und zu Lasten des Lohnniveaus und anderer Arbeitsbedingungen. Endlos lang war bereits vor dem Inkrafttreten des Gesetzes zum Mindestlohn über seine Folgen palavert worden, dass dieser Preiserhöhungen für Verbraucher zur Folge habe und ob dem Verbraucher dies im nicht zuletzt auch eigenen Interesse an der Stärkung der Kaufkraft durch bessere Entlohnung wert sein sollte. Die auch zur Folge haben sollte, dass Menschen von Vollzeitarbeit wieder leben können, ihre Miete zahlen und keine Aufstockleistungen durch Sozialstaat brauchen oder zwei bis vier Jobs, um dennoch grade so über die Runden zu kommen. Was genau also sind die (überraschenden?) „unerfreulichen Konsequenzen“? Der Geiz-ist-Geil-Konsument muss darüber nachdenken, ob er zum Dumpingpreis vielleicht nur noch halb so viele Male per anno zum Friseur gehen kann? Vielleicht wäre das sowenig die schlechtere Lösung, wie zwei Mal darüber nachzudenken, ob man ein Taxi nimmt oder öffentlichen Nahverkehr nutzt oder sich selbst mehr bewegt.

Adam Riese konnte bekanntlich nicht schlecht rechnen. Selbst Milchmädchen kommen um mathematische Gleichungen nicht herum, dass das auch teurer verkauft wird, was im Einkauf mehr kostet. Auch bei Dienstleistungen und Arbeitswert beim Lohn.

2.

Ins Auge gefallen

Ein Politiker der Grünen hat im Wahlkampf und -sieg (der anderen, natürlich) „nur Titten und Beine“ im Blick und in die Worte seiner Kritik gelegt. Erntet einen shitstorm, auf den er (wer nicht?) auch gut und gern verzichten hätte können. (Hätte er, wenn er Hirn vor Fingern in Bewegung gesetzt hätte – doch sind diejenigen, die im shitstorm ihrerseits jedes Maß verlieren keineswegs besser, auch wenn sie sich nur zu gern dafür halten). Und er glaubt (offenbar ernsthaft?) mit der lauwarmen Entschuldigung, andere Ausdrucksweise als „Titten und Beine“ hätte es besser gemacht, was seine spontanen Worte mehr über seine eigene Blickrichtung und Denkweise decouvrierten, als er nach wie vor zu merken scheint. Klar kann man sich auch als Frau fremdschämen für den in einem Wahlkampf vielleicht  eher wenig originell, weniger witzig, eher nichtssagend, als aussagekräftig anmutenden Fotoauftritt von „3 Engel  für Christian“ oder wen auch immer. Man kann so einen Fotoauftritt justament in Wahlkampfwochen ignorieren, ebenso wie die peinliche und inhaltsfreie Selbstdarstellung als „bekannteste Oppositionspolitikerin in Hamburg“ (wofür und wodurch denn wirklich bekannt?) den Kopf schütteln über den Versuch, damit Aufmerksamkeit, wenn schon nicht Stimmen fangen zu wollen mit Inhalten – oder sich schlicht genau damit auseinandersetzen: Mit Inhalten des Wahlprogramms und ihrem Fehlen. DAS wäre souverän und gekonnte Wahlkampfkritik. Alles andere ist schlechter Stil schlechter Verlierer. Im Übrigen: Wer hübsche Beine hat, kann sie auch zeigen. Jedenfalls so lange es stilvoll geschieht. Und gerät er damit ins Blickfeld von Kameras sagt das mal über Kameras und die (wo auch immer grade tüüüüüüf) Hinblickenden und ihre Köpfe und dortigen Inhalte oder fehlenden Inhalte manchmal mehr als über die Beine und die Intelligenz derer, die auf ihnen stehen oder sie sitzend hübsch übereinander schlagen. Manches über Humor und Satire. Mehr noch aber lässt vieles davon tief blicken über Medien und Meinungen anderer Politiker, die das für das eigentliche Thema halten. Immerhin selbstkritisch genug wenigstens anderntags im Ansatz anreissend, wie Selbstdarstellung und Posen generell Macht spielend gewinnen wollen, Machtspiele sind und sein können, Macht ausüben wollen. Anstatt Meinung zu bilden und mit Inhalten überzeugen sollte bei Meinungsbildung. Für blossen Stimmenfang. Der – quer durch Parteien wie im Alltag überall – oft genug leider nicht mehr ist als Stimmenfang. Mit eyecatches oder Augenaufschlägen, mit Image und Posen und Posieren für images in Pixeln.

3.

Nicht jedem scheint das Licht richtig aufzugehen

Nicht mal dann, wenn er als „Physiker, Biologe, und habilitierter Wissenschaftshistoriker“ mehr als 50 Bücher geschrieben habe von Atomphysik bis zur Hirnforschung.

Man fragt sich, welche andere Bildung das sein mag, die man nicht versteht bei einem Autor, der mit „Die andere Bildung“  eine Auflage von mehr als 100.000 erreicht hat, wenn dieser hier ernsthaft titelnd behauptet „Wegen Heisenbergs Heuschnupfen gibt es heute die Glühbirne“.. Die Glühbirne wurde erfunden, bevor Heisenberg wegen Heuschnupfens 1925 nach Helgoland ging. Nämlich noch im Jahrhundert zuvor. Wer in Geschichte und Physik und Allgemeinbildung bisschen aufgepasst hat, kennt Tomas A. Edison und wer das nicht getan hat, kann für die schlichte Chronologie der Erfindung der Glühbirne wahlweise in Lexika, Registern von Patentanmeldungen und Wikipedia nachschlagen. Nein, die Glühbirne gab es bereits Jahrzehnte vor der Anreise heuschnupfengeplagter Helgolandreisender. Titel wie diese sind Etikettenschwindel, der vielleicht manchen Medien nicht, wohl aber Wissenschaftlern fremd sein sollte. Die was auf sich als „Physiker, Biologen und habilitierte Wissenschaftshistoriker“ halten. Und nicht den Leser für dumm genug, um sich erst im Laufe des Textes dann wieder an Fakten geführt zu finden, dass nämlich die Glühbirne entgegen dem irreführenden Titel doch ohne Heisenberg erfunden wurde. Lange vor diesem. Aufmerksamkeitsheische wie diese ist Bauernfängerei auf Marktschreierlevel. Für Wissenschaftler und ihre Beiträge eigentlich ……..unwürdig. Aber in Zeiten von Lügenpresse scheint mancher sich keines Mittels zu schade, um Leser für den Beitrag zu erreichen.

4.

Blind gegen Diskriminierung im Alltag – die bundesweit geltenden Satzungen der Thermen

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, ob Blinde alleine ins Schwimmbad gehen dürfen? Mit der Frage schwerwiegender Beeinträchtigungen der Sehkraft habe ich mich zwar aus mancherlei Gründen schon sehr früh gedanklich und auch praktisch beschäftigt. Und nicht nur und erst, seit ich bei einer besonders lieben Freundin zu Studienzeiten nah miterlebte, wie ihr Alltag unter einer seit kurz vor ihrem Abitur aufgetretenen und sich während des Studiums sich verschlimmernden Augenerkrankung aussah. Der ihre Sehkraft auf rund 10% Sehvermögen der Augen reduziert hatte. Dass und was sie sich dadurch nicht im Alltag und überhaupt nehmen liess, würde zu weit führen, aber dass sie Uni-Schwimmbad mit mir gern nutzte gehört dazu. Klar machte ich mir manchmal Gedanken, ob es für sie dort riskant sein konnte, auf feuchtem Boden der Halle, den sie vielleicht übersah, usw. Aber dass es neben erhöhter Vorsicht wie im Strassenverkehr etwa Gründe geben könnte, ein Schwimmbad nicht benutzen zu dürfen – auf diese Idee wäre ich bis heute nicht gekommen. Im schwäbischen Neusäß ist um diese Frage ein heftiger Streit entbrannt, seit die Titania-Therme  einer blinden Frau ohne Begleitung an der Kasse den Zutritt verweigerte. Warum diese nun dagegen klagen will und den Rest der Geschichte dazu lesen Sie bitte HIER. Verantwortung für Benutzer (sicher auch aus haftungsrechtlicher Sicht) ist nicht schlecht. Aber die könnte man sicher besser wahrnehmen. Wer kurzsichtig ist und denkt, findet Ausreden, andere suchen Lösungen. Man könnte bessere finden, als den Ausschluss von Seh- und anderen Behinderten von der Nutzung von Thermen. Egal ob in privater oder kommunaler Trägerschaft. Inklusion ist bekanntlich, wenn alle mitmachen dürfen.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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