Züntiger Zoff an der Zapfsäule : Rauferei unter Rentnern

Notruf © Liz Collet

Notruf © Liz Collet

So im Allgemeinen geht es in Pullach gediegen zu, man hält auf sich und manch einer hält sich auch für a bisserl was Besseres, weil es eine recht noble Adresse ist.

Es hat dort auch eine recht schöne Schule entlang der Wolfratshauser Strasse, die beliebt für TV-Produktionen nicht nur in Freitagskrimis war und ist.

Und für einige Jahre war sie – jedenfalls in den Wochen schulbusfreier Tage, der normalerweise morgens um 7 abfahrend und nachmittags gegen 17 Uhr wieder ankommend den Schulweg zwischen Schwabinger Kurfürstenplatz, nahe der Kanzlei, und Schule überbrückte – tägliches Autofahrtziel, um dbmS dort abzusetzen und wieder abzuholen.

Was ich durchaus sehr gern tat, nicht nur weil es morgens wie abends einen kleinen Schlenker in den Ort für die bei der Gelegenheit möglichen Einkäufe ermöglichte und gemeinsam mit dem kleineren von uns beiden Kindsköpfchen vergnüglicher Teil des Tages war. Zu zwei besonders guten Bäckern, einem feinen Fischgeschäft und ein paar anderen kleinen Geheimtipps, für die mein Schnuppernäschen rund um gute Quellen einen gewissen Ruf geniesst. 

Freitags erlaubten mittäglich bereits schliessende Kanzlei und bereits mittags mögliche Abholzeiten in der dortigen Grundschule wie im Gymnasium, die Zeit auch für ausgiebigere Touren in und rund um Pullach und noch ein Stückerl weiter raus Richtung Süden, bei denen Mutter und Sohn die Woche mit Besuchen der Burg in Grünwald oder bei Frischluft am Isarhochufer oder mit Spurt nach Schäftlarn oder dem Suchen von Treibholz an der Isar, mit Würstlgrillen am Isarufer und vielem anderen ausklingen und so aufgetankt und mit Schmankerlzutaten im Korb auf dem Rücksitz das Wochenende einläuten konnten. Das sich zuhause dann meist mit Küchenquatsch und Quatschen in der Küche fortsetzte, bis der Herr der Hauses ebenfalls nach Hause strömte, wo ihn bereits Aromen der Zutaten entgegenströmten. Und die Familie mit Muße und Genuss auftankte. Für neue Woche und nach dem Wochenende.

Eigentlich also ist Pullach ein friedlicher Ort, mit dem ich vor allem eine sehr gute Schule, schöne und erholsame Landschaft am Isarhochufer und rundherum und Ruhe zwischen den Stürmen der Arbeitszeiten verbinde. Und einem dort lebenden Publikum, von denen sich vielleicht ein paar mehr als nötig sich für ein bisserl nobler als andere und einiges auf sich halten. Das drückt sich im Allgemeinen aber eher in Miet-, Immobilien- und in manchen Läden auch in den dortigen Einkaufspreisen aus (zum Glück nicht in guten Backstuben), als in verbalen Streitigkeiten, für die man sich zu fein ist. Oder als zu fein gibt.

Es gibt daher Meldungen, die entzückend heitere Lachfalten in die Augenwinkel zaubern und das Herz sehnsüchtig kitzeln, dass es nicht im Moment des Geschehens in Pullach war und an jener Tankstelle, deren Zapfsäule zum Zankapfel zwischen zwei Herren geriet. Die züntig in Streit und Rauferei gerieten, dass sie schier die Polizei rufen mussten. Kontrahenten im Ring, pardon: an der Zapfsäule ein 66-Jähriger aus München und ein 67-jähriger Pullacher.

Gegen 18.30 Uhr wollten sie an einer Tankstelle an jener eingangs erwähnten Wolfratshauser Straße tanken. Erst waren alle Zapfsäulen besetzt und die Herren warteten in ihren Autos, jeweils auf der einen bzw anderen Seite der Zapfsäule. Als sie schließlich frei war, setzte der Münchner zurück und dazu an, sein Auto tankbereit in Pole Position zu bringen. Den Plan jedoch durchkreuzte der Pullacher, der einfach nur vorwärts zum Zapfhahn rollte und dadurch Zeit genug hatte, um dem Rivalen aus München sein Recht als Platzhirsch an der Zapfsäule akkustisch zu vermitteln. Der Münchner war nicht feig und flink genug, um zum Wagen des Pullachers zu sausen und eindrucksvoll wie wütend genug sein Faustrecht durch Schläge gegen die Seitenscheibe zum Ausdruck zu bringen. Dessen Besitzer war nicht weniger züntig, stieg aus und packte den Münchner am Schlafittchen und in diesem Fall am Kragen. Weil der Münchner sich das wenig überraschend nicht gefallen liess und seine Befreiung aus dem Griff an den Kragen anstrebte, trat er gegen den Pullacher. Und traf diesen etwas unglücklich in den therapeutischen Spiel- und Strafraum urologischer Zuständigkeiten. Solchermassen in den Genitalien getroffen, holte der Pullacher unter Schmerzen und entsprechend erhöhtem Zorn aus und verpasste dem Münchner einen Faustschlag ins Gesicht. Der Münchner, der noch eine dicke  Lippe riskiert hatte, hatte sich diese mit diesem Hieb eingefangen. Man kann nun vermuten, ob beide ahnten, dass das noch übler ausgehen und dennoch nicht ohne Schiedsrichter für einen von ihnen beiden bei scheinbar etwa gleicher Stärke und drohendem Unentschieden bis zur Erschöpfung geraten würde. Und daher besser nicht fortgesetzt werden sollte, ohne einen, der den Kampf entscheiden musste. Jedenfalls aber riefen beide dann gleichzeitig die Polizei hinzu. (Wie, ist leider der Meldung nicht zu entnehmen, ich tippe aber auf Rentnerhandy, auf dessen grössere Tasten beide in konkurrierender Geschwindigkeit den Notruf und seine Nummer tippend absetzten)
Die Kavallerie ritt ein und versuchte zu schlichten. Die beiden rentitenten Rentner-Tankritter behielten sich gegenüber den Sekundanten, äh…. den Freunden und Helfern das Recht vor, Anzeige gegen den jeweils anderen zu stellen. Erst wenn einer Anzeige wegen Körperverletzung stellt, wolle der andere auch Anzeige erstatten.
Ob noch einer tankte, ………ist nicht überliefert.

( Ich wäre ja so gern dabei gewesen)

Tanken Sie genussvoll und gemütlich mit dem Ausklingen der Woche und beim Einklingenlassen des Wochenendes auf – was immer Sie tun.

Ein heiteres Wochenende für Sie!

PS: Noch eine andere heitere Geschichte aus dem Kapitel „Jagdszenen aus Oberbayern sui generis“ habe ich etwas später noch für Sie.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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