„Ich stech‘ Dich ab!“ {Kann man als Ausdruck fehlender Bereitschaft weiterer friedlicher Koexistenz deuten, oder?}

Verteidigungsstratege © Liz Collet

Verteidigungsstratege © Liz Collet

Also, dass wir uns recht verstehen – man kann, ja muss das recht klar verstehen, ohne viel herumdeuten zu müssen. Wenn solche Worte fallen und fallengelassen werden.

Und wem wäre zu verdenken, dass der so Angesprochene wenig weiteres Vergnügen darin sähe, demjenigen, der ihm ein solches Schicksal ankündigt, je erneut zu begegnen.

Wenn Sie die Szene braincineastisch jetzt im mehr oder weniger eh kriminellen Umfeld assoziierten, muss ich Sie mehr überraschen, als (vermutlich) enttäuschen, denn solche Szenen sind selten genug und daher einiger Überlegungen wert, wer was zu wem wirklich gesagt haben soll oder wer was wem aus welchen anderen Gründen vielleicht nur unterstellt haben könnte. Wir sind Aussenstehende und da keiner von uns dabei war, ist theoretisch alles denkbar. Bis zum Beweis. Vor allem bis zum Beweis des Gegenteils. 

Das Ganze spielte sich zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ab.

(Überrascht, gell?)

Hintergrund der Androhung sollen frühere Konflikte der beiden anlässlich einer Personalratswahl

(Überrascht Sie diese zweite Überraschung jetzt mehr oder weniger als die erste?)

gewesen sein.

Ein Schelm, wer darin unversehens Potentiale erkennt, als Arbeitgeber anderenfalls un- oder schwer kündbare Mitarbeiter (Betriebsratsmitglieder? Mutterschutz-Geniesserinnen? …spielen Sie den Gedanken zu Ende und weiter) fristlos kündigend loswerden zu können. Ein Schelm nur, wirklich nur ein Schelm.

Die Ankündigung der endgültigen Beendigung der Konflikte mit den im Titel genannten Worten kann man – sind wir uns da einig? – nicht völlig fernliegend nicht nur als Ausdruck fehlender weiterer friedlicher Koexistenz, sondern mindestens fehlender gedeihlicher wie genereller Kooperation auslegen.

Das tat auch der Arbeitgeber angesichts der (behaupteten) Worte des Arbeitehmers. Und zwar zügig. Und aus seiner Sicht und sofern solche Drohung wahr.lich erfolgt war, zu Recht zügig, bevor Worten Taten folgen würden –  und dies als nicht mehr wirklich gewollte Zusammenarbeit interpretierend,  quittierte er die Morddrohung mit einer fristlosen Kündigung des Mitarbeiters.

Nun könnte man glauben, solch ein Verhalten und Androhung wäre Grund genug, ein Beschäftigungsverhältnis zackig, also fristlos beenden zu können, weil es unzumutbar erscheinen sollte, dem so Tatentschlossenem nicht nur weiter Zugang zum Betrieb und damit bequem Tatortpotentiale zu bieten und währenddessen auch noch Lohn weiter entrichten zu müssen. (Das wäre ja, als würde man den eigenen Killer über den Gehaltscheck selbst auch noch quasi  alimentieren).

Trotzdem ist die fristlose Kündigung nun Gegenstand eines Rechtsstreits und Verhandlungstermins beim Arbeitsgericht Düsseldorf, das heute über die dazu anberaumte Kammerverhandlung vor dem Arbeitsgericht Düsseldorf am 26.03.2015 um 12.00 Uhr in Saal 007 informierte. Denn darüber, dass die Morddrohung ausgesprochen worden sei, besteht Streit.

Darüber kann man im Nachhinein leichter streiten, wenn solche Worte am Telefon fielen, als unter Zeugen und vor Publikum. Und just darum geht es im konkreten Fall. Der gekündigte Mitarbeiter bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und behauptet, nicht der (angebliche) Anrufer gewesen zu sein. Eine gütliche Einigung im heutigen Gütetermin scheiterte, weil der Kläger eine einvernehmliche Beendigung seines Arbeitsverhältnisses ablehnte. Er stellt sich offenbar eine andere Lösung vor. Eine durch das Gericht. Nehmen wir an. Hoffen wir. Ernsthaft. In dubio pro ……… nur Karikaturisten galoppiert der spitze Kritzelstift schier in Windeseile davon, welche andere Lösung des Problems ein Arbeitnehmer (insgeheim) im Sinn haben kann, der nach angeblichen geschilderten Worten an der weiteren Tätigkeit bei solchem Arbeitgeber festhält. Wäre da nicht – bei solchen gegen ihn erhobenen Behauptungen angeblicher Morddrohungen gegen den Arbeitgeber – seinerseits Anlass für Kündigung u.a.m. gegeben?

Wie uns die Pressemeldung des Gerichts wissen lässt, habe es deutlich gemacht, dass formelle Fehler der Kündigung derzeit für das Arbeitsgericht Düsseldorf nicht erkennbar seien. So dass es entscheidend darauf ankomme, ob sich die Darstellung der Arbeitgeberseite, es habe ein Telefonat mit dem behaupteten Inhalt stattgefunden und der Kläger sei der Anrufer gewesen, beweisen lasse.

Wir erlauben uns an dieser Stelle einen kleinen gedanklichen Blick auf die Bühne: Wie sitzen sich die Kontrahenten solcher mörderischen Drohungen und Behauptungen solcher eigentlich im Sitzungssaal einander gegenüber? Der eine (innerlich) ängstlich ob der behauptet ernst zu nehmenden Drohungen? Der andere harmlos dreinguggend oder gar bisschen frech grinsend bei der Idee, dass sein Arbeitgeber die Drohung in den Knochen sitzen mag? Ernst genug immerhin, für die Kündigung? Nicht nur Drehbuchautoren und Regie wüssten fiese Mienenspiele in solche Szenen zu zeichnen, die aus Arbeitsgerichtsterminen Psychothriller werden lassen. Bei denen Sie dann abends vor dem TV die Chips knabbern – im realen Leben aber ist derlei eher wenig komisch für Betroffene. Ehrlich Betroffene. Erst recht, wenn sie nicht beweisen könnten, was wahr.haft geschehen sein soll.

Für den Kammertermin hat das Gericht vorsorglich den Vorgesetzten des Klägers als Zeugen geladen.

Wir sind flitzebogengleich gespannt, was dieser als Zeuge zum Geschehen beitragen kann und wird: Hat er mitgehört beim Telefonat? Stand er neben dem Arbeitgeber? Lautsprecher des Telefons on oder off? Wir wüssten wahnsinnig gern, wie der Sachvortrag für den Beweisantritt schriftsätzlich lauten mochte, der ohne dem Einwand des Ausforschungsbeweises zu unterliegen, streitgegenständlich und entscheidungserheblich Tatsachenvortrag liefert, der bei der Zeugenvernehmung bestätigt werden müsste und zudem prozessual verwertbar sein muss. Und der dennoch Wahrnehmungen des Zeugen bestätigten müsste, die für den Kläger so überraschend wären, dass er noch im Gütetermin keinen Grund sah, das Arbeitsverhältnis einvernehmlich zu beenden.

Vielleicht erfahren wir es nach dem Kammertermin.

Wenn es dann noch in der Zuständigkeit desselben Rechtsweges ist. Dem der Arbeitsgerichtsbarkeit. Wir bleiben in dem Punkt optimistisch. Aber – entre nous – was würden Sie Ihrem Mandanten (auf Arbeitgeberseite) in solch einem Fall raten, bei dem Sie die Morddrohung ernst genug nehmen, um eine fristlose Kündigung darauf zu stützen und prozessual als begründet zu verteidigen? Polizeischutz? Matula? Wilsberg? Mal im Ernst!?

Arbeitsgericht Düsseldorf, 7 Ca 415/15
Quelle: PM NRW-Justiz 23.2.2015

Advertisements

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
Dieser Beitrag wurde unter Arbeitsrecht, Terminhinweise abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu „Ich stech‘ Dich ab!“ {Kann man als Ausdruck fehlender Bereitschaft weiterer friedlicher Koexistenz deuten, oder?}

  1. Pingback: Mörderisch komplizierte Arbeitsgerichtsfragen | Jus@Publicum

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s