Was kommt bei Ihnen heute auf den Tisch, frisch wie ein Fisch aus dem Fischwasser?

Was isses ? © Liz Collet

Was isses ? © Liz Collet

Ich frage nicht so ohne Hintersinn.

Vor allem, wenn es um Fisch geht. Und um den geht es heute. Beim Verwaltungsgericht. Und um eine meiner Fisch- und Schmankerlquellen.

Die es mit der wasserrechtliche Erlaubnis für ein neues Rechenzentrum in Unterschleißheim zu tun hat. 

Und nun fragen Sie: Was hat das mit Ihnen als Verbraucher zu tun?

Nun, also mit mir und den Fischlein, die ich liebend gern auf meinem Grill, in der Pfanne, im Topf und auf dem Teller habe, eine ganze Menge. Vielleicht nicht mehr ganz so oft, seit ich Isar- gegen Staffelseemetropole vor rund zweieinhalb Jahren tauschte und infolge Verzichts auf einen eigenen Pkw seit rund 10 Jahren nur noch im Bedarfsfall auf Mietautos zurückgreife. Das reduziert alltäglichen Einkauf ganz von selbst auf regionale Quellen der Schmankerl und damit auf die Region im Blauen Land – und eben das Werdenfelser, Ammergauer und Fünf-Seen-Land und Pfaffenwinkel, die je nach Terminen und im Einzelfall Gelegenheit dazu bieten. Aber warum sollte mich weniger stören, nur weil ich jetzt mehr hier als dort mit dem Marktkörberl unterwegs bin. Denn was heute dort geschieht, betrifft Sie und mich morgen ebenso bei den weiteren und noch vorhandenen Quellen. Bei denen es u.a. um Fische, Fischzucht und Gewässer geht. Und Wasserschutz.

Es ist also nicht nur die Tatsache, dass ich in den 21 Jahren  zuvor in meiner Isarmetropole recht regelmässig, seither nach wie vor hin und wieder in Eching meine frischen und frisch geräucherten Fischerl geangelt habe. Abgesehen davon ist manches auch eine grundsätzliche Frage:

Sich nicht nur darüber aufzuregen, ob und dass Kunden Thunfisch aus der Konserve noch kaufen und gar essen oder anderen Fisch, den man – böser böser Kunde! schlimmer Discounter und Supermarkt – noch über den Ladentisch schiebt und in den Einkaufskorb und ’s Goscherl. Sondern sich dann bitteschön auch dafür zu interessieren, wo unsere Lebensmittel herkommen und unter welchen Voraussetzungen sie vorher leben und gezüchtet werden oder hergestellt. Und dass einem eben dann auch nicht so gleichgültig ist, wenn Betriebe, deren Lebensmittel man aus gutem Grund schätzt, in ihrem Bestand und mit ihrem Bestand gefährdet oder beeinträchtigt werden. Und damit auch die Quelle derjenigen Lebensmittel, die man sehr gern auf dem Teller hat und für die man auch gern mal ein bisserl weiter gefahren ist.

Was für die einen ein schwedischer Möbelhändler in Eching bei München ist, das ist für mich eine Fischzucht am Rande Echings: Regelmässiger Anlaufpunkt. Seit wir ihn bei den Badeausflügen während meiner Backfischjahre auf dem Weg zum Heimhauser Weiher, einem zu der Zeit von Badegästen noch völlig unentdecktem Fischweiher, entdeckt hatten.

Ein Fischweiher, eingesäumt von Feldern zur einen, Wald und hohen alten Bäumen entlang der Amper zur anderen Seite, nur ein Steg, sonst nichts. Vor allem keine Menschen. Paradies pur, an dem wir Sonntage mit meinen Eltern verbrachten, picknickten und gern auch grillten, natürlich ohne Müll zurückzulassen. Man hinterlässt Natur so, wie man sie vorfindet. Manchmal grillten wir auch Forellen, die wir auf dem Weg dorthin in der Fischzucht in Eching frisch „fingen“, bei der man sie frisch aus dem Fischbecken bekam. Oder auch geräuchert über Buchenrauch. Und bis heute jeden Donnerstag ab 16.00 Uhr sogar warm aus dem Räucherofen. Und wo man mit viel Engagement für gute Qualität sorgt. Beim Wasser für die Fische. Bei den Fischen damit auch.

Die Fischzucht blieb auch danach Anlaufpunkt als Schmankerlquelle  während der Studienzeit in Regensburg. Und während der Referendarzeit, wenn ich bei einem der vielen Tage meiner Station am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof frühmorgens um 7 Uhr nach München pendelte und abends wieder zurück und von der Autobahn einen kleinen Schlenker bei der Ausfahrt nahm. Und mich freute, wenn ich es nach den Sitzungen beim BayVGH noch zeitlich schaffen konnte, kurz vor Ladenschluss beim Forellenhof am Forellenbach in Eching reinzuspringen und mir noch ein paar frische Forellen für Mann und Maus in Regensburg mitzunehmen, die dann zum Abendessen und ein paar für den TK-Schrank bestimmt waren.

Und natürlich war und blieb der Hofladen am Forellenbach erst recht Fischquelle nach unserem Umzug von Regensburg in die Isarmetropole. Qualität ist der beste Faktor für Schmankerlliebhaber. Und aus dort geangelten Forellen & Lachsforellen, Saiblingen, Karpfen & Waller, die man nach Saison bekommt, sind nicht wenige auch dieser  oder jener und auch solcher wie auch dieser (nicht nur beim Hersteller von Suppen und ihren Würzen zu findenden) und vieler anderer meiner Rezepte entstanden, die seit Jahren nicht nur den Gaumen von Familie und Freunden freuen, sondern weit über die Region hinaus anderen Geniessern munden.

Wer sich dann als Kunde und Verbraucher nicht dafür interessiert, dass und was heute am Verwaltungsgericht München verhandelt wird, wenn es um „sein Ende der Nahrungskette“ und das geht, was ihn mit betrifft, darf sich nicht wundern und beklagen, wenn er immer weniger gute Lebensmittelquellen kennt und zur Verfügung hat, um Besseres auf den Tisch zu bekommen, als er bejammert.

Ich gebe also gern zu: Auch wenn ich natürlich mehr als nur die eine Fischquelle rund um München und auch hier in der Region kenne ( ich bin da bekanntlich grossväterlicherseits frühkonditioniert worden, mich immer nach solchen umzusehen, die nicht nur zwischen Kühltheke und Kasse von Lebensmittelläden und etwas abseits der Wege und Trampelpfade der Massekunden liegen )  die heutige Verhandlung zwickt mich als Kundin persönlich mit.

Wenn am VG München über Wasserrecht und eine sog. beschränkte Erlaubnis für die Benutzung des Grundwassers verhandelt wird. Und der Kläger und Betreiber einer Fischzucht in Eching im Landkreis Freising sich gegen mit seiner Klage gegen den Freistaat Bayern gegen  die vom Landratsamt München der Beigeladenen erteilte wasserrechtliche Erlaubnis zur Entnahme und Wiedereinleitung von Grundwasser wendet. Mit dem Grundwasser sollen Kühlanlagen in einem neuen Rechenzentrum in Unterschleißheim betrieben werden.

  • Das erwärmte Grundwasser gefährdet aus Sicht des Klägers die Existenz seines Betriebs, denn nach dem Kühlen der Rechner wird das erwärmte Wasser wieder in die Erde zurückgeführt. Es kommt dann erwärmt in der Forellenzucht an.
  • Damit sieht der Fischzüchter seine wirtschaftliche Existenz gefährdet, weil gerade die Fischeier besonders empfindlich auf Temperaturschwankungen reagieren würden.
  • So können schon bei einer Erwärmung des Fischwassers um zwei Grad  Krankheiten öfter auftreten oder die Fische das Futter schlechter aufnehmen.

Wissen Sie, welche Voraussetzungen Fischzüchter ihrerseits selbst gewährleisten müssen für Fischzucht? Für Gewässer, Gewässerreinheit und -temperaturen und Zucht? Vermutlich eher nicht, weil Sie das gar nicht erfahren und auch nicht wahrnehmen oder hinterfragen und wissen wollen, wenn Sie in der Tiefkühltruhe des Discounters oder Supermarktes heimische oder eher nicht heimische Fische und das, was Lebensmittelhandel daraus fabriziert in Stäbchen- oder anderer Form herausangeln.

Allenfalls werden Sie – Hand auf’s Herz: vielleicht, vielleicht aber nicht mal das – wahrnehmen, wenn medial mal wieder von Lysterien und Hysterien im Lebensmittelskandal der einen oder anderen Art und Produkt die Rede ist. Oder von Wildlachs und Zuchtlachs und deren jeweiliger Qualität und Preis und für die Zucht verwendeter Antibiotika und anderer skandalträchtiger Aspekte. Wie überhaupt eben gern unter dem Aspekt der Skandalisierbarkeit Themen gesucht und herausgesucht und berichtet werden.

Interessant dazu eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Recherche der Agentur Engel & Zimmermann, welche die Frage stellte, was die TV-„Aufregerthemen“ bei Lebensmitteln seien und zum Ergebnis kam:  Wenn es um kritische Beiträge geht, steht die Frage nach der Gesundheit von Produkten ganz oben an. Dem folgen Berichte über vermeintliche Verbrauchertäuschung, Missstände in der Tierhaltung sowie durch Keime oder „Umweltgifte“ belastete Lebensmittel.  Für das Jahr 2014 wertete Engel & Zimmermann insgesamt 316 Beiträge quer über alle Fernseh-Sender und -Formate in Deutschland aus – von „Abenteuer Leben“ auf Kabel 1 bis „ZDFzeit“, Wiederholungen nicht mitgezählt. Ihr Fazit für Nahrungsmittelindustrie und Lebensmittelhandel fassten sie zusammen: Zwar stünden Warenkunde und Qualitätschecks – und damit ein in der Regel sachlicher Fokus – mit 53 Beiträgen an erster Stelle der Berichterstattung. In der Gesamtheit dominieren jedoch die schlagzeilenträchtigen Themen: So folgt gleich auf dem zweiten Platz die Frage nach der Gesundheit von Lebensmitteln (30 Beiträge), die häufig mit der nachgeschobenen Warnung vor „krank machenden“ Lebensmitteln einher gingen. (Das und mehr dazu hier)

Es wäre daher durchaus mehr als interessant, nicht nur als Verbraucher hübsch über regionale Lebensmittel und Erzeuger als Salonrevoluzzer der gern zur Schau getragenen Foodethik zu palavern, sondern auch sich nach solchen und bei solchen selbst umzusehen. Wo diese sind. Wie diese Lebensmittel herstellen, erzeugen und züchten. Welchen Rahmenbedingungen und auch rechtlichen eigenen Hürden diese begegnen und welche sie gewährleisten müssen, wie etwa Fischzüchter bei den Gewässern und Zuchtbedigungen der Fische. 

Während sie selbst Beeinträchtigungen durch Wassernutzung Dritter ausgesetzt werden, die Fischen weniger zuträglich sind und die Zuchtbedingungen und ihren Betrieb gefährden können und damit Einfluss haben auf die Qualität der Lebensmittel, die wir als Verbraucher geniessen wollen. 

Trotzdem hat das Landratsamt München dem Rechenzentrum die wasserrechtliche Genehmigung für die Entnahme und Wiedereinleitung von Grundwasser erteilt. Dagegen klagt der Fischzuchtbetrieb jetzt vor dem Münchner Verwaltungsgericht.

In dem geplanten Rechenzentrum sollen Unternehmen  auf einer Fläche von mehr als 18.000 Quadratmetern zum Beispiel Datenkapazitäten mieten können. Die Firma dahinter betreibt bereits sechs Rechenzentren in Deutschland, unter anderem eines in München.

Verhandelt wird am heutigen 24.02.2015 um 11:00 Uhr, Saal 4 im VG München, Bayerstrasse 30 in München.

Wenn’s grad a bisserl Zeit haben, schauen ’s doch dort mal vorbei. Die Sitzung ist wie die meisten beim VG München öffentlich.

 PS: Sie dürfen gern raten, was für ein Fischerl Sie im Bilde sehen.

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Über Liz Collet

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