Eine Brille „für“ Gefühle?

Durchblick © Liz Collet

Durchblick © Liz Collet

So wird sie angekündigt. Was suggeriert, sie könne solche wecken, bewirken, auslösen. Und insofern ist die Bezeichnung irreführend. 

In Wahrheit ist es eine Brille, welche ermöglichen soll, nicht eigene Gefühle zu haben oder zu bekommen, sondern Gefühle anderer zu deuten, zu interpretieren, zuzuordnen. Für Autisten (vielleicht) eine interessante, wenn hilfreiche Möglichkeit, die Gefühle anderer zu interpretieren.

Sehr schnell aber ist man damit beim Kern der Anwendungsmöglichkeiten, die Begehrlichkeiten weckt, sie als Instrument zu nutzen, um andere eben doch auch auszuforschen. Da, wo Menschen diese zur (vermeintlich besseren) Interpretation ihres Gegenübers glauben nutzen zu können, nutzbar machen zu können.

Da, wo nicht ein Mensch, sondern Technik den vor sich sitzenden oder stehenden Menschen interpretieren soll und könnte.

Datenschutz und Persönlichkeitsrechte seien gewahrt, weil das hier gezeigte Gerät zwar in kleinste Geräte implementierbar Gesichtsanalysen in Echtzeit zulasse. Aber so, dass der Datenschutz der ausgelesenen Personen „absolut gewahrt bleibt“?

Weil die Bilder nicht als Foto, als Video gespeichert würden? Weil kein Name bekannt wäre zu derjenigen Person, die man so in ihrem Gesicht „ausliest“?

Wie naiv ist eine solche Interpretation?

Schon allein das Auslesen einer Person anhand ihres Gesichts, erst recht ggf. ohne ihr Wissen, die Zuordnung ihrer Mimik zu von wem auch immer zutreffend oder nicht programmierten und schematisierten Gefühlskategorien ist selbst ohne Speicherung nicht ohne persönlichkeitsrechtliche Relevanz. Sie geschieht weder zweck.frei, noch ohne Wertung und Bewertung. Und ist als solche nur der erste Schritt zu weiteren Anwendungsbereichen biometrischer wie weiterer Erfassung und Auswertung.

Spielen Sie den Gedanken zu Ende, wie mit Mimik verknüpfte Emotionen als Anknüpfungstatsachen dienen könnten für Psychologen und Psychiater bei Begutachtungen, für Richter und Gerichte bei der Glaubwürdigkeitsbeurteilung, für Kontrollen an Flughäfen zur Terrorbekämpfung und manches mehr.

Dass es nur einiger kleiner weiterer Schalthebel bedarf, um mit der Gesichtsanalyse in Echtzeit auch Speicherung zu verbinden, muss kaum erläutert werden.

Und selbst wenn es „nur“ und „besonders für Marktforscher“ interessant wäre, um die Wirkung der Werbung zu erfassen: Als wäre es nicht genug damit, dass bereits jede digitale Spur im Internet via Algorithmen weitere Informationsfluten wie Informationszensur für Sie regelt und Duft- und Klangeberieselung in Märkten Sie und Ihr Einkaufsverhalten steuern soll, wird demnächst über Ihr Gesicht und Ihre Mimik allüberall ausgelesen, wie man Sie weiter manipulieren und be.werben kann?

Man müsste sich schon mit einer Burka für jeden Weg aus der eigenen Wohnung wappnen, um sich derlei erwehren zu können, wo und wie Big Brother als angeblich zu preisender Fortschritt allgegenwärtig installiert wird.

Datenschutzirrelevant?

Kleiner Tipp und damit Sie genug Weitsicht gewinnen und den Durchblick für den Fall der Fälle:  Falls Sie gerade mit einer solchen Brille in meine Richtung googeln, äh….guggen:

Isch runzle nicht nur die Stirne und auch nicht nur leicht. Damit aber dürfte es bei Ihren Möglichkeiten, in Gefühle hineinzuluren dann auch schon vorbei sein. Blitzschnell. Schneller als Sie googelguggen und gesichtsanalysieren können.

Sie blicken auf meine Nase? Bonne chance et à la bonheur: Blicken Sie ruhig genau auf die Nase. Während ich meine Nase zielsicher einsetzen werde. Die Nasen, die traditionell wunderbare Wehrmöglichkeiten boten. Sie hiessen nicht Gesichts-, sondern Wehr-, Guss- und Wurferker. Oder  Pechnasen. Und dienten der Abwehr und dem Schutz gegen unerwünschte Eindringlinge und unliebsamen Eindringens in „my home is my castle“. Was Ihnen und Ihrer mutmasslich nicht mit dafür probaten Scheibenwischern ausgestatteten Brillengläsern  geschehen kann, wenn Sie sich meiner Nasen und Guggerl zu sehr analysierend widmen, können Sie sich jetzt selbst ausmalen.

Ni X für U ngut.

Advertisements

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
Dieser Beitrag wurde unter Forschung und Wissenschaft, Handwerk und Handel, Kommentar, Münchner Spitzerln, Murnauer Spitzerl, News & Medien, Ni X für U ngut, Rechts und Links reingeblinzelt, Verbraucherschutz und Verbraucherrecht abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s