Möchtegern-Models und ihre Klagen über schönen Schein und unerfreuliche Wirkungen des gelben Scheins

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Step by Step © Liz Collet

Erst vor wenigen Tagen haben wir in diesem Beitrag gelernt, dass Mitarbeiter nicht unter Generalverdacht von Arbeitgebern gestellt und detektivisch überwacht und während AU-Zeiten gefilmt werden dürfen, ohne dass dies ggf. datenschutzrechtlich rechtswidrig ist und zudem mit Schadensersatzforderungen eines überwachten und zu Unrecht verdächtigten Mitarbeiters führen kann.

Vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit hingegen ist auch kein Kavaliersdelikt und kann neben dem Verlust des Arbeitsplatzes auch weitere rechtliche Folgen nach sich ziehen. Was in genannter Entscheidung auch nicht unerwähnt blieb.

Ein durchaus nicht uninteressanter Aspekt ist dabei dann im Einzelfall neben dem, was in der AU-Bescheinigung vom Arzt bestätigt wurde und welche rechtlichen Konsequenzen es in Einzelfällen auch für Ärzte haben kann, wenn diese etwas zu freizeitförderlich ohne tatsächliche Erkrankung des „Patienten“ und Arbeitnehmers mit dem Ausstellen der gelben Zettel umgehen.

Was in einer AU-Bescheinigung einer jungen Dame stand, die – wie der Betriebsrats-Blog berichtet – nicht etwa durch die Kamera des Detektivs eines Münsteraner oder anderen Falls, sondern durch die Kamera eines Fernsehsenders gelaufen ist, während sie angeblich krank war, wäre daher nicht gänzlich uninteressant. Blöd gelaufen ist es aber erst mal für die junge Dame, der ihr Arbeitsplatz offenbar weniger wert scheint, als die mehr als fragwürdige winzige Chance einer bestensfalls temporären Chance auf ein „Ich habe heute (k)ein Bild für Dich“-Ritual von Heidi, das nicht nur in der Zeitung gleichen Namens für vermeintlichen Ruhm sorgt.

Mit Ruhm allemal nicht bekleckert muss man diverse soft skills einer solchen Kandidatin ansehen, die bei Abwägung der eigenen und der Interessen und Intelligenz des Arbeitgebers ihre Entscheidungen nach solch ungewissen Chancen auf zweifelhafte Z-Prominenz ausrichtet. Die – wie genug Beispiele der Vorgängerinnen zeigten – weder generell im Modelgeschäft, noch bei GNTM berufliche längerfristige Perspektiven bieten. Man kann vielleicht 14- 16 Jährige für naiv halten, wenn diese (ungebremst von Eltern, die es wenigstens besser wissen sollten, was Schule, Ausbildungs- oder Arbeitsplatz an Schul- und Arbeitstagen verglichen mit Castings wert sein sollten) zum Casting rennen. Von 20-Jährigen kann man erwarten, dass diese nicht erst eines „Du,Du,Du’s“-Fingerpatscherls in Form der Abmahnung bedürfen, um zu wissen, wofür eine AU dient und wofür nicht. Und was ein Arbeitsplatz – nicht nur bei der Arbeitsmarktlage, Arbeitslosenzahlen und Bewerbungschancen für neue Arbeitsplätze (auch hinsichtlich Vertragsbedingungen) – wert ist oder sein sollte.

Nicht „wegen der Teilnahme am Casting“ verliert jemand, der so handelt, seinen Job. Sondern wegen der Dummheit und der Dreistigkeit, einen Arbeitgeber für zu dumm zu halten und zu verkaufen, bei solchen Medienhypes nichts davon zu erfahren, dass eine Mitarbeiterin zwar zu krank für ihre Arbeit, nicht aber für stundenlanges Warten für Casting und Teilnahme daran gewesen sei. Und mit solcher Geringschätzung des Werts eines Arbeitsplatzes selbst zum Ausdruck zu bringen, was der Arbeitgeber dann nur in die spiegelbildliche Antwort in der Form eines Kündigungsschreibens bringt, den Verzicht auf Arbeitsplatz durch die Mitarbeiterin durch diese selbst und durch den Arbeitgeber.

Wer seine Prioritäten selbst so setzt, muss sich nicht wundern, wenn sein Vertragspartner und Arbeitgeber diese Prioritäten genauso sieht – als nicht ausreichende Wertschätzung und Leistung für den bestehenden Arbeitsplatz.

Wenn anschliessend beim Arbeitsgericht und medial um den Verlust des Arbeitsplatzes „geheult“ wird, mutet das an, wie das Jammern von Menschen, die ihren Ehe- oder anderen Partner nach einem Seitensprung verlieren und sich auch noch damit rechtfertigen wollen, letzterer habe ihnen doch gar nichts bedeutet (vor allem, weil aus letzterem nichts längerfristiges wurde und man dann gern wieder auf Bewährtes zurückgreifen würde. Bis zur nächsten Gelegenheit, die nichts bedeutet….). Was immer sie dem Fremdgehenden (nicht) bedeutete, für den (Ehe- wie auch Vertrags-) Partner macht es eben einen Unterschied bei den für ihn und eigentlich beide Vertragsseiten massgeblichen Prioritäten und Vertrauen in weiteres Miteinander.

Wer ungeachtet der noch so kleinen Modelchance alles andere auf’s Spiel und Risiko setzt, ohne Rücksicht auf den, welchen er mit einer AU für dumm verkaufen will und – ganz nebenbei  auch noch vor dessen anderen Mitarbeitern als Chef vorführt, die davon ebenso via TV erfahren wie der Chef selbst – darf sich dann nicht beklagen, wenn er sich nachher was anderes suchen muss. Ob aus dem Casting was wurde oder nicht.

Dazu muss man sich nicht nur jüngst so gern in Beiträgen vorgeführte Beispiele eines ehemaligen GNT-Models vor Augen führen, das den Laufsteg nur noch teilweise beschreitet und sein bei GNTM verdientes Geld auf eine „neue Karriere“ als „Bäckerin“ im eigenen Franchise-Backwerk-Shop des Münchner Hauptbahnhofs setzt.

Nicht dass wir uns Miss- äh….pardon: missverstehen! ICH bin die letzte, die etwas gegen einen redlichen und redlich erlernten und ausgeübten Beruf des Handwerks und des Backhandwerks hätte. Nicht nur, weil ich mir damit selbst einige Jahre mein tägliches Brot verdiente und noch heute (auch) damit verdiene, wenn auch anders als zu Zeiten, in denen ich selbst in Backstube und Bäckerei stand und mir damit Leben und Studium selbst finanzierte. Au contraire! Ich bin die erste, die das als einen der sogar schönsten und kreativsten und in vielerlei Hinsicht als erstrebenswerten Beruf bezeichnet.

Sofern er als solcher erlernt und ausgeübt wird.

Und nicht nur mit einer Schulung von 1 Monat ein Franchise-Job übernommen und geführt wird, bei dem der Franchisenehmer sich tunlichst nicht Bäcker(in) (sondern bestenfalls Backshop-Inhaberin) nennen sollte und das, was er verkauft nicht als HANDwerk, sondern als das was es stattdessen ist: Backen von Fertigware oder Aufbacken von Rohlingen und Teiglingen, die ihm geliefert und von ihm selbst kaum auch nur geformt, geschweige denn hergestellt werden.

Und zu denen ich den Franchisenehmer lieber nicht fragen mag, ob er mir sagen kann, wie diese hergestellt werden, was drin ist, wenn er in 1 Monat gerade mal Sortiment des Franchise-Shops und die „Zubereitung“ eben nur diesen Sortiments geschult bekam.

Der also die von ihm selbst kritisierte Welt des schönen Scheins im Modelgeschäft selbst fortsetzt – eine Welt des schönen Scheins lebt. Auch im Backshop. Nur mit anderen „Modeln“, Formen und Mitteln, bzw anderem Material: Backwaren aus dem Backshop und nicht aus eigenem, handwerklich hergestellem Backwerk.

Den man daher lieber nicht fragen mag, weil er die Antwort schuldig bleiben müsste, die nur Auszubildende, Gesellen und Meister des Backhandwerks geben können: Wie Semmeln und anderes Gebäck eigentlich (!) gebacken und handwerklich gefertigt werden – von gelernten Bäckern, die dazu eine richtige Handwerksausbildung aufzuweisen haben.

Man kann viel lernen nach dem Prinzip learning by doing. Nicht nur mit und in der dafür richtigen Ausbildung. Bäcker aber wird man nicht in einem Shop, in dem man Bleche mit Rohlingen in einen Ofen schiebt und anschliessend über Theke verkauft oder mit Wurst und Käse be- und in eine Theke legt. Und mit jedem belegten Shop-Semmerl als nächstes Ziel einen zweiten Franchise-Shop als Karriere- und Zukunftsziel anpeilt. In dem dann andere (mit oder ohne Ausbildung als Bäcker oder andere Ausbildung) auch ein paar Tage angelernt und dann beschäftigt werden. Zu welchen Lohn- und anderen Arbeitsbedingungen auch immer, die durchaus eines weiteren Blickes lohnen würden.

Aber vielleicht finden sich Bewerberinnen für diese „second hand-Karriere“ von GNTM-Kandidatinnen ja auch wieder unter denen, die es auf dem Laufsteg oder auf den Laufsteg nicht schafften? Chissà. Das…wäre dann ja vielleicht eine neue Marktlücke. Für Franchise-Modelle sui generis.

Natürlich nur, sofern Inhaberinnen von Franchise-Backshops dann Wert auf Mitarbeiterinnen legen sollten, die sich bereits bei anderen Arbeitgebern für vergnüglichere Veranstaltungen wie Castings als für die Arbeit in ihrem Job mit einer Krankmeldung  nicht nur eine ärztliche AU ausstellen liessen, sondern sich selbst ein Zeugnis hinsichtlich ihrer Verlässlichkeit, Arbeitswilligkeit, Loyalität, Kollegialität, Vertrauenswürdigkeit u.a. ausgestellt haben.

Und btw………… unabhängig vom Kritikpunkt, Backshops als Bäckereien oder deren Franchisenehmer als Bäcker zu bezeichnen und ob man als Verbraucher und Kunde sich nicht lieber für Gebäck aus dem Bäckerhandwerk entscheiden sollte (wovon es auch am Hauptbahnhof in München zu kaufen gäbe): Bei GNTM erworbenes Einkommen nicht in Luxus zu verpulvern, sondern in ein eigenes Geschäft zu stecken und für dieses täglich im Laden zu stehen, ist per se Respekt wert. Vielleicht wäre es (noch) besser gewesen, es für die Zeit zu nutzen, um eine handwerkliche Ausbildung zu machen, nach der man sich wirklich als Bäcker fühlen und bezeichnen kann. Auch wenn das schwerer mit noch immer ( und doch ein wenig widersprüchlich bei der so harschen Kritik an der Verlogenheit der Welt des schönen Modelscheins?) wahrgenommenen Modelaufträgen vereinbar wäre. Als „nur“ in ein Franchisemodell zu investieren. Abgesehen davon aber ist es eine zu respektierende Entscheidung:  Als Model[l], auf eigenen Beinen zu stehen.

Ni X für U ngut.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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