„Machen Sie sich mal frei!“ {„Ich bin schliesslich Ihr Arzt……“}

Justiz © Liz Collet

Justiz © Liz Collet

Den Klammersatz muss keiner aussprechen.

Patienten sind gewohnt, der Aufforderung auch ohne diesen zu folgen. Eben weil der Arzt ja zur Diagnose, Untersuchung und Behandlung nicht ohne Grund die Aufforderung, sondern üblicherweise im Interesse der Patienten ausspricht.

Aus medizinischen Gründen. Aus medizinisch notwendigen Gründen.

Diese scheinbar harmlosen Worte gewinnen seit einiger Zeit eine fragwürdige Berühmtheit in mehreren Fällen von Ärzten, die eine sehr eigenwillige Interpretation damit verbinden. Vor allem zu Zwecken der Verteidigung, wenn es um die Freiheiten geht, die sie sich herausnehmen. Patientinnen gegenüber. Unter anderem mit heimlichen Foto- und Videoaufnahmen.

Zwei aktuelle Fälle wurden bereits hier berichtet und beschäftigen bzw beschäftigten die Justiz:

Ein weiterer ist Gegenstand der Anklage, welche die Staatsanwaltschaft Osnabrück am Dienstag am Landgericht erhoben hat. Demnach soll ein Arzt dort Frauen in möglicherweise mehreren Hundert Fällen bei der Untersuchung heimlich gefilmt haben. Entsprechende Aufnahmen hatte die Polizei Anfang 2014 auf dem Computer des Arztes gefunden. Die Videoaufnahmen soll er zwischen 2009 und 2013 mit einer Minikamera gemacht haben, die in einem Kugelschreiber in seiner Kitteltasche versteckt war. Die Staatsanwaltschaft klagt den Beschuldigten wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen in insgesamt 72 Fällen an.

Angesichts des Strafrahmens von § 201a StGB stellt sich die Frage, ob dieser in Fällen des eigentlich  besonderen Vertrauensverhältnisses, das im Arzt-Patienten-Verhältniss von Ärzten ausgenutzt und missbraucht wird, dem Schutz angemessen Rechnung trägt.

Aufmerksam geworden ist die Polizei ursprünglich auf die Aufnahmen von Patientinnen, als der Arzt in Verdacht des Besitzes von Kinderpornos geraten war. Insoweit steht er bereits vor Gericht.

Auf dem Computer des Mannes hatte die Polizei auch ein Programm zum Tausch von Videodateien im Internet entdeckt, jedoch ist Berichten zufolge derzeit noch unklar, ob er damit auch die heimlichen Aufnahmen der Frauen verbreitet hat.

Die Staatsanwaltsschaft wirft dem Arzt ausserdem sexuellen Missbrauch unter Ausnutzung eines Betreuungs- oder Behandlungsverhältnisses in 13 Fällen vor. Der Hausarzt soll Frauen auch ohne medizinische Notwendigkeit aufgefordert haben, sich zu entkleiden und sie danach betastet haben.

Wie Frauen in einem solchen Fall unterscheiden sollen, ob und was medizinisch Notwendigkeit geschuldet oder nicht ist, entzieht sich  in der Situation der (angeblich und vermeintlich überlegenen) Fachkompetenz des Arztes gegenüber Patienten als Laien und einem Nachweis für strafrechtliche wie zivilrechtliche Sanktionen ggf., wo naturgemäss nur Arzt und Patient anwesend sind und je nach Vorliegen oder Fehlen anderer Indizien oder Beweisen.

Dies und mehr über den Fall lesen Sie hier:

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Über Liz Collet

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