Wissen Sie, wie der Ausweis eines Fahrkartenkontrolleurs aussehen muss?

 Tram  © Liz Collet , Verkehrsbetriebe, München, MVG, Strassenbahn, öffentlicher Nahverkehr

Tram © Liz Collet

Das müssten Sie wissen, um erkennen zu können, wann Ihnen ein nur angeblicher Fahrkartenkontrolleur seinen gefälschten Ausweis zeigt.

Denn um den gefälschten als solchen erkennen zu können, müssen Sie ja wissen, wie der richtige Ausweis in Wahrheit aussehen muss.

Man sollte daher als Kunde des öffentlichen Nahverkehrs eigentlich erwarten dürfen, dass die jeweiligen Unternehmen auf ihrer jeweiligen Website ein Muster eines solchen echten Ausweises veröffentlichen, um ihre Kunden vor Betrügern mit gefälschten Ausweisen zu schützen. 

Selbst wenn Sie an Ihrem Wohnort unterwegs sind, werden Sie allein deswegen nicht hellsehen können, wie ein Ausweis eines echten Kontrolleurs aussehen muss. Noch weniger, wenn Sie wie viele Menschen oft genug in unterschiedlichsten Städten unterwegs sein werden, in denen jedes Unternehmen eigene Ausweise und unterschiedliche Ausweise führen wird.

Spätestens dann, wenn – wie aktuell – mit einem Bericht des BR vom 5.4.2015 auf Vorfälle hingewiesen wird, in denen es mindestens zu versuchten Fällen der Abzocke kam, wäre es sowohl bei den Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs und im Übrigen auch in einem Bericht des BR selbst geboten, darin das Foto eines echten Ausweises der Kontrolleure ebenso wie auf den Websites der Unternehmen zu veröffentlichen.

Ob es zu weiteren versuchten oder erfolgreichen Abzocken von Betrügern kam, ist zudem auch kaum ausschliessbar. Kunden mit ausreichenden Fahrkarten können „kontrolliert“ worden sein, bei denen es bei der Belästigung und unberechtigten Kontrolle blieb – das wäre immerhin der versuchte Betrug und auch strafrechtsrelevant. Kunden ohne ausreichende Fahrscheine können abgezockt worden sein, die (weil sie bisher nicht wussten, dass es nicht mal berechtigte Kontrolleure waren) bislang nicht wissen, dass sie Betrügern aufgesessen sind; sie werden sich aus Scham – und auch weil sie selbst keinen ausreichenden Fahrschein hatten – kaum gemeldet haben oder melden.

Dennoch erfährt der Bürger und Leser und Fahrgast der Unternehmen selbst nach aktuellen Vorfällen und Warnungen dazu nicht, wie echte Ausweise der Kontrolleure aussehen müssten, Abbildungen werden nicht veröffentlicht.

Geschieht leider weder im Beitrag des BR vom 5.4.2015, noch finden Sie derlei auf den Webseiten der zitierten Unternehmen der VAG Nürnberg oder S-Bahn München oder auch der MVG München. Sie suchen es vergeblich in Pressemeldungen und in übrigen Informationen. Auch über die „Suche“-Funktion und Eingabe unterschiedlicher Suchbegriffe sind diese dort nicht zu finden.

Darüber wundert sich – leider – auch der Verfasser des Beitrages des BR nicht, für den naheliegen müsste, entweder echte Muster von Kontrolleurausweisen abzubilden oder wenigstens Hinweise darauf zu geben, wo man solche sehen kann. 

Kundenschutz vor Betrügern? Fehlanzeige!

Hierzu genügt es zur „Verbraucheraufklärung“ und Warnung auch nicht, darauf hinzuweisen:

„VAG und S-Bahn München weisen darauf hin, dass die falschen Kontrolleure meistens alleine unterwegs seien – die echten immer im Team.

Außerdem könne sich ein richtiger Fahrkartenkontrolleur offiziell ausweisen und er fordere von Fahrgästen ohne gültigen Fahrschein normalerweise nur dann sofort Bargeld, wenn dieser sich nicht ausweisen kann.

In der Regel stellten echte Kontrolleure nur einen Bescheid aus, mit dem man dann ins Kundencenter geht.“

Denn:

  • Auch die „echten“ Kontrolleure teilen sich, wenn auch im Team unterwegs, die Kontrolle oft genug und regelmässig in Wagen der Bahnen und Bussen auf und gehen nicht zu zweit von Fahrgast zu Fahrgast. Oft genug habe ich es selbst erlebt, dass diese auch in verschiedenen Türen der U-Bahn- oder S-Bahn-Wagen zusteigen und auf diese Weise verhindern wollen, dass etwaige Schwarzfahrer spätestens an der folgenden Station den Zug verlassen, soabld sie erkennen, dass an einem Ende des Waggons Kontrolleure zusteigen. Als Schülerin und täglicher Fahrgast der Münchner Verkehrsbetriebe habe ich mir jahrelang den Spass gemacht, auf dem Schulweg am Verhalten zu erraten, ob Personen im Waggon oder am Bahnsteig Kontrolleure sein könnten oder nicht und schon seinerzeit an eben auch solchen Verhaltensweisen beim Zusteigen und am Bahnsteig erkannt. Ein Verhalten, das aber auch Taschendiebe in Verkehrsmitteln, die ebenso zu mehreren und in Banden auftreten, pflegen.  Und das man auch bei falschen Kontrolleuren einkalkulieren muss.
  • Selbst wenn sich „echte“ Kontrolleure erstens unaufgefordert oder mindestens auf Verlangen ausweisen und den Ausweis auch so herzeigen, dass man ihn gut und lang genug ansehen und auf Echtheit beurteilen kann – wie soll man wissen, ob es ein echter Ausweis ist, wenn man kein Vergleichswissen hat, weil man deren Ausweise nicht kennt?
  • Und – btw – schon mal (als durchaus stets mit gültigem Fahrschein reisender Kunde oder Kundin) einen solchen Kontrolleur gebeten, den – wenn überhaupt – sekundenkurz gezeigten Ausweis noch mal richtig zu zeigen, um ihn ansehen zu können? Hat man Ihnen selbigen anstandslos dann deutlich zum Ansehen hingehalten? Auch ohne amgepampt zu werden, keinen Aufstand zu machen, sondern den Fahrschein zu zeigen? Wo käme man denn da hin, wenn jeder Fahrgast sich da erst lange den Kontrolleurausweis ansehen wolle? Versuchen Sie Ihr Glück und verlangen Sie konsequent den Ausweis richtig zu sehen und auch mal in die Hand nehmen und die Rückseite betrachten zu können. Sie können ja auf die Warnungen der Unternehmen und des BR vor Betrügern verweisen, dass Sie eben besonders vorsichtig sein müssten, wer da was von Ihnen wolle.
  • Grübelfrage: Was würde übrigens wohl passieren, wenn Sie mit der Begründung, Sie wüssten ja nicht, ob der Ausweis nun wirklich echt sei, zusätzlich den Personalausweis des Kontrolleurs verlangen würden? Neckische Idee? Jaha, zugegeben!. Aber eine mit Charme, denn einen Personalausweis fälscht man nicht so leicht wie einen Kontrolleursausweis, von dem kein Kunde der Unternehmen so genau weiss, wie letzterer aussehen müsste, wenn er echt sein soll. Und immerhin ist nicht anzunehmen, dass Betrüger den Kontrolleurausweis mit ihren im Personalausweis stehenden echten Namen fälschen würden. Und das spräche – solange Sie keine andere Vergleichsmöglichkeit mit echten Kontrolleursausweisen haben, weil diese nicht öffentlich bekannt gemacht werden – eher für einen echten Kontrolleur. Was glauben Sie, wie souverän Fahrkartenkontrolleure und die Unternehmen der Verkehrsbetriebe damit umgehen würden, wenn sich Kunden erst recht nach den geschilderten Warnungen absichern und sich erstens die Kontrolleursausweise genauer ansehen und zeigen lassen und zusätzlich bei Zweifeln auch dessen Personalausweise zeigen lassen würden? Mit der schliesslich nicht unberechtigten Begründung, nicht sicher zu sein, ob der Kontrolleursausweis wirklich ein echter sei? Woher sollen Sie das schliesslich wissen, ob der echt ist, wenn nirgendwo echte Muster zu sehen und Ihnen bekannt seien? Was also würde passieren, wenn Sie den Personalausweis des Kontrolleurs zum Abgleich der Echtheit der Daten verlangen, um sich gegen Betrüger zu schützen, vor denen doch gewarnt werde? Natürlich, bevor Sie den Fahrschein und erst recht weitere eigene Ausweise vorlegen, die der betreffende Herr oder die betreffende Dame, die vor Ihnen als Kontrolleur auftreten, zu sehen verlangen? Was glauben SIE, würde passieren?

Würde das Unternehmen veranlassen, Musterausweise für Kunden als Vergleichsmöglichkeit zB auf ihrer Website zu veröffentlichen, um Kunden vor Betrügern zu schützen?

Es gibt keinen Grund, warum Unternehmen solche „Eva Mustermann-Ausweise“ der Kontrolleure der jeweiligen Unternehmen nicht mindestens auf der Webpräsenz veröffentlichen sollten, ebenso wie das mit Personalausweisen, Reisepässen oder Münzen und Scheinen von Währungen üblich ist, um vor Fälschungen zu warnen. Insbesondere lässt sich dagegen nicht einwenden, dass sich potentielle Fälscher dann erst recht an- und abschauen könnten, wie Ausweise aussehen müssten, um sie (besser) fälschen zu können. Denn zum einen dürfte man dann auch andere o.g. Ausweise nicht als Muster veröffentlichen, zum anderen hat Kundenschutz zur Warnung vor solchen Möglichkeiten zu stehen.

An dieser Stelle ist auch nicht zu argumentieren, dass nur etwaige unredliche Kunden, sprich: Schwarzfahrer falsche Kontrolleure und Abzocke fürchten müssten, weil Inhaber von korrekt bezahlten Fahrscheinen ja auch mit gefälschtem Ausweis nicht abgezockt werden könnten. Und dass sich solche selbst rechtswidrig handelnden Fahrgäste kein schützenswertes Interesse geltend machen könnten, durch Unwissenheit über das richtige Aussehen echten Ausweises geschädigt zu werden.

Es gibt vielerlei Gründe, weshalb jemand ohne oder ohne gültigen Fahrschein von einem (echten oder betrügerischen) Kontrolleur angetroffen werden könnte.

  • Kinder und Jugendliche, die versehentlich einen nicht ausreichenden Fahrschein gekauft haben, vergessen haben,
  • Menschen mit körperlichen oder anderen Beeinträchtigungen,
  • Menschen mit sprachlichen Barrieren (wie zB, aber nicht nur Touristen),
  • ältere Menschen (die im Beitrag des BR als potentiell gefährdeter wie auch beim Enkeltrick genannt werden) u.a.m.,

um nur einige erste und nicht abschliessende Beispiele zu nennen. Diese aber auch selbst vorsätzlich „schwarz fahrende“ Fahrgäste haben ebenso wie redliche und korrekt zahlende Kunden ein schutzwürdiges Interesse, selbst bei eigenen und sanktionierbaren Fehlverhalten ausnahmslos nur von berechtigten Kontrolleuren

  • zum Vorzeigen des Fahrscheines überhaupt aufgefordert zu werden
  • dazu auch bei „echten Kontrolleuren“ nur dazu aufgefordert werden zu können, wenn diese unaufgefordert und spätestens auf Anforderung den Ausweis des Kontrolleurs zuerst vorgezeigt haben
  • zum Vorzeigen oder Aushändigen des eigenen Personalausweises aufgefordert zu werden, wenn sie keinen (ausreichenden) Fahrschein bei sich haben, damit dieser von XY „kontrolliert“ werde
  • zur Benennung ihrer Personendaten aufgefordert zu werden, um einen Bescheid auszustellen für die Geldbuße, die sie dann im Kundencenter zu zahlen haben
  • zur Zahlung eines Barbetrages aufgefordert zu werden.

Erst recht kann ein korrekt zahlender Fahrgast nicht  von Hinz und Kunz als angeblichem Kontrolleur auch nur zum Vorzeigen seines Fahrscheines  aufgefordert werden. Ob er dazu verpflichtet ist, muss er durch Kenntnis des Aussehens von echten Kontrolleurausweisen beurteilen und entscheiden können. Niemand muss sich gegenüber XY mit seinem Fahrschein zur berechtigten Fahrt legitimieren. Niemand muss seinen Ausweis XY vorzeigen, der nicht besonders seinerseit legitimiert ist, Ihre Identität feststellen zu wollen und zu dürfen.

Zu all dem darf auch ein „Schwarzfahrer“ nicht von beliebigen Dritten ohne oder ohne echten und vorzuzeigenden Ausweis aufgefordert werden, auch er hat Anspruch darauf, vor Betrügern geschützt zu werden, die (anstelle der Unternehmen und deren Kontrolleuren) Kasse machen und Straftaten begehen.

Hiergegen sind Fahrgäste und auch „Schwarzfahrer“, die sich im Raum der jeweiligen Verkehrsmittel und Anlagen der Unternehmen befinden auch von den Verkehrsbetrieben zu schützen. Dazu ist auch erforderlich, unterscheiden zu können, welcher Ausweis eines Kontrolleurs echt und welcher nicht echt sein kann. Auch „Schwarzfahrer“ haben Rechte, nur von wirklich Berechtigten für ihr Fehlverhalten zu Rechenschaft gezogen und zur Kasse gebeten zu werden. Daran sollten auch Unternehmen der Verkehrsbetriebe ein eigenes Interesse haben und dies nicht durch Geheimniskrämerei über das für jeden wichtige Aussehen der Ausweise von Kontrolleuren erschweren oder Betrügern damit noch Vorschub zu leisten.

Denn diese sind es, die von der Unwissenheit der Fahrgäste profitieren.

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Über Liz Collet

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2 Antworten zu Wissen Sie, wie der Ausweis eines Fahrkartenkontrolleurs aussehen muss?

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