Noch auf ein Wörtchen zum Aktuellen des Tages am Abend….

justitia, justizia, jus, recht, rechtsprechung, waage, schwert, urteilskraft, oberlandesgericht, münchen, bayern, rechtsweg, pforte, verfassung, metapher, justiz, justizgebäude, gericht, gerichtsgebäude, verfassungsgerichtshof, bayerisch, symbol, gerechtigkeit, urteil, instanz, landgericht, statue, himmel, monochrom, kein zugang, rechtsschutz, zugang, verschlossen, portal, tor, unzulässig, Justice© Liz Collet,landgericht münchen

Justice© Liz Collet

Manchmal verblüfft mich ja, welche der Posts Sie hier besonders interessant finden.

2.

DIESER zur Frage, ob Sie eigentlich wissen, wie die Ausweise eines Fahrkartenkontrolleurs aussehen müssen, hat schon am Feiertag und auch heute eine überraschend hohe Clickrate an den Tag gelegt. Tatsächlich ist auch mir erst an dem aktuellen Beitrag und Ihrem regen Leserinteresse bewusst geworden, wie alltäglich diese Frage, wie praktisch relevant und vor allem, wie vertrauensselig man auch selbst eigentlich ist, im Regelfall auf einen selbst nur kurz hingehaltenem Ausweis glauben vertrauen zu können. Vielleicht liegt darin auch der Grund, warum der Beitrag bei offenbar vielen einen Nerv berührt hat?

Wie wenig man dem vertrauen darf, was Fahrtkartenkontrolleure so als das Maß der Dinge und als richtig oder falsch hinstellen, zeigt ein just heute veröffentlichter Bericht über eine 14-Jährige, die angeblich einen nicht gültigen Fahrschein besessen habe und vom Schaffner aufgefordert wurde, den Zug zu verlassen. Angeblich nur, um sich ein gültiges Ticket zu besorgen und die Strafe wegen Schwarzfahrens zu ersparen. Blöd nur, dass sie eigentlich gar keine Strafe wegen Schwarzfahrens verdient hatte, weil sie entgegen der Auffassung des Schaffners sehr wohl ein gültiges Ticket besass. Muss man als Schaffner aber halt als solches auch erkennen können. Kompetenz im eigenen Job ist viel wert. Die Geschichte dazu HIER.

Scheint nötig, Kunden im öffentlichen Verkehr nicht nur vor falschen Kontrolleuren mit gefälschten Ausweisen zu schützen, sondern sogar Kunden vor echten Kontrolleuren mit falschem Wissen über Tarife und Fahrscheine.

2.

Das zweite Thema des Tages war der heutige Prozessauftakt im Strafprozess gegen den ehemaligen Bamberger Chefarzt. Wie man den Presseberichten entnehmen kann, wird dort von der Verteidigung nicht nur jegliches sexuelles Motiv bei den strafrechtlich zu beurteilenden Handlungen bestritten und alles als „medizinisch notwendige Maßnahmen“ behauptet. Flankiert von der wagemutigen Verteidigungsstrategie der Behauptung, er habe halt eine „neue Untersuchungsmethode angewandt, die in Fachkreisen so noch nicht bekannt sei. „

Lassen wir beiseite, dass bei manchen, noch so wenig bekannten medizinischen Methoden üblicherweise auch die Frage zu stellen wäre, ob dann nicht eine erweiterte Aufklärung von Patienten vor solchen und über solche geboten wäre und wenn nein, warum nicht.

Von personalem Wechsel bei der Verteidigung ist hier berichtet worden. 

Die vor Prozessbeginn angekündigte Stellungnahme des Angeklagten scheint sich Berichten zufolge in einer Mischung aus  Vorwürfen der Vorverurteilung und der in Gang gesetzten Vernichtung des Angeklagten (durch wen?) einerseits und einer gehörigen Selbstdarstellung eigener beruflicher Kompetenz und Bedeutung (mindestens aus Sicht des Angeklagten) erschöpft zu haben. Neben der Zurückweisung der Vorwürfe.

Wir versuchen uns mit Vorverurteilung zurückzuhalten.  Naturellement.

Aber so manches wirft Fragen auf, das mit medizinisch notwendigen oder noch wenig bekannten Untersuchungsmethoden auch bei allergrösster Fantasie nicht so wirklich in Einklang zu bringen scheint. Nicht nur Vorwürfe  im Zusammenhang mit der Patentochter seiner Ehefrau.

Angeklagter und Verteidiger können sich bei derartiger Verteidigerstrategie und Selbstdarstellung schwerlich wundern, dass angesichts der Zahl der Opfer, der Schwere der Vorwürfe und der Art und des Umfanges der berichteten Beweismittel ein nicht geringes öffentliches Interesse am Prozess und Prozessverlauf besteht. Wer mit der Focus-Bestenliste für sich und seine Klinik selbst noch bei seiner Verteidigung wirbt, findet sich im Fokus des medialen Interesses naturgemäss ebenso dort und in den Medien wieder, wenn rund ein Dutzend Patientinnen und die eigene Klinik sich nicht zum Besten von ihm behandelt fühlen.

Der Prozessverlauf und die nun anstehende Beweisführung wird zeigen, ob der Angeklagte selbst seine Karriere vernichtet hat – oder ob die Vorwürfe so unbegründet sind, wie er nun glauben machen will.

Bei aller gebotenen sachlichen und rechtlichen Objektivität der Beobachtung des Prozessverlaufs.

Related articles:

 

Advertisements

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
Dieser Beitrag wurde unter Strafrecht und OWiRecht abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Noch auf ein Wörtchen zum Aktuellen des Tages am Abend….

  1. Pingback: Beweisaufnahme im Prozess gegen ehemaligen Bamberger Chefarzt | Jus@Publicum

  2. Pingback: Keine Aufhebung des Haftbefehls gegen ehemaligen Chefarzt des Klinikums Bamberg wegen Fluchtgefahr | Jus@Publicum

  3. Pingback: Wen würden Sie um eine Blutabnahme bitten, um darin zu findende Beweise sichern zu lassen? | Jus@Publicum

  4. Pingback: “Der eine Arzt untersuche so, der andere eben auf seine Art…” | Jus@Publicum

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s