Ab heute: Sonderausstellung im Münchner Stadtmuseum „Franz Josef Strauß. Die Macht der Bilder“

Bayern © Liz Collet

Bayern © Liz Collet

Am 6. September 2015 hätte Franz Josef Strauß seinen 100. Geburtstag begangen.

Das Münchner Stadtmuseum widmet dem Bundes- und Landespolitiker aus diesem Anlass rund 30 Jahre nach seinem Tod zusammen mit der Hanns-Seidel-Stiftung eine Kabinettausstellung. Diese soll seine Darstellung in unterschiedlichen Bildmedien mit zahlreichen Plakaten, Fotos, Filmdokumenten und Zeitschriften zeigen.

Über Person, Politik und Skandale polarisiert Strauß als Bundespolitiker der Nachkriegszeit bis heute in öffentlicher und medialer Diskussion. Der ehemalige Bundesminister, CSU-Vorsitzende und Bayerische Ministerpräsident ist unverändert in Bild und Themen Gegenstand der Medien. Die Ausstellung will Strategien der medialen Darstellung wie auch der visuellen Demontage aufgezeigen. Interessant wird die Ausstellung durch die gestalterischen Mittel, mit welchen inhaltliche Aussagen vermittelt werden und an denen sich beispielhaft Aspekte der Wirkungsästhetik und politischen Ikonografie zeigen, die keineswegs nur auf die Person und Persönlichkeit von Franz Josef Strauß begrenzt sind.

So ist die Ausstellung auch für diejenigen nicht uninteressant, die ihn kritisch sehen und bewerten. Jedenfalls dann, wenn sie – quasi einen Schritt zurücktretend und mit einer distanzierten Haltung beim Blick und der Kritik an der Person Strauß – die Mechanismen der öffentlichen und politischen Darstellung und Demontagetechniken auf jeden anderen Politiker darin gespiegelt wiederfinden könnten und werden. Parteiübergreifend, parteiunabhängig.

Bei genauer Betrachtung sind diese Mechanismen, die (im Übrigen nicht nur bei Politikern) mit der Personalisierung eines politischen oder anderen gesellschaftlichen oder medienöffentlichen Themas einhergehen, aktuell wie nie. Auch zu beobachten in candy- wie shitstorms um öffentlich im Interesse stehende Personen aller gesellschaftlichen, nicht nur politischen Bereiche.

Am politischen Lebensweg von Franz Josef Strauß lässt sich eindrücklich nachvollziehen, wie bereits seit den 1950er Jahren ein Trend zur Personalisierung begann und kultiviert wurde.

Die Ausstellung reflektiert damit auch die Tendenz der letzten Jahre und Jahrzehnte, in denen immer weniger Kontur der Diskussion in politischen Programmen zu finden ist, die einer medialen und professionellen, persönlichen Inszenierung Raum überlässt und Platz gemacht hat. 

Wer den Schritt zurücktritt, Person und Politik von Strauß nicht einfach nur (und weil es so leicht und leichter möglich ist, als sich mit der Politik, Politikgeschichte und deutschen Geschichte und Entwicklung der Nachkriegszeit zu beschäftigen) pauschal wegen eines „inszenierten Personenkults“ um Strauß, Partei und Politik zu verurteilen, wird nicht umhin kommen zu entdecken, dass andere Politiker  parteiunabhängig heutzutage nicht minder auf eben diese Personalisierung setzen: Und zwar mit den scheinbar Bürgernähe suchenden und bewirkenden Medien und Mitteln von social media, die inhaltliche Diskussion suggerieren.

Jedoch werden sie zum einen nicht ausnahmslos von den Politikern selbst immer wirklich geführt. Bei welchen Politikern wissen Sie, dass diese wirklich selbst immer und jeden Post persönlich setzen und Kommentare beantworten?  Und bei Accounts von Parteien ist dies noch weniger transparent.

Zum anderen suggerieren solche Präsenzen und Diskussionen in sozialen Medien zwar Bürgernähe und Meinungsauseinandersetzung und -berücksichtigung mit dem Wähler und Bürger. Doch wieviel davon findet der Bürger von seiner Meinung am Ende in politischen Programmen und vor allem dann auch in Gesetzen wirklich wieder? Weit weniger, als er erhofft, wie frustrierte Diskussionen dazu dann wiederspiegeln.

Die Ausstellung kann man daher auch bei einem Besuch nutzen, um einen Vergleich zwischen den zu Zeiten und um Franz Josef Strauß praktizierte mediale und politische Auseinandersetzung mit denen der Gegenwart zu vergleichen.

Gerade dann, wenn zu regelnde politische Themen und Fragen zunehmend kompliziert werden, wo neben innenpolitischen Problemen auch aussenpolitische Punkte berührt oder auf europäischer und internationaler Ebene Konflikte damit verbunden sind, neigt der Bürger dazu, in der Person von Politikern Zuverlässigkeit, Orientierung und Vermittlung von Klarheit zu erhoffen. Die Schwierigkeit, komplexe Probleme zu behandeln oder durch Politik als lösbar und gelöst zu erleben und darauf zu vertrauen, dass der Staat als abstraktes System diese regelt, wird mehr oder weniger unbewusst beim Bürger durch Vertrauen in Personen, politische Protagonisten (um nicht zu sagen: Leithammel der Herde) ergänzt oder ersetzt. 

Beim Blick in soziale Medien ist es manchmal erschreckend, welche banalen Kleinigkeiten solches Vertrauen bilden, stärken oder auch erschüttern können, wo eigentlich wichtigere sachliche, politische oder auch rechtliche Aspekte der politischen Sachfragen diese bestimmen sollten. Bindung und Followership, Folgen von Seiten und Personen kann oft genug schon durch ein paar mehr oder weniger persönliche Einblicke in und Bilder aus dem Privat- oder Alltagsleben von Politikern erreicht und gewandelt werden.

Image einerseits und Personenkult andererseits bestehen unverändert. Fortgesetzt mit anderen Mitteln.

Unterscheidet sich das also – im Ergebnis – wirklich so sehr von dem, was seit der Nachkriegszeit Imagebildung und -pflege diente? Die Ausstellung ist daher gut geeignet, auch das eigene Wähler- und Bürgerverhalten, den eigenen Umgang mit Medien, sozialen Medien, Meinungsbild(n)ern und Meinungsmachern und Meinungsmachtmachern zu hinterfragen.

Spätestens seit 1953, als Strauß in der Funktion eines Ministers für besondere Aufgaben dem Bundeskabinett angehörte, wurde das Interesse auch überregionaler und internationaler Medien an seiner Person geweckt. Es entstand eine Beziehung, die ihn zu einer öffentlichen Person machte und die sein gesamtes politisches Leben hindurch bis weit über seinen Tod hinaus anhält.

Die Ausstellung im Münchner Stadtmuseum spürt dem öffentlichen Bild des Politikers Strauß nach. Strategien der Imagebildung und die wichtigsten dabei genutzten Bildformeln werden anhand unterschiedlicher Bildmedien sichtbar gemacht. Viele der heute etablierten Bildstrategien der Repräsentation eines Politikers finden sich in den Darstellungen von Franz Josef Strauß wieder. Darunter klassische Rollen, wie die des Landesvaters, des „Mannes von nebenan“, die ihn in einer vorgeblich authentischen Privatsphäre zeigen, aber auch die des Visionärs und einflussreichen Staatsmanns.

Ergänzt wird diese  Welt repräsentativer Darstellungen durch die satirische Kritik, denen streitbare Politiker wie Strauß damals wie heute konfrontiert sind und leben müssen. 

Wer mit medialen Mitteln Image erhält, dessen Image ist mit den gleichen Mitteln demontierbar und diffamierbar. Heute leichter denn je medial hinter und mit anonymen Profilen von Nutzern im Net, wenn auch nicht folgenlos. 

Dies führte damals und bei Strauß wie heute auch zu Konflikten und sogar juristischen Auseinandersetzungen.  Eine Ausstellung, die damit aktueller denn je Medien und Mittel der Macht, der medialen, wie politischen und öffentlichen vermittelt.

Ab heute 24. April bis 2. August 2015 zu sehen – und sehenswert :

„Franz Josef Strauß. Die Macht der Bilder“ im Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München, Öffnungszeiten Di. bis So. 10 – 18 Uhr.

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Anlässlich des 100. Geburtstages (6.9.2015) von Franz Josef Strauß finden im Jahr 2015 ausserdem auch in der Hanns-Seidel-Stiftung in München eine Vielzahl von Veranstaltungen statt.

Die Reihe beginnt am 4. Mai 2015 mit einem Vortrag zum Thema „Mythos Strauß“ von Prof. Werner K. Blessing um 18:00 Uhr im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung in München. Der Eintritt ist frei, Programm und Anmeldung undefinedhier.

 

Terminvorschau zu weiteren Veranstaltungen:

Montag, 29. Juni (vorauss. 18.00 – 20.00 Uhr) Franz Josef Strauß – Erkenntnisse und Engagement – Zum geistigen Profil eines streitbaren Politikers Prof. Hans Maier, Prof. Horst Möller, Dr. Theo Waigel, Prof. Ursula Männle, Dr. Florian Schuller Kooperationsveranstaltung in der Katholischen Akademie in Bayern

Freitag, 10. Juli (vorauss. 16.00 – 18.00 Uhr) Franz Josef Strauß – Die Biografie Prof. Horst Möller Vortragsveranstaltung im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung

Mittwoch, 29. Juli (18.00 – 20.00 Uhr) Vom Agrarstaat zum Hightech-Land – Die Rolle von Franz Josef Strauß bei der Modernisierung Bayerns Dr. Otto Wiesheu, Dr. Wolfgang Piller Vortragsveranstaltung im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung

Mittwoch, 5. August  „Die Zukunft gehört der Freiheit, dem Recht und dem Frieden“ – Das außen- und sicherheitspolitische Denken und Handeln von Franz Josef Strauß Dr. Martina Steber, Prof. Johannes Großmann, Prof. Reinhard Meier-Walser, Dr. Klaus Rose Podiumsdiskussion im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung

Mittwoch, 19. August (vorauss. 16.00 – 18.00 Uhr) Franz Josef Strauß – Staatsmann und Freund – Politisches und Persönliches Wilfried Scharnagl Vortragsveranstaltung im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung

Seminar vom 31.7. bis 2.8. in Wildbad Kreuth Die Außenpolitik von Franz Josef Strauß und ihre Bedeutung für die Wiedervereinigung – Rückblick und Resümee zum 100. Geburtstag Erich Kornberger

Seminar vom 18.9. bis 20.9. in Wildbad Kreuth Franz Josef Strauß zum 100. Geburtstag – ein Leben für die Politik Dr. Birgit Strobl

 Details dazu HIER.

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Über Liz Collet

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