Festakt zu Eröffnung des neuen NS-Dokumentationszentrums München

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Integrating Europe © Liz Collet

Am heutigen Donnerstag, zum Jahrestag der Befreiung Münchens durch die US-Armee, findet der Festakt zu Eröffnung des neuen NS-Dokumentationszentrums München für hoch­rangige internationale Gäste statt. 

Am 30. April 1945 besetzten Divisionen der 7. US-Armee München. Die „Hauptstadt der Bewegung“, wie sie Hitler elf Jahre zuvor tituliert hatte und befreiten München damit militärisch von der NS-Herrschaft.

Mit einer militärischen Befreiung aber kann und konnte keine Befreiung von der Vergangenheit und Geschichte und Verantwortung für Geschehen und Geschichte erfolgen. Die Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der Geschichte war in München wie in anderen Städten und Teilen Deutschlands ein langer Weg. München versuchte sich nach der Nazi-Zeit ein neues Image zu geben, zu denen auch Slogans wie „Weltstadt mit Herz“ gehörten. Erst 2001 beschloss der Stadtrat, ein Dokumentationszentrum über die braune Vergangenheit Münchens zu bauen.

Oberbürgermeister Dieter Reiter, Minister­präsident Horst Seehofer und die Staatsministerin des Bundes für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters werden zu diesem Anlass der Eröffnung dieses ab morgen auch für Besucher zugänglichen NS-Dokumentationszentrums sprechen.

Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, und Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats deutscher Sinti und Roma, haben ebenfalls einen Wortbeitrag zugesagt. Prof. Dr.-Ing. Winfried Nerdinger, der Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums, wird anschließend in die Konzeption des Lern- und Erinnerungsorts einführen, der sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der Stadt und den Ursachen, Ausprä­gungen und Folgen der Diktatur auseinandersetzt.

Das Bayerische Fernsehen überträgt ab 16 Uhr live aus dem Amerikahaus München.

Ab 1. Mai 2015 ist das NS-Dokumentationszentrum München dann auch für Besucher geöffnet, bis Ende Juli bei freiem Eintritt.

Bereits gestern am Vortag der Eröffnung konnte eine Gruppe Überlebender aus Israel und Journalisten das neue NS-Dokumentationszetnrum besichtigen. HIER ein 1-minütiger Beitrag des BR dazu.

Der neue Lern- und Erinnerungsort wurde an der Brienner Straße, auf dem Grundstück der ehemaligen Parteizentrale der NSDAP, des sog. „Braunen Hauses“ errichtet.

Es ist ein nicht nur mitten in München, sondern gerade an diesem Ort wohlgewählter Platz für das NS-Dokumentationszentrum.

Geschichte und Gegenwart finden Raum und Gelegenheit zur Begegnung und zum Begreifen des Unbegreiflichen und zum Verstehen und Lernen, warum das heute noch ein Thema ist und sein muss. Für „Warum?“, „Warum in München?“ und „Wie konnte es dazu kommen und wie kann verhindert werden, dass es je wieder dazu kommt?“

Die Bau­kosten in Höhe von 28,2 Millionen Euro haben die Landeshauptstadt München, der Freistaat Bayern und die Bundesregierung zu je einem Drittel getragen. Entworfen haben den Neubau die Berliner Architekten Bettina Georg, Tobias Scheel und Simon Wetzel.

Den Mitteilungen von Baureferentin Rosemarie Hingerl  zufolge war die Fertigstellung im vergangenen Frühjahr termingerecht  und innerhalb der vom Stadtrat genehmigten Kosten erfolgt.  Mit dem Blick auf die baulichen Relikte der NS-Zeit im unmittelbaren Umfeld wird der Standort des neuen Zentrums gewissermassen  selbst zu einem wichtigen Element der Aus­stellungen des NS-Dokumentationszentrums.

Die Wahl des Platzes für das NS-Dokumentationszentrum wurde bewusst gewählt, auch die vierstöckige Höhe des Baus fällt unübersehbar ins Auge, gleich von welcher Seite der Brienner Strasse, vom Karolinenplatz, der Nymphenburger Strasse, der Arcisstrasse man kommend auf Königsplatz und seine Propyläen, Glyptothek und Staatliche Antikensammlung zugeht oder fährt.

In unmittelbarer Umgebung liegt unter anderem der sog. „Führerbau“, der als architektonisches Gegenstück zum ebenfalls nahegelegenem Verwaltungsbau 1933 bis 1937  nach Plänen des Architekten Paul Ludwig Troost errichtet wurde. Der „Führerbau“ diente Adolf Hitler als Repräsentationsgebäude. Unter anderem wurde dort 1938 das Münchner Abkommen unterzeichnet. Heute befindet sich im Gebäude die Hochschule für Musik und Theater. Im Verwaltungsbau ist heute das  Zentralinstitut für Kunstgeschichte untergebracht. Weitere Informationen mit Bildern der Gebäude in der Maxvorstadt, die teils noch vorhanden, teils von den Amerikanern gesprengt, teils später von der Stadt abgerissen wurden, finden Sie in dieser Fotoreihe des BR mit Erläuterungen.

2006 war im städtischen Kulturreferat mit der Projektarbeit zur Vorbereitung des NS-Dokumentationszentrums begonnen worden. 2012 wurde Prof. Dr.-Ing. Winfried Nerdinger zum Gründungsdirektor ernannt. Unter seiner Leitung wurde nunmehr in den vergangenen zwei Jahren ein Ausstellungsdrehbuch entwickelt und zur Realisierung gebracht.

Dem NS-Dokumentationszentrum stehen aber mit dem Team, Gremien, Förderverein eine Reihe namhafter Persönlichkeiten, Zeitzeugen wie Dr. h.c. Max Mannheimer, Vertreter der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau, und Experten für Geschichte unter dem Vorsitz des Kuratoriums von Dr. Theo Waigel, Bundesminister a.D. und Dr. Hans-Jochen Vogel, Alt-Oberbürgermeister, Bundesminister a.D. (Stv.) in Gremien und Beiräten zur Verfügung.

  • Neben dem Herzstück des Hauses, der mehrgeschossigen Dauerausstellung in Deutsch und Englisch, wird es wechselnde Sonderausstellungen geben.
  • Um tiefer in die Geschichte einzusteigen, steht auf einer eigenen Ebene ein Lernforum zur Verfügung. Dort können alle Ausstellungsthemen an Medien­tischen und Recherchestationen individuell oder in Gruppen weiterverfolgt werden.
  • Auch eine Bibliothek ist dort integriert.
  • Räumlich schließt sich an das Lernforum der Seminarbereich für die Bildungsarbeit mit Schulklassen und anderen Gruppen an.
  • Ein großer, multifunktionaler Saal für 200 Personen bietet alle technischen Möglichkeiten für Vorträge, Zeitzeugengespräche, Filmvorführungen, Tagungen und Abendveranstaltungen unterschiedlicher Art.
  • Begleitend zur Dauerausstellung wird es kostenlose Medienguides in mehreren Fremdsprachen geben. Mithilfe einer Smartphone-App können sich die Besucherinnen und Besucher auch außerhalb des NS-Dokumentations­zentrums auf die Spuren des Nationalsozialismus begeben.

Prof. Dr.-Ing. Winfried Nerdinger sieht das NS-Dokumentationszentrum als offenen und lebendigen Ort, der dazu dienen solle, mit einem inhaltsreichen und vielfältigen Programm  umfassend zu informieren und aufzuklären, aber auch zum Nachdenken und Diskutieren anzuregen. Nur auf der Basis von Wissen könne eine eigene kritische Reflexion in Gang gesetzt werden, um zu einem Verstehen zu gelangen, das auch das eigene Verhalten beeinflusst. In diesem Sinne sei es Ziel des NS-Dokumentationszentrums, zu einem Ort der Selbst­vergewisserung demokratischer Errungenschaften zu werden. Denn die Geschichte lehre, das die Demokratie  täglich gelebt und verteidigt werden müsse.

Interessant und als zusätzliches Material empfehlenswert sind die Downloads verschiedener Informationen, die es neben gedruckten Broschüren gibt. Sie finden diese HIER bei ThemenGeschichtsPfade

Das und mehr NS-Dokumentationszentrum in München:

NS-Dokumentationszentrum München
Brienner Straße 34
80333 München

Öffnungszeiten

Dienstag – Sonntag 10 – 19 Uhr
(erweiterte Öffnungszeiten für angemeldete Schulklassen, Gruppen und Seminarteilnehmer; an manchen Feiertagen geschlossen)

Eintrittspreise ab Juli 2015

Bis 18 Jahre sowie Schulklassen und Studentengruppen: Eintritt frei
Erwachsene: Einzelkarte 5 Euro | Jahreskarte 20 Euro
Ermäßigt: 2,50 Euro
Schulklassen und Gruppen

Nur nach Voranmeldung | Informationen zum Rundgangs- und Seminarangebot sowie Anmeldung unter bildung.nsdoku(at)muenchen.de | Telefon +49 89 233-82650

Barrierefreiheit Die Ausstellung und alle öffentlichen Bereiche des NS-Dokumentationszentrums sind barrierefrei zugänglich.

Keine Besucherparkplätze vorhanden
Öffentliche Verkehrsmittel

U 2 bis Haltestelle Königsplatz
Bus 100 bis Haltestelle Königsplatz
Tram 27 bis Haltestelle Karolinenplatz
Besucherservice | Kontakt für allgemeine Anfragen

nsdoku(at)muenchen.de | Telefon +49 89 233-67000

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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