Viel Fett, viel Zucker, viel Fett und Zucker – und viele Zusatzstoffe {Party lieber ohne Fertigsalate}

Salat mit Herz  © Liz Collet

Salat mit Herz © Liz Collet

Wochenend‘ und Sonnenschein, Vatertag, Brückentag und verlängertes Wochenende – die Zeit des Angrillens, der Gartenfeste und damit der Partysalate ist spätestens jetzt wieder wie jedes Jahr gekommen. Beim Einkaufen sieht man sie allerortens wieder in den Einkaufswagen und auf den Kassenbändern: Fertigsalate, Partysalate aus den Kühregalen.

In mehr als 85 % der Haushalte sollen sie im vergangenen Jahr gekauft worden sein, im Schnitt seien 6 kg pro Haushalt verzehrt worden sein. Pro Haushalt finde ich ja persönlich sehr unpräzise im Vergleich zum Pro-Kopf-Verbrauch, aber sei’s drum.

Spitzenreiter ist der Fleischsalat, es folgen im Ranking „Spezialsalate“ wie Thunfischsalat, Waldorfsalat, Kartoffelsalat und Krautsalat.

Discounter konnten 2014 über 50 Prozent des Umsatzes von Feinkostsalaten für sich verbuchen. Ungefähr 36 Prozent des Umsatzes in diesem Segment entfielen auf die großen Verbrauchermärkte wie zum Beispiel Globus, Marktkauf, Kaufland, Kaufpark oder Real. Die Feinkostsalat-Einkäufe in Supermärkten machten hingegen nur knapp über 13 Prozent des Umsatzes aus.

Die teilweise deutlich günstigeren No-Name-Produkte aus den Discountermärkten oder Eigenmarken der Supermärkte stammen meistens von Markenherstellern wie Homann, Popp oder Merl. Allerdings unterscheiden sich die Zutaten und Rezepturen für diese Salate von den Markenprodukten.

Die fertigen Salate haben jedoch bei aller Beliebtheit das Image als Dickmacher mit reichlich Konservierungs- und Zusatzstoffen. Verbraucherzentralen kritisieren vor allem hohe Zucker-, Salz- und Fettgehalte sowie missverständliche Deklarationen bezüglich der Zusatzstoffe.

Björn Freitag hat sich als Vorkoster für den WDR im knapp 43-minütigem Video mit dem Thema „Partysalate Synthetische Dickmacher oder besser als ihr Ruf?“ befasst.

  • Er testet den Geschmack einer Auswahl von Partysalaten
  • Er lässt Kunden eines Einkaufszentrums raten, wieviel Zucker und Fett in drei klassischen Fertigsalaten enthalten ist (Kartoffel-, Kraut- und Fleischsalat) und überrascht diese mit den Ergebnissen
  • Er versucht selbst einen haltbaren Fleischsalat herzustellen und haltbar zu verpacken und herauszufinden, wie diese nach 4 Wochen aussehen und noch geniessbar sind (Wozu man das für den Eingenverzehr im Haushalt brauchen soll, erschliesst sich nicht, das ist als ziemlich überflüssig anzusehen. Denn wenn schon selbst und mit frischen Zutaten zubereitet, dann doch eh für den Anlass und zeitnahen Verbrauch. Und wenn man schon den Fettgehalt fertiger Salate – zu Recht – kritisiert, ist es recht unlogisch, in die selbst hergestellte Emulsion neben Mayonnaise, Joghurt, Senf dann doch wieder tüchtig Öl zu giessen. Wer weniger fettreiche Salatsaucen bevorzugt – wie ich selbst etwa – hat jede Menge kreativen Spielraum mit Joghurt, Sauerrahm oder auch Schmand als Basics, die miteinander und mit Senf oder anderen weiteren Zutaten verfeinert werden können. Absurd aber das Fazit Björn Freitags, dass sein selbst hergestellter Salat mit Konservierungsstoffen nach vier Wochen „sich doch blicken lassen könne“ – für diesen Satz würde er es verdienen, den Salat auslöffeln und aufessen zu müssen! )
  • Er peppt mit Studenten Fertigsalate mit frischen Zutaten auf (Nicht jeder Versuch scheint mir da wirkliche eine Verbesserung – ich sage nur Rote Beete Saft, nach dessen Zugabe die Zutaten undefinierbar zu einer einzigen halloweenartigen Mutation eines Salates werden;  und anstatt Fertigsalate nur aufzupeppen fände ich es dann sinnvoller mit den frischen Zutaten selbst gleich den Partysalat herzustellen)
  • Und er besucht den einzigen Fleischsalathersteller, der für einen Dreh zur Verfügung stand. (Zufällig der Hersteller jener Marke, die im Geschmackstest eingangs des Videos bei Björn Freitag am besten abschnitt. Dort ist Interessantes zu sehen, was in diesen Salat kommt und jeder mag für sich entscheiden, ob er das nicht trotzdem dann lieber selbst herstellt, was er sich unter Fleischsalat vorstellt)
Bayerischer Pressack würzig getürmt© Liz Collet

Bayerischer Pressack würzig getürmt© Liz Collet

Mein Fazit?

  • Schauen Sie sich das Video ruhig an…..und:
  • Vielleicht bereiten Sie Ihre Partysalate dann doch einfach wieder lieber selbst zu. Ob mit Mayonnaise (selbstgemacht oder handelsüblicher) oder weniger fettreichen Alternativen wie Joghurtdressings oder Vinaigrettes und anderen selbstgemachten Dressings – Sie brauchen dann nicht über die Dutzende von Zusatz- oder Konservierungsstoffe nachzudenken, die Sie nicht auf der Verpackung entschlüsseln können. Warum sollte man als Verbraucher und Kunde sich mit solchen auseinandersetzen, anstatt sie schlicht links liegen zu lassen? Im Regal des Handels. Und Sie wissen, dass in Ihrem eigenen Salat dann auch nicht mehr als ein Dutzend Zuckerwürfel wie im Fertigsalat enthalten sind. Oder unüberschaubare Mengen Fett. Die Zubereitung von Partysalaten ist zuviel Arbeit, Aufwand und Mühe? Wieviel mehr Mühe, Zeit und Energie (mit mehr als fragwürdigem Resultat beim Output) verwenden Verbraucher damit, mehr oder weniger herauszufinden, was das alles ist, was auf der Zutatenliste steht, es zu googeln, aus Medienberichten Nektar zu zuzeln, ob es gut oder eher nicht so gut für sie sein könnte, was da alles drin ist und zu lesen oder hören, was Verbraucherministerien dazu sagen, schreiben oder Foodwatcher und Verbraucherberatungsstellen darüber wissen und veröffentlichen und was zig Talksendungen darüber palavern? Und am Ende wissen Sie bei all der dabei vergeudeten Zeit was genau wirklich? Dabei wäre EINE Schlussfolgerung ganz unkompliziert: Einfach einen Bruchteil der Zeit nutzen. Und mit wenigen Zutaten Besseres selber machen. Und wissen, was drin ist. Sie täten nicht nur Ihrem Cholesterinspiegel Gutes, sondern auch Ihrem Salatherzen Gesünderes. Also…. Ihrem Herz und Herzblatt, das Salat gern mag.
  • Für selbstgemachten Kartoffelsalat braucht es nur 8 (!) Zutaten: Kartoffeln, Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Brühe, Essig und geklärte Butter und frische Petersilie oder Schnittlauch. Und aufpeppen kann man ihn mit Radieschen, Gurken, gekochtem Ei, Feldsalat oder Endiviensalat, Rauke; Löwenzahn, Kresse, Brunnenkresse Kräutern oder Blüten wie Kapuzinerkresse, Gänseblümchen und vielem anderen mehr, ganz nach Lust und Laune und immer wieder neu.
  • Für selbstgemachten Krautsalat braucht man maximal 9 (!) Zutaten: Weisskraut, Salz, Essig, Öl, Pfeffer, Prise (!) Zucker (Auf 500 – 750 g Weisskraut ca. je 1 Tl Zucker und Salz !). Und wenn man ihn bayerisch mag, gibt es Kümmel, ausgelassenen Speck und frische Kräuter darüber und dazu.
  • Und für meinen Fleischsalat brauchen Sie , wenn er mit Mayonnaise bereitet wird  exakt 9 (!) Zutaten: Wurst, Gurken, Schnittlauch, Zwiebeln und für die selbstgemachte Mayonnaise: Eigelb, Öl, Salz, Pfeffer, Essig, Zitrone und bei Zubereitung auf die leichtere und frischer Variante auch nur 9 Zutaten: Wurst (oder Braten), Gurken, Radieschen, Zwiebeln, Schnittlauch, Joghurt, Salz, Pfeffer, Zitrone.
  • Ich mag allerdings Salate mit Vinaigrettes lieber, zu denen gern auch klassischer Wurstsalat (Regensburger, Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Essig und Petersilie), sauer gelegter Pressack (weisser und roter Pressack, Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Cayenne, Essig und Peterl oder Schnittlauch) gehören. Beide muss man nicht, kann man aber wunderbar aufpeppen mit Radieschen, Tomate, Gurken.
  • Und wenn Sie Nudelsalate auch nicht fertig und immer nur mit Mayonnaise oder dem Whip aus dem Glas mögen, finden Sie manche Rezepte auch dafür hier oder da bei mir. Und dort jeweils immer und immer wieder neue Rezepte. À la main……. und am liebsten mit so wenigen, dafür so guten Zutaten wie möglich. Und völlig frei von Zusatz- oder Konservierungsstoffen……………. Nein, pardonnez-moi! Drei Zusatzstoffe kann ich nie völlig ausschliessen: Die unverzichtbare Prise Humor auch in der Küche und Backstube, eine unerschöpfliche Dosis Liebe zum Umgang mit Lebensmitteln und eine geradezu hemmungslose Portion wilder, kindsköpfiger Kreativität beim Zubereiten.

Geniessen Sie Ihr Wochenende und alle Zutaten, die daraus ein wirklich genussreiches machen!

Links zum Thema mit Informationen auch zur Sendung

 

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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