Ein NEIN ist ein NEIN ist ein NEIN, Frau Zemmrich – auch bei Demenzpatienten

Freiheiten © Liz Collet

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Oder haben Sie das als Frau schon vergessen, was NEIN heisst, Frau Zemmrich? 

Egal in welchem Alter, egal wo, egal wann?

DANN, sehr geehrte Frau Zemmrich denken Sie vielleicht ernsthaft darüber nach, ob Sie nicht eine Kandidatin für den Platz als dann noch jüngere Bewohnerin in eben jenem ersten Dorf von Demenzpatienten wären, das Sie besuchten, wenn Sie das bereits vergessen haben.

Denn wozu fragen Sie eigentlich die dortige derzeit jüngste Demenzpatientin Jessica Bartel (bei Min. 00:00:46)

„Darf ich mal stören?“

wenn Sie das dann nicht zu überhörende

„Nein“

nicht hindert, sie weiter zu stören?

Das ist genauso ungezogen und respektlos, wie die Frage derjenigen, die sich mitsamt dem eigenen Ego und der eigenen Wichtigkeit an Menschen in einer Schlange an der Kasse vorbeizudrängen suchen, noch bevor sie zu Ende gefragt haben „Darf ich mal vor, ich hab’s eilig.“ und erst recht bevor der Gefragte „Ja“ oder „Nein“ sagen kann. So, als sei der überholte Kunde und seine Zeit eh weniger wichtig und was auf ihn nach dem Einkauf warte, als der Drängler. Der zu 99 % der Fälle selbst dann höchst pikiert bis erbost auf ein „Nein, dürfen Sie nicht“ reagiert, wenn dieses mit dem nettesten Lächeln verbunden auf seine Vordrängelei und Ungezogenheit antwortet, die nicht einmal eine Antwort abwarten wollte. Als seien alle anderen auf der redensartlichen Brennsuppe dahergeschwommen, die er eigentlich eh nicht fragen müsste, weil ohnehin uninteressant ist, was sie sagen – Hoppla, hier kommt Mister oder Mrs Wichtig³. Wer kein Nein akzeptiert und respektiert, braucht eigentlich gar nicht zu fragen, sondern könnte sich eigentlich gleich vorbeidrücken. Aber dann stünde er ja als unhöflich da – und das soll die Placebo-Frage als soziales Zäpfchen kaschieren, das dem und den vor ihm Wartenden von hinten nur hastig reingedrückt wird, während er sich bereits vorbeidrängt.

Ungezogen ist und bleibt es. Und genau denen, die das nicht kümmert, schadet ein gelegentliches Nein zwischendurch am allerwenigsten – ob man Zeit hätte oder nicht. Weil jedes Menschen Bedürfnisse und Wünsche gleichermaßen Respekt verdienen. Ob das Nein von anderen und Ihnen in dem Moment rational verstanden wird oder nicht – ein Nein ist ein Nein ist ein Nein. Und bei Demenzpatienten nicht weniger, wie wenig rational es Ihnen scheinen oder Gründe haben oder nicht haben mag.

Sie sind Gast als Medienvertreter in einem Haus von Patienten, die Privatsphäre geniessen und beanspruchen dürfen und deren Persönlichkeitsrechte als erkrankte Patienten bereits durch Ihren Besuch als solchen eine Einschränkung erfahren. Wir gehen davon aus, dass die dazu erforderlichen Einwilligungen von denjenigen vorlagen, die diese zu erteilen haben. Und dazu gehört Recht am eigenen Bild bei Demenzpatienten auch dann nicht weniger, wenn der Träger einer solchen Einrichtung beim Hausrecht die Drehgenehmigung erteilte. Wie gesagt – davon gehen wir aus.

Aber wenn Patienten und Bewohner nein sagen, ist das dann unbeachtlich, nur weil sie dement sind? Nur, weil Sie partout nun mal Ihre Fragen loswerden wollen und nicht reaktionsgeschickt genug davon absehen wollen oder können, weil die Kamera bereits draufhält und Sie Ihr Mikrofon vor die Nase der Dame?

Eines der Themen ist, dass Demenzpatienten und ihren Bedürfnissen und Wünschen so weit wie möglich nach wie vor Respekt und Beachtung geschenkt wird.

Sie haben gezeigt, dass Sie das nicht tun – Sie ignorieren ein NEIN, das nicht nur jede Frau jeden Alters jederzeit sagen und dessen Beachtung sie erwarten kann, jeder Demenzpatient geschlechtsunabhängig ebenso.

Dass Demenzpatienten und auch die Dame schon einen Moment später dennoch weiter redet, ändert daran nichts, dass Sie die Chance vertaten, zu respektieren, was sie wünschte. Und dass sie es vielleicht nur nicht weiter verweigerte, weil sie nicht ausweichen konnte.

Kommen Sie mir bitte nicht mit dem Satz

„Sie wollte es doch im Grunde genauso wie ich“.

Groschen gefallen?

Respektieren, was Demenzpatienten wünschen, geht anders.

Besser.

Mit richtig zuhören fängt das an.

Um richtig und besser zu verstehen, was diese wollen und brauchen.

Und es dann zu ermöglichen.

Denken Sie mal darüber nach………..

…. Ni X für U ngut!

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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