Gipfel, Dienst & Gipfeldienstliches – das ist doch der Gipfel!

Close to Heaven © Liz Collet

Close to Heaven © Liz Collet

Nicht jeder fühlt sich so sicher, also so sicher informiert, wie er glaubt, dass es ihm eigentlich zustehe. Nachgerade abgeschnitten fühlt sich mancher da vom Informationsfluss.

Dabei haben wir es hier in der Region und nicht nur hier geradezu  mit reissenden Strömen des Flusses von Informationen zu tun, die selbst einem der letztem Wildflüsse Europas Konkurrenz machen, an dessen Ufern ich alles andere als ungern das Licht der Welt erblickte; schon seinerzeit quasi weitreichenden Überblick wahrend und vorausschauend, nämlich mit Blick auf den Gipfel der Zugspitze und über mehr als ein Tal.

Nehmen Sie es als bare Münze.

An der wir nicht nur gerne, nicht nur traditionell und historisch festzuhalten gedenken. Und auch nicht nur wegen des bekannten Münztors dort, wo Kaiser Ludwig der Bayer  Schongau schon 1331 ein eigenes Rechtsbuch mit Münzrecht verlieh. Aus gutem Grund und mit gutem Recht. Dessen man und dessen Wert man nicht zuletzt aus aktuellem Anlass mancher Diskussionen durchaus gedenken könnte. Was Bargeld und Münzen und Münzrechte wirtschaftlich wie politisch und alltäglich als Wert darstellen, den man weise[r] bewerten sollte, nicht kurzsichtig, sondern langfristig. Mit Blick auf Geschichte. Und Zukunft.

Nehmen Sie es ruhig als bare Münze, weil man dort an exponiert gelegener Stelle am Hang und über dem Tal entbunden wird, in welchem die mittelalterlich geschichtsverwurzelter Stadt und ihre Burgmauern und das Tal liegen, wo andere Geschichten kleiner Lizchen ihren Anfang nahmen.

Nun, wie gesagt, die Meldungen reissen gar nicht mehr ab aus dem Isartal, was alles verboten wird und ist und wo man nicht mehr hin kann.

Sogar die eine oder andere Bankfiliale schliesst – wie man es beispielsweise von der Deutschen Bank am Garmischer Bahnhofsplatz hört –  gar am kommenden bayerischen Brückentag nach Fronleichnam aus Sicherheitsgründen. Und die Moosbichlerin fragte prompt, ob dann auch der Geldautomat nicht mehr zugänglich sei und wann sie am besten dort noch rechtzeitig vor dem Gipfel ein paar Scheine abhole, damit sie über den Gipfel mit genug Kleingeld und Moos hinweg komme. So ganz genau habe ihr das aber keiner wirklich sagen können, erzählt sie mir. Angeblich weil man ja nicht wissse, wieviel Kleingeld sie so brauche, täglich. Und um ein paar Tage über die Runden zu kommen, habe der Mitarbeiter zu ihr gesagt.

„Hey, hey, reiss‘ Di ‚zam, Bürscherl, meine Runden hat die Natur geformt. Die Natur — und meine hausg’machten Kässpatzn!“

hätt‘ sie ihn da gleich einmal die Leviten gelesen, hat sie mir weiter erzählt. Von so einem Grischperl, so einem mageren Jungbanker, da  lasse sich doch eine gestandene Frau nichts vorschreiben, wenn es um sie und ihre Runden ginge.

Ein bisserl grawottisch sei sie dann eh geworden, als sie ihn fragte, ob das jetzt etwa schon der erste Pilotversuch sei, in dieser Bank das Bargeld abzuschaffen. Wenn das nämlich der Fall sei, dann würden der Bank in Garmisch auch die zum Gipfel in der Region parat stehenden 19.000 Dienst schiebenden Beamten nichts nutzen: Wenn es um ihr Geld und Bargeld ginge, da solle man sich lieber nicht mit ihr anlegen – virtuelles Geld könnten sie nämlich behalten, sowas drehe man ihr, der Moosbichlerin schon mal gar nicht an. Da könnte man dann gar nicht so schnell schauen, wie sie dann die Bank wechseln würde, die ihr kein Bargeld zum Barzahlen, Bezahlen und Wechseln geben wolle. Wenn das so weit komme, dann wäre der schwarze Freitag nicht nur Geschichte, sondern da würde es zappenduster für die Bank dort. Dann nämlich würde sie und alle, die sie dafür mobilisieren könne so fix die Konten der Bank leeren und das Konto dort schliessen lassen, dass die nicht schnell genug die Filiale schliessen könnten und keine Sicherheitskräfte in Gipfelstärke könnten dann dem Jungbanker fix genug zur Seite stehen, um zu verhindern, wie schnell sich demonstrieren liesse. Also – demonstrieren, was man hierzulande von solchen Schnapsideen wie der Abschaffung von Bargeld hielte und den Eintausch nicht gegen Kleingeld sondern die „AllesundJedesÜberwachbarkeit“ virtuell zu tätigender Geldbewegungen per Handy & So & Co. Wer letztere als den Stein des Weisen zu verkaufen suche, solle sich als Wirtschaftsweiser sein Lehrgeld auszahlen lassen. Groschen für Groschen, bar, versteht sich. Weil dann vielleicht auch bei diesem doch noch die Chance bestünde, dass der Groschen noch fiele. Hat die Moosbichlerin gesagt. Wie gesagt, sie kann bissi grawottisch werden. Manchmal.

Ich wäre gern dabei gewesen, das verdutzte Gesicht des Jungbankers hätte ich zu gern gesehen. Mit der Moosbichlerin, da legen Sie sich auch nicht an. Die 19.000 Beamten im Dienste des Gipfels sowenig wie die 2.100 „Reservisten“ aus dem Nachbarland. Vor der Moosbichlerin zucken selbst gestandene Gebirgsschützen nicht nur mit den Augenbrauen, sondern gehörig zusammen, wenn die ihnen den Marsch bläst. Daher leihe ich mir die Moosbichlerin auch gelegentlich gern, wenn’s ein bisserl Schützenhilfe mit „Überzeugungskraft“ braucht.

Aber Scherze beiseite. Teils begegnet man paranoid anmutendem Gipfelfieber, um nicht zu sagen Gipfelrausch, bei dem offenbar einige so malerisch Gefahren für die Lüfltmalerei ausmalten, dass sie Kunden für sehr spezifische Versicherungsabschlüsse gewinnen konnten. Ein Gipfelfieber, das sich auch in manchen Geschäften der Region an Besorgniserregendem viral auszubreiten scheint. Wie beim Dialog zweier  Mitarbeiterinnen einer Drogeriefiliale in Garmisch:

„Ich hätte dann aber lieber gern ein paar Tage Urlaub während der Gipfeltage“

„Wuist Bergsteigen oder was?“

„Nein, ich mag lieber Urlaub nehmen, wenn die Gipfelgegner bei uns dann herumkommen und womöglich auch in den Geschäften Randale machen“

„Nix gibt’s – hier wird nicht zug’sperrt zwegn dene Demonschtrierer, und auch nicht gestreikt und Urlaub g’macht. Mia brauchn da jeden Mann. Und wenn von denen oana moant, er kannt uns da maschkiert daschrecka, nachert schaugt er scho, wer da wen mehra daschreckt, wenn mia unserne Maschkera loslassen und unserne Maschkera aufham. „

Wenn Sie bisher noch Zweifel daran hatten, wie hübsch und amüsant und ausserdem alltagsbrauchbar Brauchtum  in meiner bajuwarischen Heimat sein kann und besonders im Pfaffenwinkel, im Karwendel, der Zugspitzregion, dem Werdenfelser wie auch dem Blauen Land sein kann, lernen Sie das spätestens bei solchen Gelegenheiten, be sure.

Sie glauben mir das nicht? Ha – folgen Sie mir in meine kleine Küche. Nein, nicht in eine solche, welche mit ausg’schamten Preisangeboten die Versorgung der Bodentruppe, pardon: der Diensthabenden aus den Reihen der Freunde und Helfer gegen akuten Hungertyphus übernehmen wollte. Und auch nicht in die Küche der kleinen Lindenburg, sondern in die der hochbrisanten Geheimnisse und Gerüchte, wo sie brodeln und köcheln, die Whisperbotschaften. Die jeden diplomatischen Hürden- und Staffellauf bis an den Staffelsee überwinden: Brauchtum ist in höchsten politischen Kreisen aktueller als nie. Als Geheimwaffe, vermutlich. Die Dame aus der Drogerie hat das Verteidigungspotential längst auch erkannt, siehe oben. Da muss man nicht mal global mächstigste Frau, sondern nur mächtigste Frau in der Drogerie, sprich Filialleiterin sein. Um genauso pfiffig wie mächtigste andere …..na, Sie wissen schon. Oder lesen es eben hier. Wenn Sie mir mal wieder nicht alles glauben wollen, was Sie mir besser glauben sollten. Oder auch nicht.

Die Murnauer Freiwillige Feuerwehr, welche dieses Jahr immerhin ihr stattliches 140-jähriges Jubiläum feiert, ist manchen Sturm und nicht nur feuer- und wassergefahrenerprobt, sondern probt  auch rechtzeitig vor dem Gipfelsturm den Ernstfall für den Fall der Fälle parat zu sein.

Und wer kann, legt manches um. Manches! Tztztz…. Sie wieder. Nein, nicht manchen. Höchstens manchen Termin. Und manches, was nicht grad zu den Gipfeltagen sein muss. Wie nach Garmisch, Mittenwald oder gar nach Krün fahren. Mit der Bahn. Und mit dem Auto. Oder zu Fuß, wo manche Route entweder gar nicht geht oder eigentlich gar nicht geht und eh verboten werden müsste. Wenn’s da nicht so ein Demonstrationsgrundrecht gäbe. Und besser ist man dann auch mit dem Radl nicht unterwegs dort. Letzteres könnte eh besonders verdächtig ausschauen. Weil man mit so einem Radl ja überall hin könnt, wenn da jeder käme, der irgendwo hin wollte, würden vielleicht die 19.000 Diensthabenden nicht mal mehr gelangen, wenn man die 2.100 polizeilichen Leiharbeiter einzeln hinter alle Bäume rund um Elmau sitzen und aufpassen lassen würde, auf die man eh besser extra aufpassen würde, dass sie dort dann hinter ihrem Aufpasserbaum nicht selbst was anstellen, wo man sie hinstellt oder hinsetzt. Sagt………..(ja, Sie ahnen es)  die Moosbichlerin.

Haben Sie einen erfolgreichen Tag!

Und ich…..ich bin dann mal vielleicht doch mal noch mit dem Radl unterwegs. Auf Route und Tour. Und vielleicht auch zu dem einen oder anderen Termin. Und um ein paar Portionen Schmankerl vorzubereiten. Nein, nicht so ungefähr 19.000 plus 2.100 oder so……….. egal, was Ihnen da gerüchteweise zu Öhrchen gekommen sein soll. Und wenn’s so wäre,……………pssssst…. ich unterläge dann einer Geheimhaltungsstufe, gegen welche die anwaltliche Schweigepflicht ein Spaziergang durch’s Isartal wäre. Und nun huschhusch……….. es liegt genug auf der Werkelbank, das sich halt nicht von selbst erledigt, wenn man es nicht selber macht. Auch während des Gipfels und während selbiger mit Macht und Mächtigen näher rückt. Sie wissen ja – es ist der Gipfel. Aber manches wird dann geschlossen und nicht möglich und daher besser noch schnell vorher zu erledigen sein. Und mancher nimmt dann eh lieber gleich Urlaub. Wer kann. Wer kann, der kann. Die anderen ……….haben ja noch ihre Maschkera. Um manches zu verteidigen und sich mancher Vorstösse zu erwehren. Wo es um Rechte, Freiheiten, Freiheitsrechte und………Münzrechte und mehr oder weniger kleine Münzen geht. Die der Verteidigung wert sind.

Spätestens dann, wenn anderenfalls die Moosbichlerin auf die Idee käme, Angriffe darauf mit barer Münze heimatlich zu ….pardon: heimzuzahlen. Denn DAS wäre wirklich der Gipfel, sagt die Moosbichlerin, wenn man sich das gefallen liesse, dass einem das Bargeld aus der Tasche der Lederhose oder sonst aus der Tasche gezogen würde!

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Über Liz Collet

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3 Antworten zu Gipfel, Dienst & Gipfeldienstliches – das ist doch der Gipfel!

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