„Wir wollen unser normales Leben zurück!“ {Die Sache mit der selbstbestimmten Erwerbsbiographie im Lichte des Alltags}

Reform des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes , Familienpolitik, ElterngeldPlus

Kindererziehungszeiten© Liz Collet

„Wir wollen unser normales Leben zurück!“

Nicht jeder heisst Schlohmeyer.

Und nicht jeder Schlohmeyer ist ein Schlaumeier, der für alle Fälle der Fälle sein Leben vorausschauend und weise Karriere und Kinder und Kindertagesstätten und deren Streiks unter einen Hut zu bringen erfolgreich gemeistert hat. Jenem Leben, in welchem er schlicht sein Erwerbsleben durch Home-Office organisiert hat, wie jener Schlau-….pardon Schlohmeyer, den unser Experte für hübsche und humorvolle Illustrationen und spitzer Feder hier ins Bild und aus dem Bürostuhl gesetzt hat. Nur die Lücke (oder derer genauer gesagt mehrere Lücken, wenn Sie mal durchzählen bei den Lücken im Panzer) hinterlassend, die ahnen lässt, dass da noch eine bereits besetzte Personalstelle beschäftigt wird. Wenn sie auch nicht visuell anwesend ist.

Und so hört man hier und da revoltierende Rufe aus der Elternschar, …siehe oben.

Die Sache mit der selbstbestimmten Erwerbsbiographie, die ich HIER in einer Veröffentlichung der Hans -Böckler-Stiftung („Das Recht auf eine selbstbestimmte Erwerbsbiografie“ hier bestellbar und zum Download verfügbar) aus bestimmten Gründen nicht nur ganz zufällig entdeckte und kenne – und die Sie leichterhand beim Blick auf Seite 41 (wieder-)erkennen werden – ist theoretisch eben schön und wohlklingend. In Worten, die da lauten

„Das Recht auf eine möglichst selbstbestimmte Erwerbsbiografie ergibt sich schon aus dem Grundgesetz: Artikel 12 garantiert die Berufsfreiheit und das Recht auf professionelle Weiterentwicklung.
Außerdem hat jeder das Grundrecht auf Privat- und Familienleben – was eine angemessene Abstimmung von Erwerbs- und Sorgearbeit einschließt.“

Eine  sehr lesenswerte Broschüre darüber, wie Beschäftigte  Erwerbsarbeit, Familien- und Sorgearbeit, Qualifizierung und gesundheitsbedingte Anpassungen unter einen Hut bringen müssen und die Ergebnisse einer einer umfangreichen Studie, ob und wie das praktisch aussieht und wo Nachholbedarf und Optionen und Möglichkeiten bestünden.

Interessant auch deswegen, weil sie das Feld der „Sorgearbeit“ ins Blickfeld rückt – die Rolle, welche wie so oft wieder Frauen betrifft, die nach Kindern oder gar zusätzlich zu diesen weitere sorgende Aufgaben in Familie und Gesellschaft übernehmen und dafür nicht unerheblich Einschränkungen in der Erwerbsbiographie und damit auch in der Rentenbiographie hinnehmen. Mit Konsequenzen für ihre eigene Altersversorgung finanziell und damit auch praktisch, wo neben Altersarmut auch pflegerische Versorgungsmängel zum Thema werden, die bis heute wenig, nicht die gebotene und verdiente Aufmerksamkeit, geschweige denn Lösungen erlangen.

Was nun den eingangs erwähnten Akut-Zustand der nervlichen Drahtseile kita-streikbetroffener Eltern angeht, soll es gerüchteweise Eltern geben, die nach DIESER Methode nicht nur mal eben ihr Erbgut auf zwei Beinen anderen (Gross-)Eltern mit Kindern für einen wönzögön kleinen Café-Besuch à deux im Urlaub zur Aufsicht und Betreuung überlassen haben, als sie einen Kurzurlaub zu Beginn des KiTa-Streiks mit dem Sprössling einlegten. Sondern von einem solchen Café-Besuch bisher nicht wieder zurückgekehrt seien. Gerüchte, ….. wie gesagt. Die freundlichen Eltern, welche gutmütig die kurzfristige Mitbetreuung des Sprösslings übernahmen, fanden später (so schildern es Gerüchte) ein Kuvert und Brieflein der vermeintlich nur ins Café entschwundenen Eltern an der Rezeption des Hotels, nach Ende des unbefristeten KiTa-Streiks werde man den Filius bei ihnen gern wieder abholen unter der beim Hotel erfragten Heimatadresse der mitbetreuenden Eltern. Man sei ja heutzutage auf jede Hilfe angewiesen, wenn man in der Not unbefristeter KiTa-Streiks Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes haben müsse……….

Könnte also zwei- bis dreimal zu überlegen sein, ob und wessen Kinder man sich aufhalsen lässt nach der Methode

„Sie passen doch sicher gern mal bisschen auf unser Paulchen mit auf, gelle!? Danke und tschüs bis später“.

Und zu Kirsten Boie’s Ratschlag nur mal so als Tipp von mir:

„Was Du heute kannst besorgen, …..“ ist auch in solchen Fällen nicht die schlechteste der Lebenserfahrungen.

Zu meinen eigenen gehören übrigens zwei Kinder einer Mutter desselben Kindergartens, in den mein Sohn ging, die mich für eine mehrtägige auswärtige  „Fortbildungstagung“, die sie unbedingt für ihren Job brauche  „als Alleinerziehende, welche von der eigentlich geplanten Kinderbetreuung kurzfristig im Stich gelassen worden sei“ bat, ihre Sprösslinge mehrere Tage bei uns wohnen lassen zu dürfen, die ja gemeinsam dann tagsüber den Kindergarten besuchen würden. Was ich nicht ahnte, war zweierlei. Nämlich welche „Gäste“ die beiden Buben mitbringen würden (und was die Mutter durchaus wusste, ich aber erst im Nachhinein erfuhr) und was dazu führte, dass die zwei wie auch mein eigener dann in Quarantäne kamen und meinen Arbeitsalltag damit über den Haufen warfen. Und wohin die Dame tatsächlich gereist war. Aber das ist eine Geschichte, die ich an anderer Stelle ausplaudere. Kapitel: Kinder, Kindergarten und Kämme für Kopfläuse.  Und unhübsche Wahrheiten und Realitäten von angeblicher Frauensolidarität, an die nicht selten von eben solchen Mitmenschen appelliert wird, für die das ein Fremdwort ist. Humor ist eine wunderbare Zutat, auch derlei zu lösen, zusammen mit der erforderlichen Fähigkeit zur Selbstorganisation auch an solchen unerwarteten Hürden. Konsequenzen zu ziehen bei manchen Menschen und klare Grenzen eine andere Zutat. Zu beidem gehören dann auch kleine Überraschungen, mit denen man sich bei solchen Mitmenschen revanchiert. Welche………wie gesagt…. an anderer Stelle.

Aber: Was glauben SIE denn wohl, wen Sie nach der von Kirsten Boie vorgeschlagenen Ankündigung an solche Eltern anderntags noch am Strand vorfinden werden? DIE Eltern sicher nicht nochmal, die ihre Kinder lieber abgeben, als schon die eigenen mit ins Café, geschweige denn sich auch noch der Kinder anderer anzunehmen.  Wenn Sie also solche Eltern überhaupt in Erwägung ziehen auch vice versa dann Ihre eigenen Kids zu hüten, dann seien Sie doch bitte schlagfertig genug, diesen zuvor zu kommen, gleich in dem Moment, wenn diese Sie um „kurzzeitige Mitbetreuung“ bitten. Beispielsweise mit der Antwort:

„Ohhhhhh, dem Himmel sei Dank, das mache ich natürlich sehr gern, wenn Sie nur einen wönzögön Augenblick warten würden, ich müsste nur gaaaaaanz kurz für kleine Strandtigerchen …ich wollte nur meine deswegen so ungern aus den Augen lassen… Danach hüte ich liebend gern Ihr Paulchen mit“

Muss ich Ihnen jetzt wirklich noch sagen, wie SIE diese wunderbare Gelegenheit, Ihre drei, vier Kindelein von so netten vertrauensvollen anderen Eltern betreut zu wissen, nutzen und sich selbst Zeit für einen ruhigen, ausgiebigen, langen Kaffee gönnend verwenden werden? Oder was Sie sonst schon immer gern getan hätten, während Ihre Kinderschar Sie auf Trab hielt und von solchen Chancen nur träumen liess?

Und……..btw………für Eltern, deren Paulchen Sie mithüten sollen, die aber Ihnen nicht vorher noch fix die Chance für den Spurt für kleine Strandtiger gäben, haben Sie dann ja selbst eine passende Antwort parat, oder?

„Nein“….wäre eine prima Option. 😉

Advertisements

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
Dieser Beitrag wurde unter Arbeitsrecht, Betreuung, Bildungs- und Jugendpolitik, Gesetzgebung, Ironymus Sein, Kommentar, Law Art, LAWun[d]ARTs, Münchner Spitzerln, Murnauer Spitzerl, Nähkästchen, News & Medien, Ni X für U ngut, Pflege und Vorsorge, Re-View mit Augenzwinkern, Rechts und Links reingeblinzelt, Your Daily Dope abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s