Erweiteter Suizid – (k)ein Fall für Instrumentalisierung in Familienrechtspolitik!

Well Protected© Liz Collet

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Schon als die ersten Meldungen zunächst ausschliesslich über die drei aufgefundenen Leichen eines Erwachsenen und zweier Kinder unter der Fuldaer Brücke über die Presseticker gingen und noch völlig offen war, ob und wie die Aufgefundenen zu Tode gekommen sein könnten, mag manchem durch den Sinn gehen, ob diese durch Unfall (alle drei?), durch Suizid oder durch ein Gewaltverbrechen (unter der Brücke begangen, unter der Brücke Auffinde- und Ablage-, aber nicht zwingend Tatort, von der Brücke aus) vorliegen könnte.

Man muss nicht zu jeder Meldung und zu jeder gleich kundtun, was als Assoziationen oder Spekulationen in den Sinn oder in Betracht kommt. 

Leser tun das dennoch und aus unterschiedlichen Gründen und unterschiedlichen Gründen der Betroffenheit wie bei vielen schrecklichen Meldungen. Dagegen ist per se nichts zu sagen, Mitgefühl etwa ist schliesslich kein negative der menschlichen Eigenschaften. Eher ihr Mangel und der Mangel an Empathie.

Unsäglich aber muss erscheinen, wenn bei Meldungen über einen solchen Leichenfund und bei der dann erst und nur vorhandenen weiteren Information, dass es sich um einen Vater und seine beiden Kinder handle, „interessierte Kreise“, die sich die Stärkung der Rechte von Väter auf die Fahne geschrieben haben, Fälle wie diesen umgehend instrumentalisieren für ihre rechtlichen, sozialen und politischen Anliegen.

Dabei den Vater und seine (angebliche) Verzweiflung als Opfer der Sorgerechtsregelungen und -rechtsprechung, als gemeinsames Opfer und als gemeinsam mit seinen Kindern in den Tod gegangenen Vater hochstilisieren.

Und es in sozialen Medien so dargestellt posten, als seien Vater und Kinder alle drei gar und in gemeinsamer verzweifelter Entscheidung in den Tod gegangen. Alles bevor auch nur klar war, ob das so ist und ob es nicht viel naheliegender sein könnte, dass es ein erweiterter Suizid, nichts anderes also als mehrere Tötigungsdelikte durch den Vater vor dessen eigenem Suizid war.

Ich verlinke hier bewusst nicht zu den Posts solcher „Interessenkreise“ und ihren Pages, weil ich es ganz bewusst nicht auch noch unterstützen will, dass diese zusätzlich Zulauf und Zuspruch erhalten und „Werbung“ und Zulauf für ihre FB-Gruppe, ihren Verein oder ähnliche „Selbsthilfe“-Gruppen benachteiligter Väter, die einen solchen Fall dann so beschrieben instrumentalisieren. Ich gewähre diesen jedenfalls in meinem Blog keine zusätzliche Bühne, wenn sie selbst das Schicksal getöteter Kinder als Inszenierung eines Väter-als-Opfer-Spektakels missbrauchen.

Seriöse, sachliche und ernsthaft bemühte Gruppen findet ein etwaiger betroffener Elternteil oder Vater hingegegen auch auf anderem Weg.

Abseits von der irreführenden und entstellenden Darstellung vor und jenseits der noch nicht einmal von den Ermittlungsbehörden und damit der Presse freigegebenen Faktenlage des Falles durch solche „interessierten Kreise“, die sich Väterrechten und der Anprangerung ihrer Diskriminierung verschrieben haben, ist es eine geschmacklose Instrumenatalisierung des Falles selbst, erst recht aber der eigentlichen Opfer: Der Kinder. Getöteter Kinder. Von ihrem Vater getöteter Kinder – wie zwischenzeitlich bekannt ist.

Nichts, aber auch gar nichts kann rechtfertigen, einen Vater, der seine Kinder tötet, als Opfer darzustellen, als Opfer einer Sorgerechtsstreitigkeit, sei sie bereits gerichtshängig oder sei sie bereits entschieden oder auch rechtskräftig. Wer seine Kinder aus – selbst einer ungerechten – Sorgerechtsstreitigkeit oder -Entscheidung tötet, ist kein Opfer.

Sondern Täter.

Dessen eigener Suizid ihn zudem seiner rechtlichen, strafrechtlichen und nicht nur der väterlichen Verantwortung für diese entzieht.

Aber im Besonderen und in allererster Linie der väterlichen Verantwortung, die weit über die blossen Väterrechte hinausgeht.

Und nicht allein in solchen Rechten und einer nicht zu rechtfertigenden Tötung als Antwort auf (mutmasslicher, etwaiger oder vielleicht nicht einmal wirklich vorliegenden oder selbst tatsächlicher) Verletzung solcher väterlicher Rechte durch wen auch immer liegen kann und darf. Wer so handelt decouvriert nicht und schon gar nicht nur Verzweiflung, sondern dass er seine eigenen Rechte und Kränkung selbiger höher ansetzt, als Verantwortung für und Liebe zu den eigenen Kindern und deren Belange und Bedürfnisse vor die eigenen zu stellen, das Wohl der eigenen Kinder.

Wer so handelt, müsste sich fragen lassen, ob er damit nicht selbst mehr als jeder andere belegt, dass er als Vater ungeeignet ist. Wenn er sich dieser Frage noch wie auch der kriminellen Tat der Tötung der eigenen Kinder und ihrer strafrechtlichen Verfolgung stellen müsste und nicht entzogen hätte.

Interessengruppen, die daraus einen Fall machen, der exemplarisch geeignet sei um Änderungen der rechtlichen oder rechtsprechenden darzustellen, müssen sich dann aber diese Frage stellen lassen, ob sie durch ihren Vater getötete Kinder und einen solchen Vater als geeignet ansehen, um Väterrechten zu mehr Geltung zu verhelfen? Oder ob ihnen nicht im Tunnelblick auf diskriminierte Väterrechte das Augenmaß, der Blick auf Kindeswohl und Kindesbelange, die Empathiefähigkeit für deren Schicksal bei solchen Meldungen verloren gegangen ist, wenn sie Fälle wie diese und zumal ohne nähere Kenntnis der Personen und Motive, der Hintergründe missbrauchen, um Väter zu Opfern zu stilisieren?

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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