Die bei der SZ hat’s ja……

1. Klasse

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Wenn Sie im Posttitel einen Schreibfehler vermuten, irren Sie. Ein des Altmünchnerischen und des Bajuwarischen Sprachklangs mächtiger Leser  erkennt auf Anhieb, was gemeint ist. Und genau so darf und soll man es auch verstehen.

Denn genau das kommt einem in den Sinn, wenn man den Text liest, mit welchem man bei der SZ sowohl in der Twitter wie in der Facebook Timeline den verlinkten Artikel einleitet, in welchem es um den Preis von Schultüten geht.

Bei der SZ hakt’s wohl mit den Maßstäben von Geiz und Geld!

Wir wollen mal ganz beiseite lassen, dass es angesichts der (echten!) Not von Kriegsflüchtlingen, die so manches brauchen können und für das viele Menschen abseits der gern derzeit zitierten flüchtlingsfeindlichen Parolen und Taten auch vieles geben, ehrenamtlich im Einsatz sind und einiges leisten (auch wenn manchem dann das Feldbett nicht gut genug scheint) Prioriäten bei der Verwendung des Budgets, das jede Familie für ihre Kinder und deren Bedarf und Bedürfnisse hat, bereits eine Schultüte für 56,60 Euro und erst recht für Schultüten, die rund 1/4 der Monatsmiete oder Rente mancher Menschen kosten, dekadent zu nennen ist.

Allen Ernstes liest man da „in welchem Bundesland die Eltern am geizigsten sind.“

Geht’s eigentlich noch? Cerebraler Hitzeschaden beim Schreiber solcher Sätze in der SZ?

Bei einem Preis von 56,50 Euro von „Geiz“ der Eltern zu sprechen, finde ich mit Verlaub unverschämt und überheblich.

Ich finde es vielmehr erstaunlich, dass nicht schon dieser Preis hinterfragt wird, erst recht teurere Schultüten und diese zum „Statussymbol“ zu kultivieren, bei dem Eltern „mithalten“ müssen bei einem Geschenk, bei dem sie mit diesem Preis bereits als geizig bezeichnet werden. Während Schultasche und Schulsachen ohnehin das Budget vieler Eltern mit einem und erst recht mehreren Kindern leicht mit ca 80 bis 100 Euro pro Kind belasten, selbst wenn Schulranzen gebraucht gekauft oder weiter gegeben werden.

Vielleicht gelingt es der SZ mal wieder den Blick auf das Statussymbol zu lenken, das beim Schulanfang höher zu werten ist:

BILDUNG.

Und btw auch HERZENSbildung. Menschlich. Und als soziales Gut.

Der Eltern wie der Kinder. Ob gegenüber Flüchtlingen oder hinsichtlich von Werten, die es wirklich und mehr wert sind, in sie zu investieren: Zeit, Geld, Aufmerksamkeit, Empathie, Freude, Kinder, Mitmenschen. Aber nicht mit überteuerten Gütern, die einen Tag getragen und dann geleert werden. Sondern mit Zeit für Kinder, Bildung von Kindern in erster Linie.

Wer nicht begreift, dass Bildung und der Zugang aller jenseits „bildungsferner Einkommenssituation“ das ist, woran nicht zu geizen sein sollte, der hat in einem Medium, das sich nicht zuletzt auch der Informations- und Bildungsöffentlichkeit und -gesellschaft verschrieben haben will, seinen Job verfehlt. In einem der Medien, die wenige Artikel vorher und danach wieder den armutsbedingten Bildungsmangel beklagt.

Eltern geizig zu titeln, die vernunftbegabt sind, nicht auch noch eine Schultüte und deren Preis zum Statussymbol zu missbrauchen, ist ignorant.

Ein Budget, von dem manche selbst bei 56,60 Euro mindestens eine Woche leben, für eine Schultüte als geizig zu titeln, ist geschmacklos, während nicht nur Rentner, sondern oft auch manche Kinder froh über Arche Essen sind und ohne Frühstück in die Schule kommen.

Aber aus diesen Themen kritzelt sich dann – wieder zur Hätschelung der Erregungskultur der SZ-Leserschaft – der nächste Artikel, am liebsten verbunden mit dem Schrei nach der Politik und Geld vom Staat für mehr Bildung für Kinder und Eltern. Denen es – nach der Schultüte für mehr als 100 Euro – naheliegenderweise dann für die Schulhefte und den Schulausflug nicht mehr reicht.  Wenn sie für die Schultüte nicht geizen wollten und sollten. Nach den Maßstäben der SZ. Denen es ersichtlich an der Fähigkeit für Prioriätensetzung fehlt.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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