Live? {NICHT kichern!}

Screenshot SZ Online 13.8.2015

Screenshot SZ Online 13.8.2015

Mit Live-Blog des Journalisten aus dem Gerichtssaal?

Man wird doch mal fragen dürfen….
In Münchner Gerichtssälen sollen ja manche Journalisten schon verhungert sein. Wie sie aus dem Ticker der Liveblogs verlautbarten. Also…beinahe verhungert. Aber schrecklicher Hungerfolter unterzogen worden sollen sie sein. Vielleicht, weil sie schon vor Prozessauftakt ganz ausgehungert nach Skandalösem zum Berichten waren. Zu ausgehungert und dürstend danach, um noch zur eigenen körperlichen Verköstigung imstande zu sein. Köstlich. Zum Wiehern. Die Medien. Manchmal. Und unsere galopierende Fantasie.

Oder?

„Sommerloch. Sommerliches. Skandale fehlen halt. Seufz.“

…..Soll einer schwer das Haupt wiegend in einer Redaktion gestöhnt haben. Kann aber auch nur ein Gerücht sein. Aber es wäre eine Spur auf der Suche nach Erklärungen, warum nun selbst Geschlechtskrankheiten der Pferde und Streitigkeiten von Pferdezüchtern mit „Misslungene Pferdepaarung vor Gericht“ Schlagzeilen hergeben.

(Wir sind noch immer im Kopfkino des Kenners der Säle und Flure und Treppen des Münchner Oberlandesgerichts und haben Szenerien vor Augen, in denen Hubsi und Hansi oder einer vom „7.“ die beiden paarungsbestimmten Rössl in einen Aufzug zu zwängen suchen oder über die Stufen des OLG in einen der Säle vorzuführen versuchen. Bemühen uns aber, ernst zu bleiben. Ernst zu werden. Mit Disziplin und Zucht…. äh, ja. Sie merken ohnehin, das ist nur von begrenztem Erfolg gekrönt.).

Zurück zu den Schlagzeilen. Unter denen dann Sätze wie

„Misslungener Sex unter Islandpferden dürfte aber auch bei altgedienten Juristen nicht all zu oft auf der Tagesordnung stehen. „

folgen.

Misslungener Sex? Wir stellen uns nun lieber nicht vor, wie sich der Autor des Artikels Pferdezucht vorstellt und was er unter ge– oder misslungenem Sex begreift – also bei Rössern.

Wo es beim OLG München de facto wohl um gelungene (vollzogene) Paarung („Sex“), aber misslungene Deckung (Schwangerschaft/Trächtigkeit) plus Ansteckung (Verdacht der Ansteckung dabei) ging.

Vor lauter bemühtem und nicht zündendem flachem Witz des Artikels bleibt ein vielschichtigeres, eigentlich rechtlich durchaus interessantes Thema auf der Strecke. Vor lauter banalisierend anmutendem Bericht, der einen solchen Fall nicht nur als ungewöhnlich, sondern possengleich skurril darstellt, dem über diesen einzelnen Fall hinaus (wenn überhaupt in diesem) eigentlich wenig justizielle Bedeutung, noch weniger über diesen hinaus an praktischer Relevanz beizumessen wäre?

Tierzucht. Und die Tierhalterhaftung als solche, Fragen der Darlegungs- und Beweislast und der Kausalität in der Zucht, die nicht nur bei Pferden interessant sein können, bei welchen je nach Art und Nutzung der Tiere (Turnierpferde, Zucht, seltene Rassen) die finanziellen Schäden eine, der Schaden für die Zucht und den Erhalt eine andere nicht unwesentliche Frage sein können.

Denn wie ist das nicht nur bei Pferden, sondern auch bei anderen Tierrassen, die selten geworden sind, bedrohte Arten nachgerade, aber in ihrer Erhaltung wieder Wert und Bedeutung gewinnen? Von manchen gibt es – wie ich unter anderem hier bereits in einem Beitrag ausplauderte – nur einige hundert Stück, um deren Erhalt man sich bemüht. Als Art. Und auch als Lieferant für „besseres Fleisch“ und Lebensmittel oder Wolle. Mehr als nur , aber auch kulinarisches Erbe der Alpen, beispielsweise.

Und welche auch die Aufgabe haben, ein Biotop zu erhalten, wie dieser Arzt und Rinderzüchter erzählt, der sich der Zucht von Werdenfelser Murnau Rindern leidenschaftlich verschrieben hat.

Tierzucht, Tierrassenzüchtung und -erhalt und auch etwaige Fragen der tierzuchtrechtlichen und -hygienischen Regeln wären von mancherlei Interesse für die Öffentlichkeit und Leser. Nicht nur für platt und possenhaft geschilderte Justizfälle. Und nicht erst dann, wenn sich Tiergesundheit oder Zuchtfragen bei Medien gern als schlagzeilenträchtiges Thema von Pferdefleisch und Pferdefleischqualität in Lasagne, als Lebensmittelskandal oder als Gammelfleischskandale und Verbraucherskandale oder Zucht und Züchtungen bei Pflanzen wie Tieren sich mit skandalisierbaren Schlagworten der Gentechnik und Unternehmensmonopolen und -patenten aufgreifen und wochenlang medial inszenieren lassen.

Auch und gerade im Sommerloch…..liesse sich manches mehr aus manchen Themen machen. Auch am Rande der Sommerfrische im Werdenfelser, Zugspitz- oder Blauem Land. Und dort, wo manche solcher Arten noch zu finden sind und Experten zu Fragen von Züchtungen rund um Pferd, Rind, Schaf und Ziege zu finden, die auf rund 1000 Jahre Pferdehaltung historisch zurückblicken können.

Manchem Besucher lüftet a bisserl Landluft das Hirn wieder frei für bessere Beiträge und Themen. Beim Land. Live. Und nicht nur beim Blättern der LandLive. Und dem, was man sich „in der Stoodt“ so unter dem Leben auf dem Land vorstellt.

Während man sich das Biofleisch unter der Frischhaltevakuumpackung in der Styroporschachtel in den Einkaufswagen gelegt an der Kasse anstellt und in pittoresken Zeitschriften rund um Landlive und Lifestyle idyllischen Landlebens blättert.

Und überlegt, ob es genügt, auf das Etikett auf der Fleischpackung zu vertrauen, das suggeriert, dieses sei nur gentechnischfrei gefüttert und bis zur Schlachtung durch Handtotstreicheln nach BIO-Zertifikaten gezüchtet und gehalten worden.

Oder ob man nicht vielleicht doch demnächst auf Zucchini-Vetschie-Wurst umsteigen muss. Wenn nicht der Hornochs von einem Ehegatten…, also der Göttlichste der Grillzeremonienmeister nach wie vor noch auf einem steinzeitlich üppig genug portioniertem Rankl Fleisch mit mammutmarmorierten feinen Fettadern bestehen und das Wort Steinzeiternährungskonzept auf rebellisch eigene Art interpretieren würde………

Und neuerdings sogar auf einem lückenlosen Herkunftsnachweis für das Grillgut vom Züchter bestünde. Von dem er selbst zwar nicht so recht weiss, wo der im Supermarkt zu finden ist, aber………

Aber wen interessieren schon Dinge wie Zucht, Züchter, Tierzuchtfragen und Zuchthygiene und etwaige Fragen der Haftung, wenn dabei was schief geht.

😉

Ni X für U ngut.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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