Wenn Sie wieder mal am Bahnsteig fröstelnd wegen Verspätung warten…. {hilft vielleicht das Bundesverwaltungsgericht}

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Missing ICE? © Liz Collet

Aber auch selbiges nicht beim Aufwärmen. Und es hilft auch nicht unmittelbar gegen Kälte und Frösteln zu hören, dass Ihr Zug sich verspätet.

Oder um welche Zeitdauer er sich verspätet.

Warme Joppe oder Mantel oder ein heisses Getränk helfen da schon eher.Wenn man weiss, dass und wie lang die Verspätung anhält.

Sie sind jetzt vielleicht ein bisschen missmutig, dass ich Ihnen schon schneebedeckte Landschaft aus dem Blauen Land serviere? Pah…den kältesten Tag an einem Bahnsteig habe ich in Frankfurt am Main bei der Rückfahrt von der Buchmesse vor einiger Zeit erlebt. Und obgleich sich massenhaft Menschen am Bahnsteig drängten und drängelten, bibberten die meisten. Sie hatten keinen heissen Tee.  Und keine Thermoskanne. Die beste Waffe gegen die Bahn. Und ihre Verspätungen.{*1 ….aus gegebenem Anlass….siehe unten PS 3!}

Die Buchmesse steht bekanntlich in Kürze wieder an. Ziehen Sie daraus Ihre eigenen Schlüsse. Und die Zugspitze liegt ohnehin bereits unter Schnee. Wie angekündigt.

Ein gelegentlich scheuer Blick in die Regale eines guten Haushaltswarenladens nach einer Thermoskanne mit ausreichender Warmhaltedauer und -temperatur wäre also vielleicht nicht fehl am Platze.  (Meine eigene ist auch nach mehr als 15 Jahren unvermindert temperaturbeständig bis zu 20 Stunden und für kalte wie heisse Füllungen eine geschätzte Begleiterin, passt in Aktenkoffer wie Fotorucksack oder Schultertasche und hat nicht mal soviel gekostet wie ein Bayern-Bahnticket der DB. Die Wahl zwischen dem Kauf des einen oder des anderen ist da blitzschnell erledigt, rischtisch?)

Um sich solches Getränk anderenfalls während der Wartezeit zu verschaffen (so sie keins wie ich in der Thermos bei sich haben), ist es aber doch mindestens hilfreich zu wissen, wie lange Sie vom Bahnsteig wegdippeln können, ohne den dann vielleicht doch gemächlich heranzuckelnden und ruckzuckflutschflitzschnell weiterfahrenden Zug zu verpassen. Dilemmata wie dieses sind einer der vielen Gründe, warum Infos an Fahrgäste für Zugverspätungen und natürlich erst recht Ausfälle oder Ersatzverkehr nötig sind. Und nicht nur eine überobligationsmässige Gefälligkeit, die man vielleicht mal macht, mal nicht. Je nach Laune und Lustigkeit des jeweiligen Personals oder zufallsgenerierter Bahnhofsphilosophie des einzelnen Bahnhofs.

In einem Verfahren der DB Station & Service AG streitet diese mit der Bundesrepublik Deutschland über die Frage einer solchen etwaigen Verpflichtung der Bahn zur Information der Fahrgäste über Zugverspätungen.

Die klagende DB Station & Service AG ist Betreiberin von rund 5 500 Bahnhöfen und Haltepunkten.

Nachdem das beklagte Eisenbahn-Bundesamt im Jahr 2010 festgestellt hatte, dass nicht an jeder Station Zugzielanzeiger, Lautsprecheranlagen oder sonstige Kommunikationseinrichtungen zur Information der Fahrgäste über Verspätungen bei der Abfahrt oder Ankunft vorhanden waren, machte die Klägerin geltend, es bestehe keine Pflicht zur Ausrüstung von Stationen mit Zugzielanzeigern oder Lautsprechern zum Zwecke der Unterrichtung von Kunden.

Ca. 1 900 Stationen mit weniger als 300 Reisenden täglich seien mit einem Aushang versehen, auf dem die Festnetznummer der nächstgelegenen Zentrale benannt werde, an die sich der Fahrgast bei Unregelmäßigkeiten wenden könne.

Das beklagte Eisenbahn-Bundesamt verpflichtete die Klägerin, zeitlich gestaffelt alle Stationen mit Dynamischen Schriftanzeigern auszustatten. Diese Verpflichtung sollte nicht gelten, wenn die jeweilige Station mit einem anderen technischen Kommunikationsmedium wie beispielsweise einer funktionstüchtigen Lautsprecheranlage ausgerüstet sei, die es gestatte, Reisende aktiv über eventuelle Verspätungen und Zugausfälle zu unterrichten, oder wenn durch andere gleich geeignete organisatorische Maßnahmen, wie beispielsweise örtliches Personal, nachweislich sichergestellt werde, dass Reisende aktiv über eventuelle Verspätungen und Zugausfälle informiert würden, sobald diese Informationen zur Verfügung stünden.

Hiergegen ging die DB Station & Service AG mit Klage und Berufung erfolglos vor. Das Oberverwaltungsgericht Köln begründete die Zurückweisung der Berufung damit, daß aus der Verordnung der EU über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr für das Eisenbahnunternehmen oder den Bahnhofsbetreiber die Pflicht resultiere, Fahrgäste an allen Bahnhöfen über Verspätungen von Zügen zu informieren. Es genüge nicht, Fahrgäste darauf hinzuweisen, wo die Informationen für sie bereitgestellt würden.

Die Revision der Klägerin wird am morgigen 09.09.2015 um 10 Uhr verhandelt.
BVerwG – 6 C 28.14 , Vorinstanzen: OVG Münster -16 A 494/13, VG Köln -18 K 4907/11
Quelle: Termininformation Bundesverwaltungsgericht September 2015

PS: Lufthansa-Piloten-Streik-Info haben Sie von mir schon zum Wochenbeginn erhalten. KiTa-Streik-Ankündigung ebenfalls. Was die Bahn betrifft, kann ich Ihnen sicher eine Info versprechen: Über den Ausgang der Revision. Dass diese zufällig auf meinen Geburtstag fällt, soll Ihnen keine Hoffnungen auf eine Entscheidung in der einen oder anderen Richtung machen und noch weniger das Bundesverwaltungsgericht beeinflussen (Sie wissen ja – ICH hab meine Thermosflasche und kann daher mit jeder Entscheidung gut gerüstet überleben). Aber ich kann unabhängig davon vage vermuten, wie die nächsten Ansagen auf Bahnsteigen sein werden. Bei Verspätungen. Oder……sie KÖNNTEN auch mal wieder auf „Wegen Streik fällt dieser Zug aus…. “ lauten. Chissà!?! Mein persönlicher Tipp: Eine gute Thermoskanne zu haben und diese auch gefüllt bei sich, schadet niemals! Und ein nettes Lächeln hilft, sie von nettem Hotelpersonal hübsch heiss für die Rückreise von wo auch immer befüllt zu erhalten.

PS 2: Falls Sie sich ein bisserl orientieren wollen über Thermoskannen im Praxistest habe ich HIER einen Beitrag für Sie.  Und hier einen für Thermo-Kaffeebecher im Test Und wenn Sie mich fragen: Fragen Sie eine Mitarbeiterin in einem guten Haushaltswarengeschäft. Und schauen Sie sich in deren Laden oder einem Kaufhaus ruhig ein bisserl um, auch in letzteren kann man gute Produkte bekommen. Und auch eine Thermosflasche für ca 20 Euro amortisiert sich im Nu verglichen mit dem Preis von Coffee 4 Runaways an der Railway Station, die (nach meinem Gusto) eh zum Davonlaufen sind…

PS 3: Nachtrag auf eine soeben eingegangene Mail und Anfrage hin. Hüstel. Nein, nicht als Waffe im Sinne von gefährlichem Werkzeug gemäss § 224 StGB. Tztztztztztz….  ich grüble wieder mal, was ich demnächst an Haftungsfreizeichnungsklauseln für Leser des Blogs brauche, die auch das „zwischen den Zeilen und Buchstaben beim Empfängerhorizont ankommende an Suggestion und Assoziation“ erfassen würde….. Falls Sie sowas zur Hand haben, scheuen Sie sich nicht und schrecken Sie nicht davor zurück, mich das wissen zu lassen.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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Eine Antwort zu Wenn Sie wieder mal am Bahnsteig fröstelnd wegen Verspätung warten…. {hilft vielleicht das Bundesverwaltungsgericht}

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